Ski-Unglück Ärzte wollen Althaus langsam aus künstlichem Koma holen

Der Gesundheitszustand von Dieter Althaus ist nach seinem schweren Ski-Unfall stabil - die Ärzte wollen Thüringens Ministerpräsidenten nun langsam aufwecken. Der Polizei zufolge hatte Althaus nach der Kollision eine Behandlung zunächst abgelehnt. Die Schuldfrage ist noch ungeklärt.


Wien/Erfurt - Dieter Althaus geht es nach dem tragischen Ski-Unfall den Umständen entsprechend gut. Der CDU-Politiker liege mit einem schweren Schädelhirntrauma noch im künstlichen Tiefschlaf, teilten die Ärzte im österreichischen Schwarzach mit. Der Gesundheitszustand sei "stabil, wir sind hoffnungsvoll, dass es gut ausgeht", sagte der Ärztliche Direktor des Kardinal Schwarzenberg'schen Krankenhauses Schwarzach im Pongau, Reinhard Lenzhofer.

Bei einer Kontrolluntersuchung mit einer Computertomografie am Morgen habe sich der stabile Zustand von Althaus bestätigt. Es gebe keine "Druckzeichen" von der Verletzung im rechten Hirnbereich. Es sei geplant, ihn langsam wieder aus dem künstlichen Koma zu holen.

SPIEGEL WISSEN: Hirnverletzungen und künstliches Koma
Als Schädelhirntrauma (SHT) bezeichnet man jede Verletzung des Schädels mit Hirnbeteiligung. Vor allem Hirnblutungen sind gefährlich. mehr auf SPIEGEL WISSEN...
Als Hirnblutung bezeichnet man umgangssprachlich Blutungen im Inneren des Hirnschädels oder der Hirnhäute. Sie können lebensbedrohlich sein. mehr auf SPIEGEL WISSEN...
Ein künstliches Koma ist eine verlängerte Narkose, in die Mediziner Patienten versetzen, um deren Organismus zu entlasten. mehr auf SPIEGEL WISSEN...
Ein Hirnödem ist eine vermehrte Wasseransammlung im Interzellularraum der Hirngewebe. Da das Gehirn durch den knöchernen Schädel wenig Möglichkeiten hat sich auszudehnen, kann ein Hirnödem lebensbedrohlich sein. mehr auf SPIEGEL WISSEN...

Wann der CDU-Politiker aufwacht, ist unklar. Nach Angaben der Mediziner kann dies 12 bis 24 Stunden dauern. Althaus habe neben dem Schädelhirntrauma auch Prellungen und eine Fraktur im Gesicht erlitten, die aber "unverschoben" sei und nicht weiter behandelt werden müsse. Er habe eine ruhige Nacht verbracht, sagte ein Sprecher der Staatskanzlei in Erfurt. Es sei damit zu rechnen, dass Althaus noch am Freitag aus dem Koma zurückgeholt werde und dann auch wieder ansprechbar sei.

Welchen Folgen der Unfall auf den späteren Zustand von Althaus habe, sei "seriös nicht zu beantworten", teilten die österreichischen Ärzte mit. Ein Transport sei momentan "nicht sinnvoll", es sei aber auch keine Operation notwendig. Nach Angaben der Ärzte ist es auch sehr wahrscheinlich, dass Althaus sich nicht an den Hergang des Unfalls erinnern wird.

Landesfinanzministerin Birgit Diezel wird nach dem Unfall von Althaus vorübergehend die Amtsgeschäfte des Regierungschefs übernehmen. Sie ist auch stellvertretende Ministerpräsidentin im Freistaat. Die Thüringer Regierung will am Nachmittag um 14 Uhr zum weiteren Vorgehen Stellung nehmen.

Althaus hatte sich am Neujahrstag beim Zusammenstoß mit einer Skiläuferin im Skigebiet Riesneralm in der Obersteiermark die schwere Verletzung zugezogen. Die Frau, eine in den USA wohnhafte gebürtige 41-jährige Slowakin, starb auf dem Weg ins Krankenhaus.


