SPD auf Standortsuche Struck will Linke links liegen lassen

Wie viel Austausch mit der Linkspartei darf sein? Die Frage treibt die SPD um. Möglichst wenig, findet Fraktionschef Peter Struck - und kritisiert das Treffen junger Abgeordneter beider Parteien als Kinderkram. Konservative Sozialdemokraten werden noch deutlicher.


Berlin/Landau - Das Treffen junger SPD-Abgeordneter mit Parlamentariern der Linken sei "Kinderkram" gewesen, sagte Struck der Zeitung "Bild am Sonntag" laut Vorabbericht. "Die an dem Treffen beteiligte 'Denkfabrik' hätte mal denken sollen, bevor sie so was macht", kritisierte er.

Fraktionschef Struck: "Erst mal denken"
DDP

Fraktionschef Struck: "Erst mal denken"

Der Sprecher des konservativen Seeheimer Kreises in der SPD, Klaas Hübner, forderte sogar dezidiert ein Ende der Kontakte zwischen den Sozialdemokraten und der Linkspartei. Ein weiteres Treffen zwischen der "Denkfabrik" und der Linkspartei dürfe es nicht geben, sagte Hübner der Landauer "Rheinpfalz am Sonntag" laut Vorabbericht. Die Vereinbarung, dass es keinerlei Zusammenarbeit mit der Linken auf Bundesebene geben dürfe, gelte für alle Sozialdemokraten und solle Bestandteil des Wahlprogramms werden.

Die Gespräche seien dagegen ein Signal gewesen, das andere Interpretationen zulasse, kritisierte Hübner. Es müsse jedoch alles unterlassen werden, wodurch auch nur der Verdacht entstehe, es gebe andere Bestrebungen. Viele in der SPD seien von den Gesprächen überrascht und irritiert gewesen.

Das Treffen vom Montag war vom linken SPD-Strategiezirkel "Denkfabrik" organisiert worden. Dessen Geschäftsführerin Angela Marquardt war früher PDS-Mitglied und ist erst kürzlich in die SPD eingetreten. An dem Gespräch nahmen neben ihr die SPD-Parlamentarier Niels Annen, Frank Schwabe, Christine Lamprecht und Sönke Rix teil. Die Linkspartei war unter anderem mit Vizechefin Halina Wawzyniak sowie den Abgeordneten Jan Korte und Barbara Höll vertreten.

Struck warnte die SPD zudem davor, mit der Linkspartei über die Wahl von Gesine Schwan zur Bundespräsidentin zu sprechen. "Ich kann nicht zu einem solchen Gespräch raten", sagte er. "Wir werben nicht um die Linke", versicherte Struck. "In der Bundespolitik betreiben wir eine klare Abgrenzung." Das gelte auch für die Zeit nach der nächsten Bundestagswahl. Im Übrigen brauche die SPD keine Personaldebatten, sondern müsse sich auf Sachthemen konzentrieren. "Die Bürger haben überhaupt kein Verständnis dafür, wenn die SPD sich nur mit sich selbst beschäftigt", sagte Struck.

dab/ddp



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