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25. Juni 2019, 11:16 Uhr

SPD

Gesine Schwan zu Doppelspitze mit Kevin Kühnert bereit

Wer führt künftig die SPD? Gesine Schwan, ehemals Kandidatin für das Amt der Bundespräsidentin, kann sich eine Bewerbung vorstellen - auch gemeinsam mit Juso-Chef Kevin Kühnert.

Die frühere Kandidatin für das Amt der Bundespräsidentin, Gesine Schwan, ist grundsätzlich zu einer Kandidatur für den SPD-Vorsitz bereit. "Wenn die Bitte an mich herangetragen würde und wenn die auch eine erhebliche Unterstützung hätte", würde sie dies tun, sagte Schwan im Deutschlandfunk. Noch sei es aber nicht so weit, dass sie sich aktiv bewerben wolle.

Denkbar sei für sie auch eine Doppelspitze mit dem Juso-Vorsitzenden Kevin Kühnert, sagte Schwan. Sie schließe das nicht aus. Sie habe Kühnert immer "fair und nachdenklich-argumentativ" erlebt. Allerdings habe sie mit ihm noch nicht darüber gesprochen, und sie glaube auch nicht, dass er jetzt Parteichef werden wolle. Schwan verwies hier auf Kühnerts Alter - der Juso-Vorsitzende wird am 1. Juli 30 Jahre alt.

Der Parteivorstand der SPD hatte am Montag ein Verfahren für die Nachfolge von Andrea Nahles beschlossen. Ausdrücklich ermutigte die Parteispitze Teams zu einer Kandidatur (lesen Sie hier mehr über den Plan der Sozialdemokraten).

Dem SPIEGEL hatte Schwan bereits in der vergangenen Woche gesagt, sie sei bereit, der SPD zu helfen. "Und ich traue mir auch zu, dazu beizutragen, dass das Bild der Partei in der Öffentlichkeit positiver wird, als das im Moment der Fall ist."

Schwan äußerte sich in dem Interview erschüttert über den Zustand der SPD und ihren politischen Kurs. "Nach außen vermitteln wir ein unerfreuliches, kleinkariertes Bild", kritisierte sie. Die SPD müsse "weg von diesem Spiegelstrich-Image" und brauche eine neue Begeisterungsfähigkeit. "Es reicht einfach nicht, ein paar schöne Sachen zu versprechen und im Sinne moderner Wahlarithmetik sozialpolitische Wohltaten zu verteilen. Das ist so durchschaubar. Wir wirken, als machten wir das nur, damit uns noch jemand wählt."

"Peinlich und bedrückend"

Im Deutschlandfunk sagte Schwan nun, eigentlich hätte sie sich nicht vorstellen können, dass für sie ein Sprung an die SPD-Spitze infrage komme: "Aber es hat mich sehr beunruhigt - nicht nur der Zustand der SPD, sondern dass nach dem Rücktritt von Andrea Nahles keine der Personen, die man dafür für angebracht gehalten hätte, es wollte." Die Vorstellung, dass die SPD "wochenlang" ohne Bewerber für den Parteivorsitz dastehe, nannte Schwan "peinlich und bedrückend".

Die 76-Jährige war 2004 von SPD und Grünen für das Amt der Bundespräsidentin vorgeschlagen worden. Sie unterlag bei der Wahl jedoch Horst Köhler. 2009 trat Schwan noch einmal gegen Köhler an und verlor erneut.

Schwan war lange Präsidentin der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder). Später leitete sie die Humboldt-Viadrina School of Governance in Berlin.

cte/AFP

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