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15. Januar 2013, 20:07 Uhr

Nach Thierse-Schelte

Spätzle-Anschlag am Berliner Kollwitzplatz

Das Geplänkel zwischen Berliner Schwaben und Wolfgang Thierse eskaliert: Aktivisten haben ein Denkmal der Künstlerin Käthe Kollwitz im Bezirk Prenzlauer Berg mit Spätzle attackiert - und rufen einen autonomen schwäbischen Bezirk "Schwabylon" in der Hauptstadt aus.

Berlin - Jetzt suchen einige Hauptstadt-Schwaben Streit: Nach abfälligen Bemerkungen von Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) über zugezogene Berliner hat eine bislang unbekannte Gruppe die Errichtung eines autonomen schwäbischen Bezirkes in der Hauptstadt verlangt. Ihrer Forderung verliehen sie mit einem Anschlag auf die Skulptur der Künstlerin Käthe Kollwitz Nachdruck, die 1867 in Königsberg in Preußen geboren wurde.

Auf das Denkmal am Kollwitzplatz im Stadtteil Prenzlauer Berg - dort wohnt auch Thierse - flogen Spätzle, ein Lieblingsessen in Baden-Württemberg. Eine Frau habe die Teigwaren auf dem Kopf der Statue am Dienstag entdeckt und die Polizei informiert, sagte ein Sprecher. Diese gehe allerdings nicht von Sachbeschädigung aus, denn die Teigwaren würden sich sicher restlos entfernen lassen.

Zugleich tauchte im Internet ein Bekennerschreiben der Aktivisten auf. In diesem fordern die nicht namentlich genannten Verfasser unter dem Titel "Free Schwabylon" einen eigenen Kiez für die süddeutsche Bevölkerungsgruppe in der Hauptstadt. "Der Kollwitzplatz als Zentrum der Berliner Schwaben soll schwäbisch werden. In einem Viereck um den Platz sollen Schwäbinnen und Schwaben so schwäbisch sein können, wie sie wollen", hieß es.

Das Kollwitz-Denkmal sei Symbol einer autoritären Berliner Minderheit, argumentieren die Seperatisten weiter. "Wir haben es mit Spätzle beworfen, weil wir wütend sind. Und wo diese Spätzle herkommen, gibt es noch mehr", drohten die Unbekannten an. Zudem forderten sie die Ausweisung des "antischwäbischen Agitators" Thierse aus ihrem noch zu gründenden Bezirk. "Lange genug hat die schwäbische Bevölkerung Berlins unter Fremdherrschaft und Diskriminierung gelebt", proklamieren die Aktivisten nun auf ihrer Web-Seite. "Ein neuer Morgen dämmert über dem Prenzlauer Berg. Schwabylon wird frei sein."

Anfang des Jahres hatte Thierse in einem schwabenkritischen Interview gesagt, er ärgere sich, wenn ihm bei einem Berliner Bäcker gesagt werde, dass es keine "Schrippen" gibt, sondern "Wecken". Auch sei es ein Widerspruch, wenn Schwaben nach Berlin zögen, weil die Stadt bunt und abenteuerlich sei und sich nach einiger Zeit die Kehrwoche ihrer Kleinstadt zurückwünschten.

fdi/dapd/dpa

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