SPON-Wahltrend SPD verliert sechste Woche in Folge an Zustimmung

Die Sozialdemokraten verlieren die Gunst der Wähler. Unter den kleinen Parteien holt die FDP auf. Hier erfahren Sie die Ergebnisse des SPON-Wahltrends und können erneut abstimmen.

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz
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SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz


Die SPD hofft vergeblich auf eine Trendwende: Die Sozialdemokraten büßen bereits in der sechsten Woche in Folge an Zustimmung bei den Wählern ein.

Zwar verliert auch die Union leicht, aber der Abstand zwischen den beiden Volksparteien bleibt weiter zweistellig.

Unter den kleineren Parteien liefern sich FDP, AfD und die Linke ein Kopf-an-Kopf-Rennen - die Grünen hinken leicht hinterher. Das zeigt der aktuelle SPON-Wahltrend, der in Kooperation mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey erhoben wird.

Die Sozialdemokraten landen demnach diese Woche nur noch bei 25 Prozent. Die Unionsparteien erreichen immer noch 36,9 Prozent und liegen damit 11,9 Prozentpunkte vor ihrem gegenwärtigen Koalitionspartner.

So groß der Unterschied zwischen den beiden Volksparteien ist, so klein ist er bei den übrigen Parteien: FDP und AfD liegen beide bei 8,8 Prozent, die Linke folgt dicht dahinter mit 8,7 Prozent, und die Grünen landen mit 7,4 Prozent auf dem letzten Platz.

Für den SPON-Wahltrend befragen wir Sie regelmäßig zu Ihrer Parteipräferenz. Jeder Nutzer kann mitmachen, die Ergebnisse sind für ganz Deutschland repräsentativ. Am Ende dieses Artikels erfahren Sie mehr zur Methodik. Dort können Sie die Sonntagsfrage auch selbst beantworten.

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1. SPD kann den Abwärtstrend nicht stoppen

Nach den drei Wahlniederlagen in Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein und im Saarland verlieren die Genossen nun in der sechsten Woche in Folge an Zustimmung im SPON-Wahltrend.

Die gehetzte Partei versucht gegenzusteuern - und mit populären Themen bei den Wählern zu punkten: SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz ruft zum Widerstand gegen US-Präsident Donald Trump auf, fordert eine "neue Friedenspolitik". Und Niedersachsens sozialdemokratischer Innenminister Boris Pistorius gibt den Otto Schily. Doch den Abwärtstrend können die Sozialdemokraten damit nicht aufhalten.

2. Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen den kleinen Parteien - ohne die Grünen

Gelb steht neuerdings für Hoffnung - jedenfalls bei den Liberalen von der FDP. Christian Lindner und seine Partei konnten in den vergangenen drei Wochen kontinuierlich zulegen und liegen nun gleichauf mit der AfD - die ebenfalls einen leichten Zugewinn verzeichnet -, dicht gefolgt von der Linken.

Allein die Grünen können momentan bei diesem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen den kleinen Parteien nicht ganz mithalten. Offenbar schätzen die Wähler die parteiinternen Streitereien seit der NRW-Wahlniederlage nicht.

3. Die Deutschen wollen alle Parteien beim TV-Wettstreit sehen

Im nächsten Bundestag werden nach jetzigem Stand sieben Parteien vertreten sein. Diese Vielfalt wollen die Deutschen auch beim TV-Wettstreit sehen. Knapp die Hälfte aller Befragten plädiert für dieses Format. Ein Duell zwischen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihrem Herausforderer Martin Schulz (SPD) befürworten immerhin mehr Menschen als eine große Runde ohne die AfD.

Anmerkungen zur Methodik: Der SPON-Wahltrend wurde in Kooperation mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey im Zeitraum vom 26. bis zum 29. Mai 2017 online erhoben. Die Stichprobe umfasste 7563 Befragte, der statistische Fehler lag beim Gesamtergebnis bei 2,5 Prozent. Sehr feine Unterschiede sind in diesen Ergebnissen also nicht aussagekräftig. Für die Zusatzfrage, welche Parteien beim TV-Duell vertreten sein sollen, wurden vom 22. Mai bis zum 30. Mai 2017 insgesamt 5017 Bürger befragt.

