Schwarz-rote Sondierungsgespräche Dreamteams am Verhandlungstisch

Die erste Sondierung zwischen Union und SPD ist beendet: In den nächsten Wochen geht es weiter um das Ausloten gemeinsamer Inhalte - aber auch um Vertrauen. Dafür sollen Schlüsselfiguren sorgen, die sich parteiübergreifend schätzen. Wer kann mit wem am Verhandlungstisch? Der Überblick.

DPA

Berlin - Knapp zwei Wochen nach der Bundestagswahl haben Union und SPD ihr erstes Sondierungsgespräch beendet, im Palais der Deutschen Parlamentarischen Gesellschaft, einem Abgeordnetenclub am Rande des Reichstagsgebäudes. Die Runde wird fortgesetzt, soviel ist sicher.

Ein Selbstläufer werden die Gespräche zwischen CDU, CSU und SPD nicht. Das Vertrauen muss auf beiden Seiten erst hergestellt werden. Die CDU hat die SPD im Wahlkampf als unzuverlässig beschimpft und liebäugelt parallel mit den Grünen. Die SPD hat ein schwächeres Wahlergebnis eingefahren als vor der letzten Großen Koalition, es sind also keine Treffen auf Augenhöhe.

In den kommenden Tagen und Wochen geht es deshalb auch um die Frage: Stimmt die Chemie? Gibt es eine Grundlage für ernsthafte Verhandlungen? Dafür soll eine Reihe von Personen sorgen, die während der Sondierungen gemeinsam an einem Tisch sitzen und sich über die Parteigrenzen hinweg schätzen. SPIEGEL ONLINE erklärt, wer bei Union und SPD miteinander kann.


1. Das Team Merkel

Der Pragmatismus von Angela Merkel (CDU) kann in Verhandlungen von Vorteil sein, sie versteht sich mit vielen zentralen Figuren der Runde. SPD-Chef Sigmar Gabriel hat sie gut kennengelernt, als er 2005 in ihrem Kabinett Umweltminister wurde. Beide inszenierten sich öffentlich gemeinsam als Klimaretter, der Kontakt hielt über die vergangenen Jahre. Es gab Aufs und Abs in ihrer politischen Beziehung, gleichwohl können sie gut miteinander. Auch die CSU-Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt gilt als eine Vertraute der Kanzlerin. Beide kennen sich seit mehr als 20 Jahren und duzen sich. An der Seite des polternden CSU-Chefs Horst Seehofer könnte Hasselfeldt für ein ausgeglichenes Klima sorgen.

2. Das Tandem Kauder und Steinmeier

Es erleichtert die Kommunikation, wenn man sich aus der alltäglichen, praktischen Arbeit kennt. Bei der letzten Großen Koalition war es das gute Verhältnis zwischen dem damaligen SPD-Fraktionschef Peter Struck und dem Unionsfraktionschef Volker Kauder, das die Kooperation angenehmer machte. Bis zu Strucks Tod verband beide eine enge Freundschaft. Kauder wird auch ein gutes und professionelles Verhältnis zum jetzigen SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier nachgesagt. Beide kennen sich aus jahrelangen Gremiensitzungen im Bundestag, dort haben sie sich trotz inhaltlicher Gegensätze schätzen gelernt.

3. Das Duo Schäuble und Steinbrück

Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) und sein Vorgänger im Amt, Peer Steinbrück (SPD), verbindet die Leidenschaft für Zahlen. Zwar zogen sie im Wahlkampf übereinander her, doch schätzt man sich für Expertise in Finanzen und Euro-Krise. Als Steinbrück vor einigen Jahren einen Preis für sein Buch "Unterm Strich bekam", hielt Schäuble sogar die Laudatio auf den "lieben Herrn Steinbrück". Dieser wiederum lobte Schäubles "Souveränität und Großmut".

4. Das Trio Nahles, Gröhe und Dobrindt

Sie standen nach den schwarz-gelben Koalitionsgipfeln stets Seite an Seite, um die Ergebnisse zu verkünden: CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe und sein Pendant von der CSU, Alexander Dobrindt. Beide verstehen ihren Posten äußerst unterschiedlich: Dobrindt ist der Lautsprecher der CSU, Gröhe gibt die rheinländische Frohnatur. Doch gemeinsam haben sie in den vergangenen Jahren genüsslich verbal auf die Opposition eingedroschen. Das schweißt zusammen. Ihnen steht die SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles gegenüber. Dobrindt und Nahles können wenig miteinander anfangen. Doch Gröhe und Nahles teilen als Rheinländer die regionale Herkunft - und die Leidenschaft zur Kirche. Sie ist katholisch, er ein engagierter Protestant.

5. Die Achse Aigner und Kraft

Über persönliche Sympathien zwischen Ex-Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) und Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) ist wenig bekannt. Doch könnten beide zu einer neuen Achse werden. Die beiden Politikerinnen gelten als heimatverbunden und geradlinig. Aigner gab ihr Amt als Verbraucherministerin auf und zog zurück nach Bayern. Die NRW-Regierungschefin winkte früh ab, als es um eine mögliche Kanzlerkandidatur ging. Die Gemeinsamkeit, die Landespolitik einer Karriere im Bund vorzuziehen, schafft gegenseitigen Respekt.


CDU und CSU waren aus der Bundestagswahl als klare Sieger hervorgegangen, ihnen fehlten nur fünf Mandate für eine absolute Mehrheit. Doch nach dem Scheitern der FDP muss sich Merkel nun einen neuen Regierungspartner suchen. Sie will nach der SPD in der kommenden Woche auch mit den Grünen sprechen.

insgesamt 28 Beiträge
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besserwisser69 04.10.2013
1. hätten sie den Artikel nicht geschrieben-
--ich hätte ihn nicht vermißt liebe Frau Meinitz
rigos 04.10.2013
2. SPD als Steigbügelhalter für Steuererhöhungen
Die CDU braucht eine Partei, die für Steuererhöhungen eintritt. Wer sich dafür bereit erklärt, sollte gleich die CDU eintreten. Haben schon viele Grüne gemacht. Nun sollte die SPD anfangen, abzuwandern.
Alfred Ahrens 04.10.2013
3. Hoffentlich lässt sich die Union nicht die Chance entgehen, die SPD abblitzen zu lass
Opposition zu schicken. Nach all den grossen Worten der Genossen im Wahlkampf wäre das nur gerecht. Dann ist es nämlich aus für die SPD für immer. Schade nur, dass Herr Schmidt das noch erleben muss.
kanzler.11 04.10.2013
4. Und
was ist mit dem Traum-Duo Seehofer und Kretschmann? Ich bin sicher , um 2 Uhr 13 sagen sie Horst und Winfried zueinander.
wrtlbrmft 04.10.2013
5. Nightmare
Es gibt im bürgerlichen Recht den Begriff der "Unmöglichkeit der Leistung" - und der findet hier Anwendung: niemand kann aus 4 Gurkentruppen ein "Dreamteam" formen - oder doch: ein "Nightmare Team" könnte gehen.
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