SPD-Kandidaten für Straßburg Opa bleibt in Europa

Die SPD-Spitze setzt im Europawahlkampf auf junge Kandidatinnen. Den Preis dafür zahlen jedoch vor allem die älteren Frauen - ihre männlichen Altersgenossen werden dagegen verschont.
Udo Bullmann, Andrea Nahles, Katarina Barley

Udo Bullmann, Andrea Nahles, Katarina Barley

Foto: imago /IPON

Die Liste für die Europawahl sorgt in der SPD für Ärger. Gegen den Willen zweier Landesverbände hat die Parteispitze zwei junge Kandidatinnen auf aussichtsreiche Plätze vorgezogen. Darüber schimpfen nicht nur die Genossen in Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein. Auch unter SPD-Frauen gibt es Unmut.

Der Hintergrund: Parteichefin Andrea Nahles und Generalsekretär Lars Klingbeil haben sich vorgenommen, die SPD jünger und weiblicher zu machen. Es ist ein zentraler Bestandteil der Erneuerung. Klingbeil verwies am Montag darauf, man habe versucht, das Motto auch bei der Europaliste zu berücksichtigen. Mit dem Ergebnis, das nun die Juso-Vizechefin Delara Burkhardt, 26, auf Platz fünf stehen soll. Und Baden-Württembergs Generalsekretärin Luisa Boos, 33, auf Platz 15. Beide waren von ihren Landesverbänden nicht als Spitzenkandidatinnen ins Rennen geschickt worden.

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SPD: Kandidaten auf Europaliste

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Den Preis für die Verjüngung zahlen etablierte Abgeordnete wie Evelyne Gebhardt. Sie ist Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments und Wunschkandidatin ihres baden-württembergischen Landesverbands. Da die Parteispitze ihr die rund 30 Jahre jüngere Boos vorzog, steht Gebhardt nun auf dem wohl aussichtslosen Platz 25.

"Kurzerhand aussortiert"

"Maßlos enttäuscht" sei sie darüber, schreibt Gebhardt auf ihrer Homepage. Die Bundespartei wolle sich ein "jüngeres, social-media-konformes Image" verpassen: "Mit 64 Jahren wurde ich als Frau deshalb kurzerhand aussortiert." Dagegen seien die männlichen Kollegen ihrer Generation, teils um einige Jahre älter, "auf ihren vorderen Listenplätzen abgesichert".

Der Streit über die Liste ist eng mit der generellen Misere der SPD verknüpft. Da die Partei angesichts der Umfragen damit rechnen muss, deutlich unter dem Ergebnis 2014 (27,3 Prozent) zu landen, hatten die Landesverbände vor allem etablierte, ältere Kandidaten ins Rennen geschickt. Zur Freude der Jusos korrigierte die Parteiführung um Nahles dies nun. Er freue sich, dass die Parteispitze verstanden habe, "wie wichtig die Berücksichtigung junger Menschen für die Zukunft des europäischen Projekts ist", schreibt Juso-Chef Kevin Kühnert auf Facebook.

Ein Blick auf den Vorschlag des Parteivorstands für die Europaliste, die am 9. Dezember bei einer Delegiertenkonferenz gewählt werden soll, zeigt jedoch: Die Kandidaten auf den aussichtsreichen ersten 20 Plätzen sind im Schnitt knapp 58 Jahre alt - fast acht Jahre älter als die vielversprechend platzierten Kandidatinnen. Norbert Neuser (Platz 14) und Jo Leinen (Platz 20) haben bereits das 70. Lebensjahr erreicht.

Teilnehmern zufolge stieß dies in der Vorstandssitzung am Montag auch bei der Chefin der SPD-Frauenorganisation, Maria Noichl, auf Kritik. Selbst hat die 51-Jährige es auf Platz drei der Liste geschafft. Sie habe jedoch bemängelt, dass bei Männern stets die Kompetenz angeführt werde und diese deshalb auch bis ins hohe Alter bleiben dürften, heißt es. Viele Genossinnen dagegen hätten ohnehin schon freiwillig zurückgesteckt, bei den Verbliebenen gelte das Argument von Kompetenz oder einer herausragenden Position aber nicht mehr.

Noichl bekam in der Sitzung laut Teilnehmern zustimmenden Applaus, an der Liste änderte ihre Wortmeldung aber nichts mehr.

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