Skinhead-Vergleich Trittins Schröder schaltet sich ein

Jetzt versucht der Bundeskanzler seinen Umweltminister zur Räson zu bringen: Im Streit zwischen Bundesumweltminister Jürgen Trittin und CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer sprach sich Gerhard Schröder dafür aus, dass sich der Grüne für seine verbalen Attacken entschuldigt.

Berlin - In der Kabinettssitzung in Berlin bat Schröder die Grünen-Minister in der Runde, auf Trittin einzuwirken, damit dieser die Angelegenheit aus der Welt schaffe, hieß es anschließend in Regierungskreisen. "Das Beste wäre, sich schlicht und einfach zu entschuldigen", sagte der Kanzler nach diesen Angaben.

Trittin nahm selbst an der Kabinettssitzung nicht teil. Die Parlamentarische Staatssekretärin im Umweltministerium, Simone Probst, habe gesagt, Trittin habe sich in seinem am Dienstagabend an Meyer gerichteten Brief entschuldigt.

"Einige Passagen in meinem Interview mit dem WDR sind in meiner Formulierung von Ihnen als persönlich verletzend empfunden worden. Dies lag nicht in meiner Absicht", schrieb Trittin in einem am Dienstagabend veröffentlichten Brief an Meyer. Zugleich hielt Trittin aber in der Sache an seiner Kritik fest. Es seien "die deutschtümelnden Töne von Ihnen und Ihrer Partei, die bei mir immer wieder Unverständnis und Empörung auslösen".

Trittin hatte im WDR zu Meyers Kritik am Beschluss des Grünen-Parteitags, das Asylrecht in seiner Form von vor 1993 wiederherzustellen, gesagt: "Laurenz Meyer hat die Mentalität eines Skinheads und nicht nur das Aussehen." Außerdem hatte Trittin Meyer vorgeworfen, dieser habe bekundet, dass er stolz darauf sei, ein Deutscher zu sein. "Das ist so die Flachheit, der geistige Tiefflug, der jeden rassistischen Schläger in dieser Republik auszeichnet", zitierte der WDR den Umweltminister.

Trittin hatte die Äußerungen im Zusammenhang mit dem Asylbeschluss auf dem Grünen-Parteitag und der Kritik daran geäußert. Führende Unionspolitiker hatten eine Entschuldigung Trittins gefordert. Kanzler Gerhard Schröder müsse sich von dieser "ungeheuerlichen Aussage" distanzieren, sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der Unionsfraktion, Hans-Peter Repnik.

Merz: Unflätiger Angriff

Unions-Fraktionschef Friedrich Merz verurteilte den Angriff auf den Generalsekretär seiner Partei als "schlimme Entgleistung". Er forderte Schröder in der "Neuen Osnabrücker Zeitung" auf, Trittin wegen dieses "unflätigen Angriffs" zur Ordnung zu rufen. "Das ist eine schlimme Entgleisung, die so nicht hingenommen werden darf", betonte Merz.

CSU-Landesgruppenchef Michael Glos sagte, Trittin bewege sich "auf der gleichen geschmacklosen Ebene" wie Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD), der es für nicht ausgeschlossen gehalten habe, dass ein heutiger Skinhead in 20 Jahren Minister sein könne.

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