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27. Dezember 2012, 12:56 Uhr

SPD-Wahlprogramm

Sozialdemokraten fordern 30-Stunden-Woche für junge Eltern

Mütter und Väter zwischen 25 und 40 Jahren sollen nach den Vorstellungen der SPD mehr Zeit für ihre Kinder haben. Generalsekretärin Nahles schlug eine befristete 30-Stunden-Woche für junge Eltern vor - einen Teil der finanziellen Einbußen soll der Staat auffangen.

Berlin - Die SPD will die Vereinbarkeit von Beruf und Familie stärken. Generalsekretärin Andrea Nahles spricht sich deshalb für eine staatlich bezuschusste 30-Stunden-Woche für junge Väter und Mütter aus. Das Arbeitszeitmodell soll für junge Eltern zwischen 25 und 40 Jahren gelten.

"Das wäre ein Angebot nach der Elternzeit, damit Familien für zwei, drei Jahre mehr Zeit für ihre Kinder durch eine Reduzierung der Arbeitszeit hätten. Wir wollen diese Rushhour des Lebens zwischen 25 und 40 Jahren entzerren", sagte Nahles der Deutschen Presse-Agentur. Das Modell helfe vielleicht auch, einen Karriereknick für Frauen zu vermeiden, die zu lange raus aus dem Berufsleben seien. Es sei sehr traurig, dass Deutschland seit Jahren Schlusslicht bei Familien und Kindern sei, so die SPD-Generalsekretärin.

FDP gegen Nahles "Spendierhose"

Die Lösung könne in Kooperation mit den Arbeitgebern eine auf zwei bis drei Jahre befristete Arbeitszeitreduzierung sein. Als Vorbild nannte Nahles das sogenannte Hamburger Modell. Mit diesem werden Menschen nach einer Reha oder einer längeren Krankheit in den Berufsalltag stundenweise wieder eingegliedert. Das Modell basiert auf einer reduzierten Arbeitszeit.

"Einerseits gibt es viele Frauen, die stärker aus ihrem Beruf rausgehen müssen, als sie es wollen. Und wir haben auf der anderen Seite Männer, die gerne mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen würden", begründete Nahles ihre Idee. Die 30-Stunden-Woche für junge Eltern soll nach Angaben der Generalsekretärin Teil des SPD-Wahlprogramms 2013 werden.

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück unterstützt die Idee eines solchen Arbeitszeitmodells. In seiner Bewerbungsrede auf dem SPD-Parteitag in Hannover Anfang Dezember hatte er sich dafür ausgesprochen, politisch und öffentlich zu fordern, "dass es in diesen Turbojahren zwischen 25 und 40 für Frauen und Männer sehr viel stärker die Möglichkeit einer 30-Stunden-Woche gebe sollte, die ihnen ein ausbalancierteres Verhältnis zwischen Beruf und Familie ermöglicht".

FDP-Generalsekretär Patrick Döring kritisierte im Berliner "Tagesspiegel" Nahles' Vorschlag: "Die SPD verliert bei ihrer Jagd nach Stimmen mit der Spendierhose endgültig die Bodenhaftung." Eine 30-Stunden-Woche für einen großen Teil der Bevölkerung könne und wolle sich Deutschland nicht leisten.

Kinderkriegen so unattraktiv wie nie

Deutschland gehört zu den Ländern der Welt mit der niedrigsten Geburtenrate. Dies ist das Ergebnis einer kürzlich veröffentlichten Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung. Danach betrug die Geburtenrate im Jahr 2010 in Deutschland 1,39 Kinder je Frau. In Europa liegt Lettland mit einer Ziffer von 1,17 Kindern pro Frau ganz hinten, Island führt mit 2,2 Kindern die Statistik an, gefolgt von Irland (2,07), der Türkei (2,04), Frankreich (2,01), Schweden (1,98) und Norwegen (1,95).

Die Ergebnisse für Deutschland sind ernüchternd: Berufstätige Frauen entscheiden sich aus Angst, keine gute Mutter zu sein, im Zweifel gegen ein Kind. Das kulturelle Leitbild der "guten Mutter" sei vor allem in den alten Bundesländern stark verbreitet. Der Aussage "Ein Kleinkind wird wahrscheinlich darunter leiden, wenn die Mutter berufstätig ist", stimmten im Westen 63 Prozent der Befragten zu, im Osten 36 Prozent.

heb/dpa

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