Sorge um Wahlbeteiligung Parteien lahmen im Europa-Endspurt

Die Schlacht um Bellevue ist gelaufen, der Wahlkampf geht in die nächste Runde: Jetzt versuchen die Parteien die Bürger für die Europawahl in zwei Wochen zu mobilisieren, die erste wahre Bewährungsprobe im Superwahljahr - doch sie tun sich schwer dabei.

Von , , Zacharias Zacharakis, und


Berlin/Chemnitz - Die Expertenmeinung ist ernüchternd: Bei der CSU vermissen sie einen griffigen Slogan, die Motive der CDU seien wenig aussagekräftig, die von der SPD immerhin humorvoll, aber auch etwas billig und unseriös, die FDP-Plakate könne man glatt übersehen, der "WUMS"-Spruch der Grünen immerhin noch praktikabel, die Linken-Poster seien zu textlastig.

SPD-Europawahlplakat in Dresden: Sorgen um die Wahlbeteiligung
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SPD-Europawahlplakat in Dresden: Sorgen um die Wahlbeteiligung

Alles in allem finden die Sprachforscherin Ruth Geier und der Politikwissenschaftler Gerd Strohmeier von der Technischen Universität Chemnitz also wenig Gutes an den Kampagnen der großen Parteien für die Europawahl am 7. Juni.

Besonders viel Mühe scheinen sich die Strategen bei ihrer Wahlwerbung tatsächlich nicht gegeben zu haben. Dabei ist die Abstimmung in zwei Wochen von nicht unerheblicher Bedeutung für die weitere Dynamik des Wahlkampfes bis zur Bundestagswahl im Herbst.

Gerade für die Union wird es keine einfache Wahl - auch wenn die Sozialdemokraten in den bundesweiten Umfragen noch immer abgeschlagen sind. Denn vor fünf Jahren erreichten CDU und CSU einen Traumwert von 44,5 Prozent, die SPD stürzte inmitten der Agenda-2010-Debatte auf 21,5 Prozent ab. Diesmal dürften sich die Konkurrenten wieder ein wenig annähern, die Union wird also Verluste erklären müssen, die Genossen werden aus Zugewinnen Schwung holen wollen.

Viel wird von der Wahlbeteiligung abhängen. Demoskopen fürchten, dass sie noch niedriger ausfällt als vor fünf Jahren. Damals gaben nur 43 Prozent der Deutschen ihre Stimme ab. Gerade für die CSU ist es wichtig, möglichst viele Stammwähler an die Urne zu lotsen - sonst droht sie, bundesweit die Fünfprozenthürde zu reißen.

Am Montag läuteten die Parteien in Berlin den Endspurt für den Europawahlkampf ein. SPIEGEL ONLINE war bei Union, SPD, FDP, Grünen und Linkspartei dabei.

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