SPIEGEL-Sonntagsfrage Vorsprung der SPD auf Grüne schrumpft

Die Union zieht davon, die Sozialdemokraten verlieren an Boden: Laut der aktuellen SPIEGEL-Umfrage liegt die Kanzlerpartei nur noch knapp vor den Grünen. Und die FDP?
Kanzler Olaf Scholz im Senegal

Kanzler Olaf Scholz im Senegal

Foto: Michael Kappeler / dpa

Annalena Baerbock und Friedrich Merz haben es getan, Olaf Scholz nicht: Bislang ist der Kanzler nicht nach Kiew gereist. In dieser Woche besucht er Afrika. Im Senegal sprach Scholz über eine mögliche Energiekooperation, im Niger würdigte er den Einsatz von Bundeswehrsoldaten. In die Ukraine, so der Kanzler vor einer Woche, wolle er nicht für einen Fototermin reisen. Wenn er nach Kiew fahre, solle es »immer um ganz konkrete Dinge« gehen.

Für seinen Kurs in der Ukrainekrise findet Scholz nicht nur Zustimmung – und seine Partei muss zusehen, wie die politische Konkurrenz davonzieht beziehungsweise aufschließt: Die Union vergrößert den Abstand zu den Sozialdemokraten, deren Vorsprung vor den Grünen wiederum schmilzt. Das zeigt die Auswertung der SPIEGEL-Sonntagfrage, erhoben vom Meinungsforschungsinstitut Civey.

Wäre am kommenden Sonntag Bundestagswahl, käme die Union auf 27 Prozent. Die SPD würde 22 Prozent erhalten, vier Prozentpunkte weniger als noch kurz nach Kriegsbeginn. Die Grünen liegen bei 20 Prozent, also nur noch knapp hinter den Sozialdemokraten – die Differenz zwischen den Parteien bewegt sich innerhalb der statistischen Fehlertoleranz von bis zu 2,5 Prozentpunkten.

Die AfD bliebe der Umfrage zufolge stabil bei elf Prozent, die FDP käme auf acht Prozent, die krisengeschüttelten Linken erhielten rund fünf Prozent der Stimmen.

(Hintergründe zur Civey-Methodik lesen Sie hier.)

Die Umfrageergebnisse im Zeitverlauf zeigen, dass die Union ihren Vorsprung etwas ausbaut – und die Grünen womöglich die Sozialdemokraten überholen könnten, falls sich die aktuelle Entwicklung weiter fortsetzt.

Das liegt vor allem an Zustimmungsverlusten der SPD, weniger an Zugewinnen der Grünen. Die haben sich seit etwa einem Monat bei 20 Prozent eingependelt, allerdings seit Beginn des Krieges in der Ukraine rund fünf Prozentpunkte zugelegt. Ein vergleichbares Umfragehoch erlebten die Grünen zuletzt im August vergangenen Jahres. Danach brachen sie allerdings wieder ein, kamen bei der Bundestagswahl auf 14,8 Prozent.

Ein Grund für die guten Werte der Grünen dürfte die Beliebtheit zweier Kabinettsmitglieder sein. Wirtschaftsminister Robert Habeck und Außenministerin Annalena Baerbock liegen im SPIEGEL-Regierungsmonitor an der Spitze. Sie sind die einzigen beiden Kabinettsmitglieder, die im Schnitt positiv bewertet werden. Kanzler Olaf Scholz liegt auf Platz fünf.

slü