SPON-Umfrage Bürger sehen keine klare Kompetenz bei der SPD

Soziales, Familie, Europa - all das versteht die SPD als ihre Kernthemen. Aber eine SPON-Umfrage zeigt: Bei diesen Themen traut die Bevölkerung anderen Parteien immer mehr zu. Vor allem die Union überzeugt.
Arbeitsminister Hubertus Heil, Familienministerin Franziska Giffey, Außenminister Heiko Maas (v.l., alle SPD)

Arbeitsminister Hubertus Heil, Familienministerin Franziska Giffey, Außenminister Heiko Maas (v.l., alle SPD)

Foto: JOHN MACDOUGALL/ AFP

Wofür steht die SPD? Diese Frage haben sich in der jüngeren Vergangenheit nicht nur viele Wähler gestellt, sondern auch die Sozialdemokraten selbst. Die Partei arbeitet an ihrer Erneuerung, aber ihr weiteres Abrutschen scheint auch 2019 kaum noch zu stoppen zu sein. Ein häufiger Kritikpunkt: Die Partei sei innerhalb der Großen Koalition nicht sichtbar, setze zu selten eigene Akzente und grenze sich nicht ausreichend von der Union ab.

Eine repräsentative Umfrage des Online-Meinungsforschungsinstituts Civey für SPIEGEL ONLINE bestätigt diesen Eindruck. Demnach sehen die Befragten keine Kompetenz mehr eindeutig bei der SPD.

Stehen die FDP (Digitalisierung) und die Grünen (Umwelt- und Klimapolitik) noch für klare Kernbereiche, in denen sie die übrigen Parteien abhängen, sticht die SPD in keinem Feld heraus. Bemerkenswert ist das bei der Sozialpolitik. Hier liegen die Sozialdemokraten zwar noch auf Rang eins (21,9 Prozent), allerdings nur mit einem knappen Vorsprung vor der Union (18,7) innerhalb des Fehlerbereichs. (Hinweis zur Methodik: Anders als bei der Sonntagsfrage werden hier auch die Angaben von Nichtwählern berücksichtigt.)

Noch schlechter sieht es bei zwei weiteren eigentlichen Kernthemen der SPD aus. Wie in der Arbeits- und Sozialpolitik (Bundesminister Hubertus Heil) führt die Partei mit Franziska Giffey auch in Sachen Familienpolitik das Bundesministerium. Die Bevölkerung aber traut der Union (23,1 Prozent) dabei mehr zu als den Sozialdemokraten (21).

Kompetenzen in der Europapolitik: AfD und SPD gleichauf

Besonders gravierend sind die Werte zur Europapolitik. Nur 13,2 Prozent der Befragten sehen hier die größte Kompetenz bei den Sozialdemokraten. Damit liegt die SPD hinter der AfD (13,5), die mit einem deutschen EU-Austritt liebäugelt. Am meisten wird auch hier der Union zugetraut. 34,1 Prozent der Befragten sehen die größte Kompetenz in der Europapolitik bei CDU und CSU.

In allen Kategorien ergeben sich die Werte auch dadurch, dass Wähler einer bestimmten Partei die abgefragten Kompetenzen insbesondere in den eigenen Reihen sehen. Und aufgrund der großen Wählerschaft von CDU und CSU hilft das vor allem den Werten der Union. Dennoch ist es bemerkenswert, dass sich die Sozialdemokraten in ihren drei Kernbereichen nicht trotzdem absetzen können. In der Europapolitik halten etwa selbst Grünen-Wähler die Union für qualifizierter als die SPD.

Insgesamt werden CDU und CSU in allen Bereichen offenbar eine gewisse Grundkompetenz zugeschrieben - wiederum auch dadurch bedingt, dass Unionswähler in der Bevölkerung am stärksten vertreten sind. Klar vorn liegt die Union aus Sicht der Befragten neben der Europapolitik auch in der Wirtschaftspolitik, der Außenpolitik, der Bildungspolitik, der Finanzpolitik und in der Kompetenz, Arbeitsplätze zu schaffen.

Union legt bei Sonntagsfrage zu

Auch die Ergebnisse der Sonntagsfrage sind für die Union erfreulich. Aktuell kommt sie auf 29,7 Prozent - und steigt damit im Vergleich zu Anfang Dezember um drei Prozentpunkte. Zweitstärkste Kraft bleiben vorerst die Grünen (18,2 Prozent).

Der starke Aufwärtstrend der Grünen scheint allerdings zunächst gestoppt zu sein. Bereits seit Mitte Dezember bleibt ihr Wert weitestgehend konstant, zuvor hatte die Partei innerhalb von gut zwei Wochen mehr als zwei Prozentpunkte verloren. Die SPD (15,6 Prozent) kämpft weiter mit der AfD (14,4) um Rang drei. Während die Zahlen der Sozialdemokraten sich in diesem Jahr noch kaum verändert haben, gibt es bei der AfD eine leichte Abwärtstendenz. Diese aber entspricht durchaus den üblichen Schwankungen der vergangenen Monate.

Wer steckt hinter Civey?

An dieser Stelle haben Leser in der App und auf der mobilen/stationären Website die Möglichkeit, an einer repräsentativen Civey-Umfrage teilzunehmen. Civey ist ein Online-Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in Berlin. Das Start-up arbeitet mit unterschiedlichen Partnern zusammen, darunter sind neben SPIEGEL ONLINE auch der "Tagesspiegel", "Cicero", der "Freitag" und Change.org. Civey wird durch das Förderprogramm ProFit der Investitionsbank Berlin und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert.

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