Riesneralm bei Donnersbachwald in der Steiermark: Auf dem Berg direkt westlich des Endes der Bundesstraße verunglückte Althaus

Die Schuldfrage ist noch ungeklärt. Althaus fuhr auf der schwereren roten Abfahrt 6 "Die Sonnige", die Frau auf der leichteren blauen "Panorama-Abfahrt" 5. Der direkte Zusammenstoß wurde allerdings von keinem Augenzeugen direkt beobachtet. Sowohl der Ehemann der Frau als auch der Althaus begleitende Sicherheitsbeamte trafen erst nach dem Zusammenprall an der Unfallstelle ein.

Althaus war nach dem Unfall zunächst ansprechbar - ein Polizeisprecher sagte bei einer Pressekonferenz am Mittag, die Schwere seiner Verletzungen sei nicht abzusehen gewesen. Der Ministerpräsident habe zunächst sogar jegliche Behandlung abgelehnt. Daher sei zunächst nur ein Rettungshubschrauber für die Frau angefordert worden. Althaus wurde erst um 18.15 Uhr ins Krankenhaus eingeliefert. Sein Zustand hatte sich extrem verschlechtert, er musste intubiert werden - zum Zeitpunkt der Landung war der Politiker bewusstlos, in einer Computertomographie wurde dann eine Schädelhirnverletzung in der rechten Hirnhälfte festgestellt.

Nach Informationen der "Kronenzeitung" erlitt die in den USA lebende Slowakin noch an der Unfallstelle einen Herzstillstand - konnte jedoch zunächst von Mitarbeitern des Rettungsteams wiederbelebt werden, bevor sie auf dem Weg zu einem Krankenhaus starb.

Möglicherweise hat ein Helm Althaus' Leben gerettet. "Die verstorbene Skifahrerin hat keinen Helm getragen, der Herr Ministerpräsident sehr wohl", sagte Polizei-Einsatzleiter Siegmund Schnabl auf der Pressekonferenz. Der genaue Unfallhergang wird nach seinen Angaben nur schwer zu rekonstruieren sein. Erst vergangene Woche war ein Thüringer, der keinen Helm getragen hatte, nach einem Skiunfall in Österreich gestorben - die schützende Kopfbedeckung gilt als wichtige Vorkehrung, da schon bei relativ geringen Geschwindigkeiten schwere Verletzungen drohen (siehe Video).

Hintergrund: Die Pistenregeln der FIS
Rücksicht auf die anderen Skifahrer
Jeder Skifahrer muss sich so verhalten, dass er keinen anderen gefährdet oder schädigt.

Erläuterung: Der Wintersportler ist nicht nur für sein fehlerhaftes Verhalten, sondern auch für die Folgen einer mangelhaften Ausrüstung verantwortlich. Dies gilt auch für Benutzer neuentwickelter Sportgeräte.

Quelle: Skiverband FIS, Wirtschaftskammer Kärnten/Seilbahnen
Beherrschung der Geschwindigkeit und der Fahrweise
Jeder Skifahrer muss auf Sicht fahren. Er muss seine Geschwindigkeit und seine Fahrweise seinem Können und den Gelände-, Schnee- und Witterungsverhältnissen sowie der Verkehrsdichte anpassen.

Erläuterung:Kollisionen sind häufig die Folge zu hoher Geschwindigkeit, unkontrollierter Fahrweise oder mangelnder Beobachtung. Ein Wintersportler muss im Bereich seiner Sichtmöglichkeiten anhalten oder ausweichen können. An unübersichtlichen oder stark befahrenen Stellen ist langsam zu fahren, insbesondere an Kanten, am Ende von Pisten und im Bereich von Liften und Seilbahnen.
Wahl der Fahrspur
Der von hinten kommende Skifahrer muss seine Fahrspur so wählen, dass er vor ihm fahrende Skifahrer nicht gefährdet.

Erläuterung:Das Skifahren ist ein Sport der freien Bewegung, wo jeder nach Belieben fahren kann, solange er die Regeln einhält, den Freiraum anderer achtet und sein eigenes Können und die jeweilige Situation berücksichtigt. Vorrang hat der vorausfahrende Wintersportler. Wer hinter einem anderen herfährt, muss genügend Abstand einhalten, um dem Vorausfahrenden für alle seine Bewegungen genügend Raum zu lassen.
Überholen
Überholt werden darf von oben oder unten, von rechts oder von links, aber immer nur mit einem Abstand, der dem überholten Wintersportler für alle seine Bewegungen genügend Raum lässt.

