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Corona-Lage »So angespannt wie nie«

Stefanie Drese, 45 (SPD), Gesundheitsministerin von Mecklenburg-Vorpommern, rechtfertigt die umstrittene Hotspot-Regelung.
aus DER SPIEGEL 14/2022
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Jens Büttner / dpa-Zentralbild

SPIEGEL: Der Landtag hat alle Landkreise und damit Ihr ganzes Bundesland zum Corona-Hotspot erklärt. Wie dramatisch ist die Lage in den Krankenhäusern?

Drese: So angespannt wie nie zuvor in der Pandemie. Die Krankenhäuser müssen bereits entscheiden, welche Operationen noch gemacht werden können und welche nicht. Notaufnahmen fallen stundenweise aus, ganze Stationen werden geschlossen, Patienten in andere Kliniken geschickt. Noch nie gab es so viele Patienten – und so wenig Personal, weil viele Mitarbeiter selbst erkrankt sind oder in Quarantäne.

SPIEGEL: Wenn Kliniken auswählen müssen, ist das im Grunde nicht schon eine Triage?

Drese: Nein, die Krankenhäuser helfen einander noch, eine richtige Triage-Situation ist das noch nicht. Aber die Häuser haben sich darauf vorbereitet, Pläne dafür liegen schon vor.

SPIEGEL: Etliche Ihrer Länderkollegen kritisieren die neue Hotspot-Regelung des Bundes als lückenhaft. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sagte, ein so »schlampig« gemachtes Gesetz werde er nicht anwenden. Warum tun Sie es?

Drese: Entweder warte ich, bis der Bund nachbessert, oder ich handele. Wir haben uns fürs Handeln entschieden, weil wir sonst keinen Schutz mehr haben. Die Gefahr, dass Gerichte das überprüfen, besteht ja immer.

Aus: DER SPIEGEL 14/2022

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SPIEGEL: Die FDP hat bereits eine Klage angekündigt, auch die CDU im Landtag moniert, der Beschluss sei wohl rechtlich nicht haltbar.

Drese: Ich teile das nicht. Wir haben es geprüft: Das Gesetz spricht von einem dynamischen Infektionsgeschehen mit einer Virusvariante und einer drohenden Überlastung des Gesundheitssystems, das ist bei uns gegeben. Die besonders ansteckende Omikron-Variante BA.2 ist bei uns nun zu fast hundert Prozent vorherrschend.

SPIEGEL: Es gilt nun: länger Maske tragen in Innenräumen und an vielen Orten weiter die 3G-Regel, was können Sie damit erreichen?

Drese: Es geht darum, wie viele andere ein Infizierter ansteckt. Wir wollen die Zahlen drücken.

SPIEGEL: Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach, Ihr Parteifreund, hält das Ende der Pandemie nur mit der allgemeinen Impfpflicht für möglich. Teilen Sie das?

Drese: Ich war von Anfang an davon überzeugt, dass Impfen der beste Schutz ist, auch wenn es um einen milden Verlauf geht. Aber es liegen drei Gesetzentwürfe vor, das muss jetzt gut abgewogen werden. Im Herbst werden wir alle Instrumente brauchen.

agr
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