Altkanzler und Gaslobbyist SPD-Chefin Esken fordert Parteiaustritt von Schröder

Trotz Russlands Krieg in der Ukraine hält Gerhard Schröder an seinen Posten bei russischen Energieunternehmen fest. SPD-Parteichefin Saskia Esken legt dem Ex-Kanzler nahe, die Partei zu verlassen.
Altkanzler und Gaslobbyist Gerhard Schröder

Altkanzler und Gaslobbyist Gerhard Schröder

Foto: Christoph Soeder / picture alliance/dpa

Nach seinem vielbeachteten Interview in der »New York Times«  hat die SPD-Vorsitzende Saskia Esken dem früheren Bundeskanzler Gerhard Schröder den Austritt aus der SPD nahegelegt. Die Aufgabe seiner Mandate bei russischen Konzernen »wäre notwendig gewesen, um sein Ansehen als ehemaliger und einst erfolgreicher Kanzler zu retten. Und diesem Rat ist er leider nicht gefolgt«, sagte Esken am Montagmorgen im Deutschlandfunk.

»Gerhard Schröder agiert seit vielen Jahren lediglich als Geschäftsmann, und wir sollten damit aufhören, ihn als Elder Statesman, als Altkanzler, wahrzunehmen. Er verdient sein Geld mit der Arbeit für russische Staatsunternehmen, und seine Verteidigung Wladimir Putins gegen den Vorwurf der Kriegsverbrechen ist regelrecht absurd.« Auf die Frage, ob Schröder aus der Partei austreten sollte, sagte Esken: »Das sollte er.«

Bereits am Wochenende hatte Esken in einem SPIEGEL-Interview deutliche Kritik an Schröders Arbeit für die russischen Staatsunternehmen geübt (lesen Sie hier  das ganze Gespräch).

Brief aus der SPD-Parteispitze blieb unbeantwortet

Schröder steht in Deutschland massiv in der Kritik, weil er sich trotz des russischen Angriffs auf die Ukraine nicht von seinen Posten bei russischen Energieunternehmen trennt. Die SPD-Spitze hat sich schon lange von Schröder distanziert. Esken und ihr Co-Vorsitzender Lars Klingbeil hatten ihn Ende Februar in einem Brief aufgefordert, seine Posten bei den Staatsunternehmen niederzulegen. Die von ihnen »zeitnah« eingeforderte Antwort gibt es noch nicht.

SPD-Co-Chefin Saskia Esken: »Gerhard Schröder agiert seit vielen Jahren lediglich als Geschäftsmann, und wir sollten damit aufhören, ihn als Elder Statesman, als Altkanzler, wahrzunehmen.«

SPD-Co-Chefin Saskia Esken: »Gerhard Schröder agiert seit vielen Jahren lediglich als Geschäftsmann, und wir sollten damit aufhören, ihn als Elder Statesman, als Altkanzler, wahrzunehmen.«

Foto: Florian Gaertner / photothek / IMAGO

In einem am Samstag veröffentlichten Artikel der »New York Times« hatte Schröder unter anderem dafür geworben, die Beziehungen zu Russland trotz des Angriffskrieges gegen die Ukraine aufrechtzuerhalten. Zu Details eines im März geführten Gesprächs mit Putin im Moskau äußerte sich der 78-Jährige darin nicht. Schröder sagte demnach: »Was ich Ihnen sagen kann ist, dass Putin daran interessiert ist, den Krieg zu beenden. Aber das ist nicht so leicht. Da gibt es ein paar Punkte, die geklärt werden müssen.« Zum Massaker im Kiewer Vorort Butscha sagt Schröder: »Das muss untersucht werden.« Er glaube aber nicht, dass die Befehle von Putin gekommen seien, sondern von niedrigeren Stellen, zitierte die Zeitung ihn.

Der nordrhein-westfälische SPD-Chef und Spitzenkandidat für die Landtagswahl, Thomas Kutschaty, hat sich der Aufforderung seiner Bundesvorsitzenden angeschlossen. »Ich halte das gesamte Gebaren von Gerhard Schröder für nicht vereinbar mit den Grundwerten der SPD«, sagte Kutschaty dem Nachrichtenportal, »t-online«: »Er sollte sich dringend überlegen, ob er noch Mitglied der SPD sein will oder ein Unterstützer von Putin.«

Er sei froh, dass es bereits ein Parteiordnungsverfahren des Bezirks Hannover gegen den Ex-Kanzler gebe: »Wenn Gerhard Schröder selbst nicht geht, ist es Aufgabe der Schiedskommission, die richtigen Entscheidungen zu treffen.«

Schröder ist Aufsichtsratschef beim staatlichen russischen Energieriesen Rosneft und Vorsitzender des Gesellschafterausschusses der Pipeline-Gesellschaft Nord Stream. Außerdem ist er im zuständigen Handelsregister nach wie vor als Verwaltungsratspräsident der Nord Stream 2 AG eingetragen.

muk/dpa
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