Skinheadkonzerte Rechtsextremisten setzen auf Musik

Die rechtsextremistische Szene versucht offenbar zunehmend, potenzielle Anhänger durch Musik zu erreichen. Angaben der Bundesregierung zufolge ist die Zahl einschlägiger Konzerte deutlich angestiegen.

Berlin - Zählten die Behörden im Jahr 2004 noch 137 Konzerte rechtsextremistischer Musikgruppen, waren es im vergangenen Jahr bereits 193, teilte die Bundesregierung heute in einer Antwort auf eine Anfrage der Linksfraktion mit. Das entspricht einem Zuwachs von mehr als 40 Prozent. 51 Konzerte seien verboten beziehungsweise aufgelöst worden, hieß es weiter. Wegen des Drucks der Sicherheitsbehörden fänden die meisten Veranstaltungen unter konspirativen Umständen statt.

Von 106 auf 142 zugenommen hat den Angaben zufolge auch die Zahl von Gruppen, die bei solchen Konzerten auftreten oder Tonträger veröffentlichen. Eine ansteigende Tendenz zeige sich auch bei der Zahl der Liedermacher (26 gegenüber 15 im Vorjahr) und bei den Musikvertrieben. Deren Angebotsseiten im Internet haben sich danach auf 75 gegenüber 60 im Jahr 2004 erhöht.

Razzia bei Rechtsextremisten in Mittweida

Die Staatsanwaltschaft Dresden ermittelt erneut gegen eine rechtsextremistische Kameradschaft. Mit mehr als hundert Beamten seien am Mittwochmorgen 27 Objekte vor allem im Raum Mittweida durchsucht worden, teilte Oberstaatsanwalt Jürgen Schär in Dresden mit.

Die für Staatsschutzdelikte zuständige Abteilung ermittle gegen 26 Angehörige der rechtsextremistischen Kameradschaft "Sturm 34" in Mittweida wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung und verschiedener Gewaltdelikte. Bei den Verdächtigen handele es sich überwiegend um junge Männer um die 20, von denen einige der Staatsanwaltschaft bereits durch einschlägige Taten bekannt seien.

Den Beschuldigten wird zur Last gelegt, im März dieses Jahres die Kameradschaft "Sturm 34" mit dem Ziel gebildet zu haben, Mittweida und Umgebung von politisch Andersdenkenden und Ausländern zu "befreien".

Nach Angaben Schärs war die jüngste Aktion der 15. Schlag gegen rechtsextremistische Gruppen in Sachsen in den vergangenen fünf Jahren. Ziel sei, die Rechtsextremisten aus den "Schutzräumen der Kameradschaften" heraus zu holen. Der Verfassungsschutz sei im vergangenen Jahr von 38 rechtsextremistischen Kameradschaften im Freistaat ausgegangen.

phw/AP/ddp