SPD-Streit Junge Genossin verzichtet auf aussichtsreichen Europa-Listenplatz
Luisa Boos
Foto: Christoph Schmidt/ dpaDie SPD streitet weiter über die Kandidaten für die Europawahl. Vor der Aufstellung der Liste am Sonntag hat die Nachwuchshoffnung aus Baden-Württemberg, Luisa Boos, 33, ihren Verzicht auf einen aussichtsreichen Platz erklärt. "Der Parteivorstand hat mit seinem Vorschlag für die Bundesliste die Ausgangslage für mich als Person und für den Landesverband Baden-Württemberg drastisch verändert", schreibt Boos in einer persönlichen Erklärung.
Boos war vom Vorstand für Listenplatz 15 nominiert worden, der für einen Einzug ins Europaparlament reichen könnte. Zuvor hatte ihr Landesverband aber die Vizepräsidentin des Europaparlaments, Evelyne Gebhardt, 64, und Peter Simon, 51, für vordere Plätze vorgeschlagen. Boos will bei der Delegiertenkonferenz am Sonntag in Berlin, die die Liste beschließen soll, nicht in einer Kampfkandidatur gegen Gebhardt antreten.
Der Hintergrund: Parteichefin Andrea Nahles und Generalsekretär Lars Klingbeil haben sich vorgenommen, die SPD jünger und weiblicher zu machen. Es ist ein zentraler Bestandteil der Erneuerung. Mit dem Ergebnis, dass die Juso-Vizechefin Delara Burkhardt, 26, auf Platz fünf stehen soll. Und Boos auf Platz 15. Beide waren von ihren Landesverbänden nicht als Spitzenkandidatinnen ins Rennen geschickt worden.
Das Ergebnis war aber großer Streit in einigen Landesverbänden. "Maßlos enttäuscht" sei sie darüber, teilte Gebhardt nach der Entscheidung des Parteivorstands mit. Die Bundespartei wolle sich ein "jüngeres, social-media-konformes Image" verpassen: "Mit 64 Jahren wurde ich als Frau deshalb kurzerhand aussortiert."
Boos reagiert nun und will Gebhardt den aussichtsreichen Platz 15 überlassen. Sie stehe "zwischen zwei demokratisch legitimierten Beschlüssen: Dem meines Landesverbandes und dem meines Bundesvorstands", schreibt Boos. "Ein Ausweg ohne massive Enttäuschungen war folglich unmöglich."
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