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Wie funktioniert die Civey-Methodik?
Das Meinungsforschungsinstitut Civey arbeitet mit einem mehrstufigen vollautomatisierten Verfahren. Alle repräsentativen Echtzeitumfragen werden in einem deutschlandweiten Netzwerk aus mehr als 20.000 Websites ausgespielt ("Riversampling"), es werden also nicht nur Nutzer von SPIEGEL ONLINE befragt. Jeder kann online an den Befragungen teilnehmen und wird mit seinen Antworten im repräsentativen Ergebnis berücksichtigt, sofern er sich registriert hat. Aus diesen Nutzern zieht Civey eine quotierte Stichprobe, die sicherstellt, dass sie beispielsweise in den Merkmalen Alter, Geschlecht und Bevölkerungsdichte der Grundgesamtheit entspricht. In einem dritten Schritt werden die Ergebnisse schließlich nach weiteren soziodemografischen Faktoren und Wertehaltungen der Abstimmenden gewichtet, um Verzerrungen zu korrigieren und Manipulationen zu verhindern. Weitere Informationen hierzu finden Sie auch in den Civey FAQ.
Warum ist eine Registrierung nötig?
Die Registrierung hilft dabei, die Antworten zu gewichten, und ermöglicht so ein Ergebnis für die Umfragen, das für die Wahlbevölkerung in Deutschland repräsentativ ist. Jeder Teilnehmer wird dabei nach seinem Geschlecht, Geburtsjahr und Wohnort gefragt. Danach kann jeder seine Meinung auch in weiteren Umfragen zu unterschiedlichen Themen abgeben.
Wie werden die Ergebnisse repräsentativ?
Die Antwort jedes Teilnehmers wird so gewichtet, dass das Resultat einer Umfrage für die Grundgesamtheit repräsentativ ist. Bei der Sonntagsfrage und beim Regierungsmonitor umfasst diese Grundgesamtheit die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland. Die Gewichtung geschieht vollautomatisiert auf Basis der persönlichen Angaben bei der Registrierung sowie der Historie früherer Antworten eines Nutzers. Weitere Details zur Methodik stehen im Civey-Whitepaper.
Erreicht man online überhaupt genügend Teilnehmer?
Meinungsumfragen werden in der Regel telefonisch oder online durchgeführt. Für die Aussagekraft der Ergebnisse ist entscheidend, wie viele Menschen erreicht werden können und wie viele sich tatsächlich an einer Umfrage beteiligen, wenn sie angesprochen werden. Internetanschlüsse und Festnetzanschlüsse sind in Deutschland derzeit etwa gleich weit verbreitet - bei jeweils rund 90 Prozent der Haushalte, Mobiltelefone bei sogar 95 Prozent. Die Teilnahmebereitschaft liegt bei allen Methoden im einstelligen Prozentbereich, besonders niedrig schätzen Experten sie für Telefonumfragen ein.
Es gibt also bei beiden Methoden eine Gruppe von Personen, die nicht erreicht werden kann, weil sie entweder keinen Anschluss an das jeweilige Netz hat oder sich nicht an der Umfrage beteiligen möchte. Deshalb müssen für ein aussagekräftiges Ergebnis immer sehr viele Menschen angesprochen werden. Civey-Umfragen sind derzeit neben SPIEGEL ONLINE in mehr als 20.000 andere Webseiten eingebunden, darunter auch unterschiedliche Medien. So wird gewährleistet, dass möglichst alle Bevölkerungsgruppen gut erreicht werden können.
Woran erkenne ich die Güte eines Ergebnisses?
Bis das Ergebnis einer Umfrage repräsentativ wird, müssen ausreichend viele unterschiedliche Menschen daran teilnehmen. Ob das bereits gelungen ist, macht Civey transparent, indem zu jedem Umfrageergebnis eine statistische Fehlerwahrscheinlichkeit angegeben wird. Auch die Zahl der Teilnehmer und die Befragungszeit werden für jede Umfrage veröffentlicht.
Was bedeutet es, wenn sich die farbigen Bereiche in den Grafiken überschneiden?
In unseren Grafiken ist der statistische Fehler als farbiges Intervall dargestellt. Dieses Intervall zeigt jeweils, mit welcher Unsicherheit ein Umfragewert verbunden ist. Zum Beispiel kann man bei der Sonntagsfrage nicht exakt sagen, wie viel Prozent eine Partei bei einer Wahl bekommen würde, jedoch aber ein Intervall angeben, in dem das Ergebnis mit hoher Wahrscheinlichkeit liegen wird. Überschneiden sich die Intervalle von zwei Umfragewerten, dann können streng genommen keine Aussagen über die Differenz getroffen werden. Bei der Sonntagsfrage heißt das: Liegen die Umfragewerte zweier Parteien so nah beieinander, dass sich ihre Fehlerintervalle überlappen, lässt sich daraus nicht ableiten, welche von beiden aktuell bei der Wahl besser abschneiden würde.
Was passiert mit meinen Daten?
Die persönlichen Daten der Nutzer werden verschlüsselt auf deutschen Servern gespeichert und bleiben geheim. Mitarbeiter von Civey arbeiten für die Auswertungen lediglich mit User-IDs und können die Nutzer nicht mit ihrer Abstimmung in Verbindung bringen. Die persönlichen Angaben der Nutzer dienen vor allem dazu, die Antworten zu gewichten und sicherzustellen, dass die Umfragen nicht manipuliert werden. Um dies zu verhindern, nutzt Civey statistische wie auch technische Methoden. Darüber hinaus arbeitet Civey mit externen Partnern zusammen, die Zielgruppen für Werbetreibende erstellen. Nur wenn Nutzer die Datenschutzerklärung sowohl von Civey als auch von einem externen Partner akzeptiert haben, dürfen Ihre Antworten vom Partner zur Modellierung dieser Zielgruppen genutzt werden. Ein Partner erhält aber keine Informationen zu Ihren politischen und religiösen Einstellungen sowie solche, mit denen Sie identifiziert werden können. Civey-Nutzer werden auch nicht auf Basis ihrer Antworten mit Werbung bespielt. Der Weitergabe an Partner können Sie als eingeloggter Nutzer jederzeit hier widersprechen. Mehr Informationen zum Datenschutz bei Civey finden Sie hier.
Wer steckt hinter Civey-Umfragen?
An dieser Stelle haben Leser in der App und auf der mobilen/stationären Website die Möglichkeit, an einer repräsentativen Civey-Umfrage teilzunehmen. Civey ist ein Online-Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in Berlin. Zur Erhebung seiner repräsentativen Umfragen schaltet die Software des 2015 gegründeten Unternehmens Websites zu einem deutschlandweiten Umfragenetzwerk zusammen. Neben SPIEGEL ONLINE gehören unter anderem auch der "Tagesspiegel", "Welt", "Wirtschaftswoche" und "Rheinische Post" dazu. Civey wurde durch das Förderprogramm ProFit der Investitionsbank Berlin und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert.

