Sparkurs Bundeswehr mustert sechs ihrer zehn U-Boote aus

Die Bundeswehr muss sparen - und das bekommt auch die Marine zu spüren: Jetzt wurden sechs der insgesamt zehn U-Boote ausgemustert. Die Besatzungen der alten Boote sollen umgeschult werden.
U-Boote der Deutschen Marine: Die Flotte wird verkleinert

U-Boote der Deutschen Marine: Die Flotte wird verkleinert

Foto: HERIBERT PROEPPER/ APN

Bundeswehr

Hamburg - Die hat aus Geldnot mehr als die Hälfte ihrer U-Boot-Flotte stillgelegt und ausgemustert. Die sechs betroffenen Boote sollen verkauft oder verschrottet werden, wie ein Flottensprecher der Nachrichtenagentur DAPD bestätigte. Damit hat die Marine jetzt nur noch vier U-Boote im Dienst.

Karl-Theodor zu Guttenberg

Außerdem wurde auch bei der Überwasserflotte mit Einsparungen begonnen: Der Munitionstransporter "Westerland" wurde ebenfalls aussortiert. Auf die gesamte Bundeswehr kommen nach einer von Verteidigungsminister geplanten Neuausrichtung enorme Sparauflagen zu.

Die sechs stillgelegten Boote gehören zur Klasse 206 A, die nach ursprünglichen Plänen bis maximal 2015 hätten fahren sollen. Die vorgezogene Ausmusterung spart Millionenbeträge an Wartungs- und Werftkosten. Die vier verbleibenden Boote gehören zum Typ 212. Sie gelten wegen ihres Antriebs über Brennstoffzellen als die modernsten nicht-atomaren U-Boote weltweit. Personalkürzungen sind laut Marinesprecher im Zuge der Stilllegung nicht vorgesehen, wie der Sprecher einen Bericht der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" bestätigte.

Die U-Boote der Klasse 206 A wurden zwischen 1973 und 1975 in Dienst gestellt. Sie sind zum Schutz gegen Minen aus unmagnetischem Stahl gebaut. Die U-Boote sind sehr kurz und schmal, sie wurden vor allem für den Einsatz in der flachen Ostsee gebaut. Ursprünglich sollten sie in einem möglichen Krieg mit dem früheren Ostblock verhindern, dass Schiffe der Roten Armee aus den Ostseehäfen in die Nordsee durchbrechen.

Die Besatzungen der alten Boote sollen umgeschult werden. In Zukunft soll jedes der vier modernen Boote zwei Besatzungen haben, die sich ablösen. So können die modernen Schiffe besser genutzt werden. Zwei weitere Boote der deutlich größeren Klasse 212 für die Marine sind in Bau.

Fünf der jetzt stillgelegten Boote liegen in Eckernförde, dem Heimathafen der U-Bootflotte. Das sechste Boot liegt noch in Kiel und kann im Rahmen der Kieler Woche ein letztes Mal von den Bürgern besichtigt werden. Anschließend wird es auch nach Eckernförde geschleppt.

Guttenberg hatte vor einer Woche im SPIEGEL gesagt: "Wir müssen in den kommenden Jahren Milliardenbeträge einsparen. Sparen ohne Reform ist nicht denkbar." Dass die Strukturen der Bundeswehr sich ändern müssten, sei eine "grundsätzlich erkannte Notwendigkeit". Der Verteidigungsminister will bis Anfang September klären, welche Folgen eine Verkleinerung der Truppe um bis zu 40.000 Soldaten hätte. Dabei soll auch die Zukunft der Wehrpflicht geprüft werden.

hen/apn