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Die Kohls: Geschichte eines Zerfalls

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Altbundeskanzler Der nächste Akt im Familiendrama Kohl

Die Zerfallsgeschichte der Familie des Altbundeskanzlers Helmut Kohl bewegt seit Jahren die Republik. Im Konflikt mit der neuen Ehefrau des Vaters, Maike Kohl-Richter, legt der jüngste Sohn Peter jetzt nach. Auch ein großer TV-Auftritt der Kohl-Kinder ist angekündigt.

Berlin - Helmut Kohl tritt nur noch selten auf. Er ist jetzt 82 Jahre alt und ein gebrechlicher Mann. Er sitzt im Rollstuhl, er nuschelt, seine Worte sind nur noch schwer zu verstehen. Seine Frau Maike Kohl-Richter ist dann stets an seiner Seite. Sie ist seine Stütze.

Wenn es aktuelle Bilder von Kohl gibt, dann ist fast immer die 49-Jährige darauf zu sehen. Fotos, die Kohl mit seinen beiden Söhnen Peter und Walter zeigen, gibt es hingegen nur noch im Archiv. Es sind Bilder aus der Vergangenheit.

Die Familie Kohl, sie ist längst zerbrochen. Vor den Augen der Republik hat sich in den vergangenen Jahren das Drama eines Zerfalls abgespielt, in aller Öffentlichkeit. Der vorläufige Höhepunkt war ein Buch, das Kohls ältester Sohn Walter vor zwei Jahren vorlegte. Es wurde ein Bestseller. Darin beschrieb der Sohn das Leben mit einem Vater, der gänzlich in der Politik aufging und kaum Zeit für seine Kinder fand.

Jetzt folgt der nächste Akt.

An diesem Donnerstagabend treten Walter und Peter Kohl erstmals gemeinsam in der Talksendung bei Markus Lanz im ZDF auf. Wieder einmal geht es um die Familie, um Zerwürfnisse und das Leben mit einem Mann, der einst 16 Jahre lang die Geschicke der Republik mit prägte. Vor allem aber geht es um Kohls erste Ehefrau: In der kommenden Woche, am 7. März, wäre Hannelore Kohl 80 Jahre alt geworden. Den Söhnen geht es auch darum, die Erinnerung an ihre Mutter aufrechtzuerhalten. In diesen Tagen erscheint daher die Neuauflage eines Buches von Peter Kohl über Hannelore Kohl, das er bereits 2002 mit der Journalistin Dona Kujacinski herausgegeben hat und das damals ebenfalls auf die Bestsellerlisten gelangte. Das Interesse für Kohl, den Kanzler der deutschen Einheit und der CDU-Spendenaffäre, ist ungebrochen.

Der neue, durch 27 Seiten ergänzte Band von Peter Kohl und Dona Kujacinski enthält ein intimes Detail, eine Mutmaßung, die jetzt schriftlich fixiert wurde und über die die "Süddeutsche Zeitung" heute berichtet. "Am 5. April 2005", schreibt Peter Kohl in einer Art Vorwort, "feierte mein Vater seinen 75. Geburtstag. Am Rande dieser Veranstaltung erfuhr mein Bruder etwas, das ich eigentlich gar nicht so genau wissen wollte. Ein engster Vertrauter unseres Vaters - jedoch kein Angestellter oder Beamter - datiert den Beginn dieser Beziehung mit Maike Richter auf die zweite Hälfte der neunziger Jahre. Ich wollte es wirklich nicht erfahren."

Es ist eine weitere, öffentlich vollzogene Drehung im Familienstreit der Kohls. Wieder einmal geht es dabei weniger um den Vater als um dessen neue Ehefrau. Die beiden Söhne und Maike Richter, das ist ein Kapitel für sich. Von 1994 bis 1998 hat Maike Richter, die sich schon als Jugendliche in der CDU engagierte, im Kanzleramt unter Kohl gearbeitet und ihn im Mai 2008 schließlich geheiratet. Die Söhne waren nicht auf der Hochzeit, Sohn Walter erfuhr davon in einem Telegramm des Vaters, ausführlich konnten er und Peter nur in Berichten der "Bild"-Zeitung nachlesen, wie sich die Trauung vollzogen hatte.

Die Söhne haben über Maike Kohl-Richter nichts Gutes zu berichten. Schon 2011, als Walter Kohl sein Buch herausgebracht hatte, warf Walter Kohl ihr in einer TV-Sendung vor, eine Presseerklärung seines Vaters zu seinem Buch überarbeitet und verschärft zu haben. Sohn Peter legt in einem Interview in der Illustrierten "Bunte" diese Woche ausführlich nach. Die Rede ist da von einer "Kontaktsperre", die sich seit Mai 2011 auch auf "meine Frau und Tochter erstreckt", Ähnliches gelte auch für seinen Bruder. Sie hätten gerne Kontakt mit dem Vater, es gehe ja nicht nur um sie als Söhne, "sondern auch um Helmut Kohls Enkelkinder". Es sind viele Zeilen Vorwürfe. Peter Kohl hält der neuen Frau vor, sie zensiere die Realität seines Vaters, sie bestimme, wer zu Besuch komme, welche Schriftstücke ihm vorgelegt würden, das gleiche gelte für den E-Mail-Verkehr.

All das hat in ähnlicher Form auch schon Walter Kohl geschildert, rund um das Erscheinen seines Buches vor zwei Jahren. Tiefe Verletzung spricht auch aus dem Interview mit Peter Kohl. Maike Kohl-Richter habe wohl nie ein Interesse daran gehabt, ihn und seinen Bruder und die Frauen und Kinder einzubeziehen. "Vor allem ist sie nicht daran interessiert, das Andenken an unsere Mutter zu wahren", sagt er.

Peter Kohl zeichnet in dem Interview das Bild einer Frau, die aus Helmut Kohl eine persönliche Ikone gemacht hat. Er sei einmal in ihrer privaten Wohnung in Berlin gewesen, das sei "eine Art privates Helmut-Kohl-Museum", überall gebe es Bilder von ihm und mit anderen Menschen, gerahmte Briefe seines Vaters, Wahlkampferinnerungen "und sonstige Helmut-Kohl-Artefakte". Die Frau, sagt er , sei ihm ein Rätsel, er könne ihre Motive und Handlungsweisen nicht nachvollziehen. "Sie verhält sich, als sei sie die Propagandaabteilung von Helmut Kohl, die es nie gab und die auch niemand braucht." Es ist schweres Geschütz, das Peter Kohl da auffährt.

Das Büro des Altkanzlers hat bislang auf Anfragen von SPIEGEL ONLINE zu den Berichten nicht Stellung genommen.

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