Erläuterung: Die Verpflichtung des überholenden Skifahrers bleibt für den ganzen Überholvorgang bestehen, damit der überholte Wintersportler nicht in Schwierigkeiten gerät. Das gilt auch für das Vorbeifahren an einem stehenden Skifahrer.
Einfahren, Anfahren und Hangaufwärtsfahren
Jeder Skifahrer, der in eine Skiabfahrt einfahren, nach einem Halt wieder anfahren oder hangaufwärts schwingen oder fahren will, muss sich nach oben und unten vergewissern, dass er dies ohne Gefahr für sich und andere tun kann.

Erläuterung: Die Erfahrung zeigt, dass das Einfahren in eine Piste und das Wiederanfahren gelegentlich zu Unfällen führen. Es ist daher unbedingt erforderlich, dass der Wintersportler, der anfährt, sich harmonisch und ohne Gefahr für sich und andere in den allgemeinen Verkehrsfluss auf der Abfahrt einfügt. Befindet er sich dann - wenn auch langsam - in Fahrt, hat er gegenüber schnelleren und von hinten oder oben kommenden Wintersportlern wieder den Vorrang nach Regel 3.
Anhalten
Jeder Wintersportler muss es vermeiden, sich ohne Not an engen oder unübersichtlichen Stellen einer Abfahrt aufzuhalten. Ein gestürzter Wintersportler muss eine solche Stelle so schnell wie möglich freimachen.

Erläuterung: Ausgenommen auf breiten Pisten soll der Wintersportler nur am Pistenrand halten und stehenbleiben. Engstellen und unübersichtliche Abschnitte sind ganz freizuhalten.
Aufstieg und Abstieg
Ein Wintersportler, der aufsteigt oder zu Fuß absteigt, muss den Rand der Abfahrt benützen.

Erläuterung: Bewegungen gegen den allgemeinen Verkehrsfluss stellen für Skifahrer unerwartete Hindernisse dar. Fußspuren beschädigen die Piste und können dadurch Skifahrer gefährden.
Beachten der Zeichen
Jeder Wintersportler muss die Markierung und die Signalisation beachten.

Erläuterung: Pisten werden nach ihrem Schwierigkeitsgrad schwarz, rot, blau oder grün markiert. Der Skifahrer ist frei, eine seinen Wünschen entsprechende Piste zu wählen. Pisten werden mit Hinweis-, Gefahr- und Sperrtafeln gekennzeichnet. Ist eine Piste als gesperrt oder geschlossen bezeichnet, ist dies ebenso zwingend zu beachten wie der Hinweis auf Gefahren. Der Wintersportler soll sich bewusst sein, dass diese Vorkehrungen in seinem Interesse erfolgen.
Hilfeleistung
Bei Unfällen ist jeder Wintersportler zur Hilfeleistung verpflichtet.

Erläuterung: Hilfeleistung ist, unabhängig von einer gesetzlichen Pflicht, ein Gebot sportlicher Fairness. Das bedeutet: Erste Hilfe, Alarmierung des Rettungsdienstes und Absichern der Unfallstelle. Die FIS erwartet, dass Unfallflucht ebenso geahndet wird wie im Straßenverkehr und zwar auch in jenen Ländern, in denen ein solches Verhalten nicht schon ohnehin strafrechtlich verfolgt wird.
Ausweispflicht
Jeder Wintersportler, ob Zeuge oder Beteiligter, ob verantwortlich oder nicht, muss im Falle eines Unfalles seine Personalien angeben.

Erläuterung: Der Zeugenbeweis ist für die zivil- und strafrechtliche Beurteilung eines Unfalles von großer Bedeutung. Jeder verantwortungsbewusste Wintersportler muss daher seine staatsbürgerliche und moralische Pflicht erfüllen, sich als Zeuge zur Verfügung zu stellen. Auch Berichte des Rettungsdienstes und der Polizei sowie Fotos dienen zur Beurteilung der Haftungsfragen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat "tief betroffen und schockiert" auf den Unfall von Althaus reagiert. Regierungssprecher Thomas Steg sagte am Freitag in Berlin, Merkel habe am Donnerstagabend von dem Unfall erfahren und stehe im Kontakt mit Frau Althaus. Sie lasse sich regelmäßig unterrichten. Die CDU-Chefin habe zu Althaus eine besonders enge und vertrauensvolle Beziehung.

als/AFP/dpa/AP

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