Sozialismus Hans Modrow warnt Linkspartei vor Reformkurs

Er galt einst als Reformer, der die diktatorisch regierende SED für Andersdenkende öffnete: Hand Modrow. Inzwischen hat sich der bekennende Sozialist aber wieder dem alten Denken zugewandt. Die Linkspartei warnte er ausdrücklich vor einer Annäherung an die Sozialdemokraten.

Wahlplakat der Linkspartei: Altlinke warnen vor zu großer Nähe zu den Sozialdemokraten
dapd

Wahlplakat der Linkspartei: Altlinke warnen vor zu großer Nähe zu den Sozialdemokraten


Halle - Die PDS ringt um ihren zukünftigen Kurs. Unversöhnlich stehen sich Reformer und Traditionalisten gegenüber. In die heftige Diskussion hat jetzt auch der Vorsitzende des Ältestenrates der Linkspartei und letzte SED-Ministerpräsident Hans Modrow eingegriffen - der 83-Jährige warnte seine Partei vor einem Reformkurs. "Eine zweite sozialdemokratische Partei braucht Deutschland nicht", sagte er der in Halle erscheinenden "Mitteldeutschen Zeitung". "Und wenn die Linke eine sozial-revolutionäre Politik machen will, dann sollte sie sich auf ihre Wurzeln besinnen."

An der aktuellen Personaldiskussion wollte sich Modrow nicht beteiligen. Die stünde erst auf dem Wahlparteitag 2012 an. Zunächst gehe es darum, auf dem Parteitag in Erfurt Mitte Oktober das Grundsatzprogramm zu verabschieden.

Angesichts der Krise in der Linkspartei drängt der Reformerflügel nach einem Medienbericht den stellvertretenden Fraktionschef Dietmar Bartsch, für den Parteivorsitz zu kandidieren. Er solle seine Kandidatur nach der Berlin-Wahl (18. September) oder spätestens nach dem Programmparteitag im Oktober anmelden, hieß es. Bartsch selbst wollte eine mögliche Kandidatur am Freitag auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa weder bestätigen noch dementieren. Er sagte nur: "Das ist eine Diskussion zur Unzeit. Wir haben Wahlkämpfe zu bestreiten."

Die derzeitigen Linke-Parteichefs Klaus Ernst und Gesine Lötzsch sind bis Frühjahr nächsten Jahres gewählt. Beide hatten aber wiederholt Kritik auch aus den eigenen Reihen geerntet.

mik/dpa



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Glasperlenspiel, 03.09.2011
1. Ich will ja nun nicht einen auf Oberstudienrat machen, ...
[QUOUITE=sysop;8638735]Er galt einst als Reformer, der die eist diktatorisch regierende SED für Andersdenkende öffnete: Hand Modrow. Inzwischen hat sich der bekennende Sozialist aber wieder dem alten Denken zugewandt. Die Linkspartei warnte er ausdrücklich vor einer Annäherung an die Sozialdemokraten. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,784186,00.html[/QUOTE] ... der die FAZ mit gespitztem Bleistift liest und "Briefe an die Herausgeber" schreibt, aber wenn man anscheinend noch nicht einmal weiss, dass es die PDS seit einigen Jahren nicht mehr gibt (oder es vergessen hat), dann sollte man besser nicht solche Artikel schreiben, auch nicht Samstags und auch nicht für SPON. Ich habe nun keine Ahnung, was Modrow konkret gesagt hat (darüber hat man ja als Qualitäts-Journalist nichts geschrieben), aber auch ich teile die Meinung, dass es ein ausgesprochen gefährliches Spiel ist, sich d i e s e r SPD und d i e s e n Grünen bedingungslos anzunähern. Eine solche Links-Partei verliert ihre Basis und eigentlich auch ihre Existenzberechtigung.
Sapere aude 03.09.2011
2. Hmm
Also wenn man aus einer sozialistischen keine sozialdemokratische Partei machen will ist man ein rückschrittlicher Fortschrittsverhinderer? Sollten wir nicht eher froh sein das es noch Alternativen zu dem neoliberalen Einheitsbrei aus Hartz/Lohndrückerei/Privatisierung gibt? Und was ist an der SPD eigentlich sozialdemokratisch?
ich-kanns-nicht-glauben 03.09.2011
3. Wo ist die SPD denn links?
Ich weiß nicht, in welchem Paralleluniversum die Spiegelredakteure leben - es ist bei einigen jedenfalls so weit rechts, daß ob der Entfernung manchmal die Unterscheidung schwer fällt: Die SPD ist definitiv keine linke Partei - ist es nie gewesen (sonst hätte Karl Liebknecht nicht seinen eigenen Laden aufmachen müssen und wäre auch nicht mit Billigung der SPD umgebracht worden): Von Anfang an war die SPD die Partei der Opportunisten: links blinken und rechts abbiegen. Anders gesagt: In Zeiten der Opposition links tönen und in Regierungszeiten bürgerliche Politik machen. Oder wollen Sie uns erklären, daß die neoliberale Politik von Gerhard Schröder "links" gewesen wäre??? Wenn ich Bourgeoies wäre und es die SPD nicht schon gäbe, würde ich sie sofort gründen: Es hat sich immer wieder gezeigt, daß nur eine sich "links gebende" Partei in der Gesellschaft Bösartigkeiten durchsetzen kann, die jeder bürgerlichen Partei verwehrt wären, weil sie sofort die Massen gegen sich hätte. Insofern beweist Modrow, wenn er vor der Annäherung an die SPD warnt, deutlich mehr Weitsicht, als der Spiegel-Schreiber. Das diesem es vielleicht lieber wäre, wenn die Linke durch die SPD paralysiert würde, ist eine ganz andere Sache.
metzelkater 03.09.2011
4. Nur mit der SPD
Nur zusammen mit der SPD hat die Linke auf Dauer eine Chance. Ich finde es schrecklich, das sich die zwei im linken Spektrum angesiedelten Parteien so spinnefeind sind. Die Rechten und neoliberalen freuen sich doch, das die linken Parteien ihr Wählerpotential vergeuden, weil sich jeder Wähler zwischen SPD und der Linken entscheiden muss und dabei ganz genau weis, das es keine Zusammenarbeit gibt. Am liebsten hätte ich wieder eine SPD wie früher, die sich klar als Arbeiterpartei positioniert und mit dem ganzen Schröderschen Bonzenkram aufräumt. Aber viele gute Köpfe sitzen nun bei den Linken. Mich als wähler stört diese Animosität sehr.
Emmi 03.09.2011
5. Linkspartei dringend gesucht!
Nachdem SPD und CDU sich von unversöhnlichen Vertretern gegensätzlicher Systeme zu zwei Flügeln einer "Zentrumspartei" gewandelt haben, die FDP in der Bedeutungslosigkeit versinkt, und auch die Grünen marginalisiert zu werden drohen, indem ihre Themen von den (noch) "großen" Parteien übernommen werden (CDU:Atomausstieg), und die rechte Flanke von der NPD besetzt ist, eröffnet sich links eine große Lücke, in die Die Linke stoßen könnte, wenn, ja wenn sie zum einen nicht versuchte, eine 2. SPD zu werden (braucht keiner) und zum anderen nicht mit dem DDR-Mief behaftet wäre (will keiner). Eine Alternative zu dem sich immer mehr als unfähig zur Bewältigung der von ihm verursachten Krisen (Stichworte: Umwelt/Klima, Finanzwesen, Globalisierung etc.) erweisenden Kapitalismus wäre wichtiger denn je, wird aber von niemandem überzeugend angeboten.
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