SPD-General Chancen von Nahles schwinden

Die Aussichten von Andrea Nahles, SPD-Generalsekretärin zu werden, haben sich mit der Nominierung von Matthias Platzeck zum Parteichef verschlechtert. Sie soll stattdessen einen anderen Posten an der Parteispitze bekommen.


Berlin - Im Umfeld von Platzeck, dem Ministerpräsidenten Brandenburgs, werde nicht mehr mit Nahles gerechnet, berichtet die "Welt". "Es ist schwer vorstellbar, dass Frau Nahles Generalsekretärin unter dem neuen Parteivorsitzenden wird", wird aus Kreisen in Potsdam zitiert.

Nahles: Im Visier der SPD-Rechten
DDP

Nahles: Im Visier der SPD-Rechten

Der Sprecher des konservativen Seeheimer Kreises in der SPD, Johannes Kahrs, lehnt Nahles als Mitglied der Parteispitze ab. "Eine Königsmörderin können sie nicht wieder in den Parteivorstand berufen", sagte Kahrs im ARD-"Morgenmagazin". Nahles habe mit ihrer Kampfkandidatur für das Amt des Generalsekretärs den Rücktritt von Parteichef Franz Müntefering und damit das derzeitige "Debakel" in der SPD verschuldet.

"Jeder Parteichef sucht sich seinen Generalsekretär selbst aus", gab auch Kahrs Nahles wenig Chancen, unter Platzeck diesen Posten zu bekommen. Auch als Nachfolgerin von SPD-Vize Heidemarie Wieczorek-Zeul kann sich Kahrs Nahles schwer vorstellen. Es sei "absurd", denjenigen, der die Partei in die Krise geführt habe, noch zu belohnen. Nahles solle sich stattdessen "mal zwei Jahre zurückziehen".

SPD-Vize Kurt Beck hatte gestern gesagt, er gehe davon aus, dass Nahles eine "wichtige Funktion" in der Parteispitze wahrnehmen werde. Nahles hatte zuvor selbst offen gelassen, ob sie ihre Kandidatur für den Posten des SPD-Generalsekretärs zurückziehen würde, und war für eine "einvernehmliche Gesamtlösung" eingetreten.

Vizefraktionschef Ludwig Stiegler nahm Nahles gegen Vorwürfe in Schutz. "Ich werde mich dagegen wehren, dass man Andrea Nahles zum Sündenbock macht", sagte auch er. "Sie hat gekämpft, das war ihr gutes Recht." Vielmehr hätten diejenigen, die sie gewählt haben, die Konsequenzen bedenken müssen. Auch Stiegler hob hervor, dass Nahles einer künftigen SPD-Führung angehören müsse.



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