Soldatenausbildung in Afghanistan Wirbel um Bundeswehr-Training für Teenager

Durch einen Bericht auf der eigenen Homepage muss sich die Bundeswehr mit der Anschuldigung auseinandersetzen, sie trainiere in Afghanistan Kindersoldaten. Der Vorwurf wurde umgehend zurückgewiesen - allerdings befand sich in einer unterstützten afghanischen Einheit tatsächlich ein 16-Jähriger.

Berlin - Es sind zwei dürre Sätze aus einem Beitrag, der auf der Homepage der Bundeswehr zu lesen war. "So ist die Altersspanne breit. Der Jüngste ist gerade 16 Jahre alt, die Älteren bereits Mitte Dreißig", heißt es in dem Report über die Ausbildung von afghanischen Soldaten durch die Bundeswehr. Der Text sorgt für mehr als skurrile Schlagzeilen. So warf der verteidigungspolitische Sprecher der Linkspartei der Bundeswehr und gleichsam der Regierung vor, sie beteilige sich am "Training für Kindersoldaten".

Die Bundeswehr musste wenig später eingestehen, dass sich in einer von deutschen Soldaten unterstützen Einheit der Afghan National Army (ANA) offenbar tatsächlich ein 16-jähriger afghanischer Soldat befand.

Das Einsatzführungskommando teilte mit, dass die betroffene ANA-Gruppe nicht von der Bundeswehr trainiert werde. Die Einheit werde lediglich von einem deutschen "Mentor" begleitet, der bei der Auswahl der Soldaten nicht beteiligt sei. In den afghanischen Einheiten, in denen die Bundeswehr ausbilde, seien alle mindestens 18 Jahre alt.

An der Realität Afghanistans geht der Vorwurf der Linken weit vorbei. In dem noch immer schwer zerrütteten Land gehört das Training an der Waffe für Jugendliche noch immer eher zur Ausbildung als der Besuch einer Schule. Zudem wäre es eine nahezu unlösbare Aufgabe für die Bundeswehr, wollte sie vor Beginn der Soldaten-Ausbildung die Rekruten auf Völljährigkeit überprüfen. Viele von ihnen werden den Ausbildern noch nicht einmal ihr genaues Alter nennen können - von gültigen Personalpapieren mal ganz abgesehen.

Grundsätzlich ist der Begriff "Kindersoldat" schwammig. Laut einer Zusammenstellung der Definitionen bezeichnet die internationale "Coalition to Stop the use of child Soldiers" alle Menschen unter 18 Jahren als Kindersoldaten, wenn sie von regulären Streitkräften oder bewaffneten Milizen ausgebildet werden. Dieser Begriff orientiert sich an der Kinderschutzregel der Uno. Allgemein ist der Begriff aus Krisenherden eher verwendet worden, wenn acht- bis zwölfjährige Kämpfer gemeint sind.

Die Linken halten gleichwohl an ihrer Frontalkritik fest. "Mit dem Training afghanischer Kindersoldaten reißt die Bundeswehr eine der wenigen verbliebenen moralischen Hürden im Afghanistan-Krieg ein", erklärte ihr Verteidigungsexperte Paul Schäfer. Wenn sich nun die Bundeswehr damit brüste, 16-Jährige auszubilden und dazu auf ihrer Homepage erkläre, "in nicht allzu ferner Zukunft" würden diese "an vorderster Front stehen", offenbare "auf drastische Art die Verrohung, die die Kriegsteilnahme bereits jetzt über die Truppe gebracht hat".

mgb