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Schlussphase im Wahlkampf Drei Tage Endspurt, drei Tage wach

Unentschlossene aufgepasst: Wahlkämpfer aller Parteien beginnen den Endspurt, um auf den letzten Metern noch möglichst viele Stimmen abzugreifen. Die einen setzen auf Klingelmarathon, andere auf Sofagespräche, Taxioffensive, Gulasch oder TV-Auftritte. Schlafen? Das muss bis Montag warten.
Von Andreas Spinrath

Hamburg - Am Sonntag um 18 Uhr schließen die Wahllokale - für die Parteien ist nur noch wenig Zeit, Kurzentschlossene für das eigene Lager zu gewinnen. Die meisten setzen auf große Abschlusskundgebungen in Berlin, Erreichbarkeit rund um die Uhr und Marathon-Aktionen.

Was planen Union und SPD? Wo treten die Spitzenleute der Grünen, der FDP und der Linken noch auf? Wie halten es die AfD und die Piraten mit dem Schlussspurt?

Antworten gibt der Überblick: So buhlen die Parteien bis Sonntagabend um die Wähler.

CDU - der Bus rollt bis zum Schluss

Angela Merkel wirbt für beide Stimmen

Angela Merkel wirbt für beide Stimmen

Foto: FABRIZIO BENSCH/ REUTERS

Von einer Zweitstimmenkampagne für den Koalitionspartner FDP will man in der CDU nichts wissen. Bundeskanzlerin Angela Merkel bittet in einem Brief an Millionen deutscher Haushalte um "beide Stimmen für die CDU". Außerdem sollen am Samstag in zahlreichen Tageszeitungen großformatige Anzeigen für zwei Kreuze bei den Christdemokraten werben.

Am Samstag hält die amtierende Kanzlerin noch Reden, erst bei der Abschlussveranstaltung in Berlin und dann in ihrem Wahlkreis in Stralsund. Bis Sonntag im Einsatz ist hingegen die "Linie 150". Der Wahlkampfbus ist seit Montag auf Tour durch Deutschland - 150 Stunden will man auf der Straße durchhalten und die Bevölkerung für die Stimmabgabe mobilisieren.


SPD - ein letzter Showdown mit der (falschen) Merkel

Peer Steinbrück mit ungewöhnlich friedlicher Geste

Peer Steinbrück mit ungewöhnlich friedlicher Geste

Foto: Oliver Berg/ dpa

Die Abschlusskundgebung haben die Sozialdemokraten bereits am Donnerstag in Berlin absolviert. Am Freitag und Samstag wirbt Peer Steinbrück um unentschiedene Wähler in Hessen und Nordrhein-Westfalen. In Frankfurt wird Steinbrück von der Merkel-Imitatorin Bäppi la Belle interviewt - das soll ein letzter "Showdown" der Kanzlerkandidaten werden, auch wenn's nicht die echte Merkel ist.

"72 Stunden" heißt die SPD-Abschlussaktion, drei Tage Wahlkampf nonstop bis zum Sonntag. Die Genossen wollen bis zur Schließung der Wahllokale auch ihr Ziel von fünf Millionen Haustürbesuchen erreichen. Zudem sollen in der Schlussphase 15.000 großflächige Plakate für die Partei werben, das sind mehr als doppelt so viele wie in den Wochen zuvor. Der Parteinachwuchs toppt das 72-Stunden-Finale aber locker: Die Jusos sind bereits mitten in ihrer "7 Tage wach"-Woche.


FDP - angefeuert von Billy Joel und Udo Jürgens

Für die FDP geht es bis Sonntag vor allem um Zweitstimmen

Für die FDP geht es bis Sonntag vor allem um Zweitstimmen

Foto: Arno Burgi/ dpa

Bei den Liberalen setzt man im Endspurt auf geballte Herren-Power. Hans-Dietrich Genscher, Rainer Brüderle, Philipp Rösler und der Spitzenkandidat für die Landtagswahl in Hessen, Jörg-Uwe Hahn, treten am Freitag in Frankfurt auf. Danach stehen Brüderle und Rösler gemeinsam mit Dirk Niebel in Stuttgart auf der Bühne. Die FDP in NRW wird außerdem 850.000 Postkarten an Wahlberechtigte in Gegenden versenden, in denen sich die Partei Chancen ausrechnet.

