Sommerurlaub in Corona-Zeiten So soll Reisen wieder möglich werden

Die Bundesregierung will die Reisewarnung für 31 Staaten bald aufheben. Doch noch sind nicht alle Hindernisse für Ferien im Ausland beseitigt - und ein Restrisiko wird bleiben.
Badegäste vor der Küste von Malaga, Spanien

Badegäste vor der Küste von Malaga, Spanien

Foto: Jesus Merida/ imago images/ZUMA Wire

Eigentlich wollte das Auswärtige Amt schon in der vergangenen Woche das Signal senden: Der Sommerurlaub fällt trotz Corona nicht aus. Doch vor allem das CSU-geführte Bundesinnenministerium bremste - was Spekulationen darüber nährte, Bayern wolle den Urlaub eher in heimische Gefilde lenken.

Nun aber hat das Bundeskabinett an diesem Mittwoch das Eckpunktepapier mit "Kriterien zur Ermöglichung des innereuropäischen Tourismus" beschlossen. Damit ist klar: Die Bundesregierung wird die wegen der Pandemie noch immer geltende weltweite Reisewarnung zumindest für 31 europäische Staaten bald aufheben. Zwar verabschiedete die Ministerrunde eine deutlich kürzere Eckpunkte-Variante - im Kern aber bleibt es bei den ursprünglichen Planungen.

Was heißt das nun für jene Deutschen, die ihre Ferien in Corona-Zeiten außerhalb des Landes verbringen wollen?

Die Bundesregierung gibt sich weiter vorsichtig. Man "strebt an", heißt es in dem Papier, europäisch koordiniert ab dem 15. Juni 2020 Reisen in die Mitgliedstaaten der Europäischen Union, in Schengen-assoziierte Staaten, nach Großbritannien und Nordirland wieder zu ermöglichen. Unter der Bedingung: "soweit es das dortige Infektionsgeschehen erlaubt."

Ein erster Schritt ist damit getan. Außenminister Heiko Maas (SPD) betonte: "Wir haben das heute beschlossen, dass die Reisewarnung für den genannten Kreis von Ländern nicht fortgesetzt wird."

Aber: Noch sind nicht alle Hürden genommen, der Beschluss sichert noch keinen freien Reiseverkehr. Ende dieser Woche müssen auch die EU-Innenminister das Thema der Grenzöffnungen und Reisebeschränkungen beraten.

Zudem wird im Auswärtigen Amt darauf hingewiesen, dass für zwei der betroffenen Staaten – Norwegen und Spanien – aktuell noch Einreisebeschränkungen über den 15. Juni hinaus gelten. Diese dürften aber in den kommenden Tagen aufgehoben werden. Maas selbst rechnet damit, dass Spanien – eines der Hauptziele deutscher und europäischer Touristen – die Restriktionen zum 21. Juni aufhebt.

Die Bundesregierung will ihre pauschale Reisewarnung, die seit dem 17. März für alle Länder der Welt galt, für folgende Staaten aufheben:

  • die 26 Partner-Mitglieder Deutschlands in der Europäischen Union

  • Großbritannien einschließlich Nordirland

  • die Schweiz, Island, Norwegen und Liechtenstein - sie sind kein Teil der EU, gehören aber zum Schengenraum, in dem keine Grenzkontrollen stattfinden

Für diese 31 Länder wolle man zu länderspezifischen Reisehinweisen zurückkehren, "welche die regionale epidemiologische Lage berücksichtigen", heißt es in den Eckpunkten.

Mit dem Kofferpacken sollten die Reisewilligen jedoch noch ein wenig warten. Die weiteren Schritte müssen nämlich am Freitag die Innenminister der EU in einer informellen Videoschalte beraten. Es wird in diesem Kreis darum gehen, wie die Reise- und Grenzbeschränkungen koordiniert wieder aufgehoben werden können. Italien, von der Corona-Pandemie früh und besonders hart in Europa getroffen, ist bereits vorgeprescht: Das Land hat seine Grenzen an diesem Mittwoch wieder für alle EU-Bürger geöffnet.   

Die EU-Innenminister werden auch darüber sprechen, wie lange Reisebeschränkungen aus Drittstaaten in die EU bestehen bleiben sollen und unter welchen Kriterien diese gelockert werden können.

Dieser Punkt dürfte vor allem für Reisen in die Türkei, bei den Deutschen ebenfalls ein beliebtes Sommerziel, eine Rolle spielen. Auf der Ebene der deutsch-türkischen Tourismuswirtschaft laufen bereits Gespräche darüber, wie Urlaub am Bosporus oder in Antalya unter Beachtung besonderer Hygieneregeln wieder möglich wird.

"Das kann noch länger dauern", hieß es aus Regierungskreisen. Der Grund: Wenn deutsche Reisende die Türkei wieder ansteuern können, was wird dann mit den nicht minder beliebten Zielen in Nordafrika wie Tunesien, Ägypten oder Marokko? Bislang gibt es dazu keine klare Haltung.

Im Eckpunktepapier findet sich dazu nur ein allgemeiner Hinweis. So wird für Länder oder Regionen, in denen Quarantänemaßnahmen fortgelten, "dringend von Reisen abgeraten". Bis zur "Aufhebung großflächiger Ausgangsbeschränkungen" beziehungsweise noch bestehender Einreiseverbote für einzelne Staaten und Regionen gelte eine Reisewarnung fort.

Klausel bei ansteigenden Infektionszahlen

Überhaupt werden Reisen in Corona-Zeiten kein unbeschwertes Vergnügen sein: Schon am 13. Mai hatte die EU-Kommission eine Reihe von Empfehlungen beschlossen, mit denen ein Urlaub überhaupt möglich sein soll. So soll unter anderem in Zügen, Flugzeugen und Flughäfen eine Maskenpflicht gelten sowie in Unterkünften, Freizeitparks oder Sehenswürdigkeiten bestimmte Hygieneauflagen und Sicherheitsabstände eingehalten werden. Auf diese Richtlinien nimmt die Bundesregierung in ihrem Beschluss ausdrücklich Bezug.

Außerdem ist für die 31 europäischen Länder, für die die pauschalen Reisewarnungen aufgehoben werden sollen, eine Art Vorsichtsklausel vorgesehen. Sollte die Zahl der Neuinfektionen in diesen Ländern wieder stark ansteigen, behält man sich "Schutzmaßnahmen" vor, etwa "länder- oder regionalspezifische Reisewarnungen". Die Bundesregierung orientiert sich dabei an der auch für die Bundesländer und Landkreise geltenden Obergrenze von 50 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen. Wer aus einem solchen Corona-Hotspot zurückkehrt, der muss damit rechnen, zu Hause erst einmal in Quarantäne geschickt zu werden - oder gar an seinem Urlaubsort festzusitzen.

Denn so viel ist klar: Das Risiko, in den 31 europäischen Staaten vom Virus eingeholt zu werden, wird jeder Reisende selbst zu tragen haben. Eine Rückholaktion, wie sie das Auswärtige Amt für über 240.000 Deutsche aus aller Welt zu Beginn und im Verlaufe der Pandemie leistete, wird es diesmal nicht geben. Der Satz im Eckpunkte-Beschluss lässt daran keinen Zweifel: "Eine Abholung deutscher Staatsangehöriger durch die Bundesregierung während einer möglicherweise im Ausland verhängten Quarantäne bleibt ausgeschlossen."

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