dop

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PaulchenGB 30.05.2017
1. Immer schön weiter hetzen gegen Trump und GB und sich für ein mehr Europa
einsetzen unter deutsch französischer Führung, so schafft die SPD spielend die 15%. Und eine Reichensteuer ab 60.000 Euro ist doch auch völlig daneben. Spricht die SPD eigentlich mal mit ihren (Ex)wählern. Und wann wechselt Steinbrück in die CDU? Ab auf die Oppositionsbank zum Regenerieren.
Tolotos 30.05.2017
2. Die Wähler wollen eine andere Politik!
Aber die SPD hat die Hoffnung, dass sie die unter Schulz liefern könnte, schnell wieder verspielt! Anscheinend ist die Realpolitik durch Wahlen nicht reformierbar.
Jérôme1F 30.05.2017
3. Warum verliert die SPD?
Aus dem gleichen Grund warum Macron in Frankreich gewonnen hat. Die Wähler wollen wieder ein Profil sehen. Fûr was steht eine Partei, was sind die Prioritäten. Offensichtlich hat es Angela erkannt. Aber unsere Genossen sind Zauderer, und das wird ihnen das Genick brechen.
ladozs 30.05.2017
4. Rasches Handeln ist angesagt!
In meinen Augen eine sehr bedauerliche Entwicklung, die die SPD über sich ergehen lassen muss. Was kann man ändern? Anderes Personal finden wird in der kurzen Zeit nicht möglich sein,auch wenn SPD- Politiker ihre Bestimmungen ad hoc ändern können, wie heute erst geschehen. Also liegt die Lösung im Parteiprogramm! Was ist zu tun: Kein RRG im Bund! Nur mit dieser Festlegung ist die SPD für mich als "Stammwähler überhaupt noch ankreuzbar! Keine Fortsetzung der GROKU, es lässt sich vorzüglich in der Opposition leben, anstatt den bedeutungslosen Handlanger zu mimen,man kann jeden Tag die horrenden Fehler der Dauerkanzlerin ankreiden und abstrafen, und wird bei der übernächsten Wahl wie ein Phoenix aus der Asche erscheinen, von Innen heraus gereinigt, voll motiviert, und hoffentlich endlich wieder im Sinne der vielen "Normalbürger" unter uns agierend!
pterodactylus 30.05.2017
5. Wo war die SPD vor dem Schulz-Hype?
21%? Dort etwa würde ich wohl das Kursziel setzen. Vielleicht 1-2% zusätzlich wegen der Langatmigen. Schließlich hat sich die Partei auch unter dem neuen Gesicht kein bisschen verändert. Und das wird den Leuten einem nach dem anderen bewusst.
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