Nach Attacken aus der SPD Nahles traut sich Kanzlerkandidatur zu

Altkanzler Schröder stellt Andrea Nahles' Eignung als mögliche Kanzlerkandidatin infrage. In einem Interview setzt sich die SPD-Chefin nun mit deutlichen Worten zur Wehr.
Andrea Nahles (Archiv)

Andrea Nahles (Archiv)

Foto: Markus Schreiber/ AP

Andrea Nahles hat auf die von Gerhard Schröder formulierten Zweifel an ihrer Eignung als mögliche Kanzlerkandidatin reagiert. Die SPD-Chefin wehrt sich mit deutlichen Worten. "Wenn ich mir eine Kanzlerkandidatur nicht zutrauen würde, hätte ich mich niemals um das Amt der SPD-Vorsitzenden beworben", sagte Nahles in einem Interview des Redaktionsnetzwerks Deutschland  (RND). "Aber die Entscheidung darüber steht jetzt nicht an."

In dem Interview erläutert Nahles ihre Vorstellungen für eine "Sozialstaatsreform 2025", bei der sie auch die umstrittene Grundsicherung Hartz IV durch ein "Bürgergeld" ersetzen will. Wer in einem Alter von 50 Jahren arbeitslos wird, soll nach dem Willen der SPD zudem bald knapp drei Jahre Arbeitslosengeld I bekommen. Das Konzept will der Parteivorstand der SPD bei einer Klausur am Sonntag und Montag beschließen.

Schröder hatte im SPIEGEL deutliche Zweifel an der Eignung von Andrea Nahles als möglicher Kanzlerkandidatin der SPD ausgedrückt. Zur Frage nach der ökonomischen Kompetenz der Parteichefin sagte er: "Ich glaube, das würde nicht mal sie selbst von sich behaupten". Dabei sei diese unabdingbare Voraussetzung für eine mögliche Kanzlerschaft.

Mit Schröder oder Gabriel auf eine Insel? "Das wäre garstig"

Intern wird in der SPD davon ausgegangen, dass es eine Absprache mit Finanzminister und Vizekanzler Olaf Scholz gibt, dass er die Kandidatur übernehmen könnte. Er hatte im Januar der "Bild" mit Blick auf die neue CDU-Chefin gesagt: "Frau Kramp-Karrenbauer hat gerade gesagt, dass von einer Parteivorsitzenden erwartet wird, dass sie sich das Amt zutraut. Für einen Vizekanzler der Bundesrepublik Deutschland gilt das Gleiche."

Mehrere SPD-Landesverbände fordern, den nächsten Kanzlerkandidaten per Urwahl durch die Mitglieder zu bestimmen. Hintergrund ist bei vielen der Wunsch, Scholz als Spitzenkandidat zu verhindern. Schröder sagte dem SPIEGEL dazu: "Die SPD hat mit der Urwahl gute Erfahrungen gemacht." Die SPD liegt derzeit in Umfragen bei gerade mal 15 Prozent.

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Im SPIEGEL-Interview spricht der Ex-Kanzler über seine Russland-Jobs und sein Verhältnis zu Wladimir Putin, den Mangel an Populisten in der SPD, Kapuzenpullis auf Parteitagen und Besuche in der "Muckibude".

Anonym äußern neben Schröder auch andere SPD-Politiker Zweifel, ob Nahles noch lange im Amt bleiben kann. Sie war erst im April 2018 zur ersten Vorsitzenden der SPD gewählt worden und versucht, die Partei politisch linker auszurichten. Auch der frühere SPD-Chef Sigmar Gabriel fiel zuletzt durch Seitenhiebe gegen sie auf. Auf die Frage, ob sie lieber Schröder oder Gabriel auf eine einsame Insel schicken würde, sagte Nahles dem RND: "Keinen von beiden. Das wäre garstig."

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apr/dpa
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