Nach K.o.-Tropfen-Verdacht SPD-Fraktion will Sicherheitsvorkehrungen bei Veranstaltungen verschärfen

Sie klagten über Schwindel, Unwohlsein, Erinnerungslücken: Bei einem Sommerfest der Bundestags-SPD wurden mehrere Frauen mutmaßlich mit K.o.-Tropfen attackiert. Die Fraktion zieht nun Konsequenzen.
Katja Mast, Parlamentarische Geschäftsführerin der SPD-Bundestagsfraktion

Katja Mast, Parlamentarische Geschäftsführerin der SPD-Bundestagsfraktion

Foto: Christoph Soeder / picture alliance/dpa

Die SPD-Bundestagsfraktion will künftig bei ihren Veranstaltungen speziell geschultes Personal einsetzen, um gegen Attacken mit K.o.-Tropfen gewappnet zu sein. Die Parlamentarische Geschäftsführerin Katja Mast stellte den Abgeordneten am Montagabend nach SPIEGEL-Informationen ein neues »Sicherheits- und Präventionskonzept« vor, das unter anderem sogenannte Awareness-Teams bei großen Fraktionsveranstaltungen vorsieht.

Nach dem Sommerfest der Fraktion am 6. Juli in Berlin hatten zunächst 14 Gäste über Symptome wie Schwindel, Unwohlsein und Erinnerungslücken geklagt, überwiegend Frauen. In sieben Fällen nahm die Polizei Ermittlungen auf. Der Verdacht steht im Raum, dass zumindest einem Teil der Betroffenen unbemerkt K.o.-Tropfen verabreicht worden war. Diese sind etwa in Getränken nicht wahrnehmbar, können bei Menschen zu einem Blackout führen und sie damit wehrlos machen. Außerdem sind K.o.-Tropfen nur für eine begrenzte Zeit im Körper nachweisbar.

In der Folge hatte die Fraktionsführung angekündigt, das Sicherheitskonzept überarbeiten zu wollen. Dafür holten sich die Genossen auch den Rat von Veranstaltungsagenturen, Sicherheitsdienstleistern und der Polizei. Außerdem sollten Abgeordnete und Mitarbeiter Vorschläge zur Verbesserung der Sicherheitslage bei großen Treffen und Festen machen.

»Wir sind davon überzeugt, dass solche Veranstaltungen neue Instrumente brauchen«, sagte Fraktionsmanagerin Mast nun dem SPIEGEL. Das Awareness-Team stehe »Personen verbindlich und unterstützend zur Seite, wenn sie auf Veranstaltungen negative Erfahrungen machen«, so Mast. Daneben soll es künftig bei Großveranstaltungen eine Kontakttelefonnummer geben, an die sich besorgte Gäste wenden können. Außerdem sind strengere Einlasskontrollen geplant, bei denen sich die Besucher unter anderem ausweisen müssen. »Unser Ziel ist klar: Wir wollen für unsere Mitarbeitenden, unsere Gäste und die Abgeordneten eine möglichst große Sicherheit auf unseren Veranstaltungen gewährleisten.«

Die Fraktion hatte ihr Sommerfest in unmittelbarer Nähe des Kanzleramts gefeiert. Mehr als 1000 Gäste waren damals geladen, aufgrund der Coronapandemie diesmal lediglich Abgeordnete und Mitarbeiter aus dem Bundestag und den Wahlkreisen. Auch Bundeskanzler Olaf Scholz war bei der Feier dabei.

kev
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