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03. September 2011, 13:08 Uhr

Sozialismus

Hans Modrow warnt Linkspartei vor Reformkurs

Er galt einst als Reformer, der die diktatorisch regierende SED für Andersdenkende öffnete: Hand Modrow. Inzwischen hat sich der bekennende Sozialist aber wieder dem alten Denken zugewandt. Die Linkspartei warnte er ausdrücklich vor einer Annäherung an die Sozialdemokraten.

Halle - Die PDS ringt um ihren zukünftigen Kurs. Unversöhnlich stehen sich Reformer und Traditionalisten gegenüber. In die heftige Diskussion hat jetzt auch der Vorsitzende des Ältestenrates der Linkspartei und letzte SED-Ministerpräsident Hans Modrow eingegriffen - der 83-Jährige warnte seine Partei vor einem Reformkurs. "Eine zweite sozialdemokratische Partei braucht Deutschland nicht", sagte er der in Halle erscheinenden "Mitteldeutschen Zeitung". "Und wenn die Linke eine sozial-revolutionäre Politik machen will, dann sollte sie sich auf ihre Wurzeln besinnen."

An der aktuellen Personaldiskussion wollte sich Modrow nicht beteiligen. Die stünde erst auf dem Wahlparteitag 2012 an. Zunächst gehe es darum, auf dem Parteitag in Erfurt Mitte Oktober das Grundsatzprogramm zu verabschieden.

Angesichts der Krise in der Linkspartei drängt der Reformerflügel nach einem Medienbericht den stellvertretenden Fraktionschef Dietmar Bartsch, für den Parteivorsitz zu kandidieren. Er solle seine Kandidatur nach der Berlin-Wahl (18. September) oder spätestens nach dem Programmparteitag im Oktober anmelden, hieß es. Bartsch selbst wollte eine mögliche Kandidatur am Freitag auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa weder bestätigen noch dementieren. Er sagte nur: "Das ist eine Diskussion zur Unzeit. Wir haben Wahlkämpfe zu bestreiten."

Die derzeitigen Linke-Parteichefs Klaus Ernst und Gesine Lötzsch sind bis Frühjahr nächsten Jahres gewählt. Beide hatten aber wiederholt Kritik auch aus den eigenen Reihen geerntet.

mik/dpa

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