Ab Freitag sollen laut "Focus" in den 60 größten Einkaufszentren Deutschlands auf Bildschirmen animierte Motive des Spitzenkandidaten Rainer Brüderle gezeigt werden, die mit dem Hinweis "Zweitstimme FDP" versehen werden. Für den Soundtrack der Endspurttage hat Röslers Wahlkampfteam gesorgt und beim Streamingdienst Spotify eine Liste mit erwartbaren Klassikern  zusammengestellt - von Billy Joel bis Udo Jürgens.


Bündnis 90/Die Grünen - Trittin trifft Raab

Noch heißt es für Trittin und die Grünen: wach bleiben

Noch heißt es für Trittin und die Grünen: wach bleiben

Foto: Swen Pförtner/ dpa

Wahlkampfhöhepunkt nennen die Grünen ihre Veranstaltung am Freitag in Berlin, natürlich mit den Spitzenkandidaten Katrin Göring-Eckardt und Jürgen Trittin. Für beide ist es der letzte Auftritt ihrer "Deutschland ist erneuerbar"-Tour. Trittin wird jedoch gemeinsam mit Ilse Aigner (CSU), Armin Laschet (CDU), Thomas Oppermann (SPD), Rainer Brüderle (FDP) und Gregor Gysi (Die Linke) noch am Samstagabend bei Stefan Raabs "TV Total Bundestagswahl 2013" auftreten.

Geschlafen wird auch bei den Grünen wenig: Am Berliner Breitscheidplatz beantworten Freiwillige unter dem Motto "3 Tage wach" die Fragen kurzentschlossener Wähler, vor vier Jahren kamen so über 12.000 Anfragen zusammen.


Die Linke - Gulasch für den Wähler

Vereint im Wahlkampf: Marx und Gysi

Vereint im Wahlkampf: Marx und Gysi

Foto: Peter Kneffel/ dpa

Am Freitag treffen sich die Linken in Berlin zum zentralen Wahlkampfabschluss mit Gregor Gysi. Ansonsten setzt man auf Dezentralismus. Besonders im Einsatz ist Dietmar Bartsch: In Schwerin veranstaltet er ein Pendlerfrühstück, verteilt bei "Linke löffeln die Suppe aus" Gulasch und ist auch noch Gast in der Late-Night-Show "Stuckrad-Barre".

Die Schlussoffensive vor der Wahl nennen die Linken den 48-Stunden-Wahlkampf. Zahlreiche Aktionen sollen letzte Stimmen bringen. Unter anderem wollen die NRW-Linken mit "Hallo Taxi" gezielt Taxifahrer ansprechen.


Alternative für Deutschland - die "Geldbombe" geht hoch

AfD: Last-Minute-Finanzierung per Geldbombe

AfD: Last-Minute-Finanzierung per Geldbombe

Foto: Hendrik Schmidt/ dpa

Die Partei um den Spitzenkandidaten Bernd Lucke veranstaltet, anders als die meisten ihrer Konkurrenten, die Abschlusskundgebung nicht in Berlin, sondern in Lüneburg. Eine große Aktion hat die Alternative für Deutschland (AfD) nicht geplant, doch das Geld für den Wahlkampfschlussspurt wurde auf ungewöhnliche Weise gesammelt - per Crowdfunding. Bei der "Geldbombe für Deutschland" kamen innerhalb von 48 Stunden knapp 433.000 Euro zusammen.


Piratenpartei - ab auf die Couch

Piraten-Politikerin Katharina Nocun ist am Donnerstag in Gießen

Piraten-Politikerin Katharina Nocun ist am Donnerstag in Gießen

Foto: Armin Weigel/ dpa

Auch die Piraten setzen auf die letzten Tage bis zur Wahl am Sonntag. In Gießen veranstalten sie den 72-Stunden-Wahlkampf. Dort diskutierte am Donnerstag unter anderem die Politische Geschäftsführerin Katharina Nocun mit potentiellen Wählern auf der "Cryptocouch". Am Freitag- und am Samstagabend steht das Sofagespräch unter dem Titel: "Warum soll ich eigentlich die Piraten wählen?"

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