SPD Kanzlerkandidat dringend gesucht

SPD-Chef Gabriel ruft zum Wettbewerb in der K-Frage - aber keiner schreit: hier! Gibt es niemanden, der die Verliererpartei wieder nach oben bringen kann? Oder es zumindest versucht? Ein Jobprofil.

DPA

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Sigmar Gabriels Botschaft an seine Kritiker ist klar: Wenn Ihr glaubt, dass Ihr es besser könnt - meldet euch! Der SPD-Chef hat das im SPIEGEL hübsch verpackt in ein Loblied auf die innerparteiliche Demokratie. "Es wäre hervorragend, wenn es im nächsten Jahr zwei oder drei Leute aus der Führungsspitze der SPD gäbe, die sagen: Ich traue mir das zu." Abstimmen sollen über die Konkurrenten dann die Mitglieder.

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Heft 20/2016
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Der Aufruf ist zunächst einmal verpufft. Potenzielle Alternativen zu einem Kanzlerkandidaten Gabriel haben umgehend abgewunken. SPD-Bundesvize Olaf Scholz sagt nicht, dass er sich nicht für geeignet hält, aber er mag nicht gegen den Vorsitzenden antreten. Außenminister Frank-Walter Steinmeier lobt Gabriel demonstrativ und will sich lieber auf sein Kerngeschäft konzentrieren. Arbeitsministerin Andrea Nahles und EU-Parlamentspräsident Martin Schulz schweigen.

Ist die Lage der Sozialdemokraten wirklich so aussichtslos? Was braucht ein SPD-Spitzenkandidat, um gegen (die wahrscheinlich noch einmal antretende) Kanzlerin Angela Merkel eine Chance zu haben? Wir helfen mit einer fiktiven Stellenausschreibung:

Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands - seit 150 Jahren sorgen wir dafür, dass es in unserem Land gerechter zugeht. Wir setzen uns ein für ein solidarisches Miteinander in einer freien, menschlichen Gesellschaft, für Verständigung und Frieden in der Welt. Darauf können wir stolz sein.

Seit einigen Jahren stehen Deutschland und die deutsche Sozialdemokratie vor besonderen Herausforderungen. Um diese verlässlich und mit vorausschauendem Blick zu bewältigen, suchen wir schnellstmöglich, spätestens aber zum Frühsommer nächsten Jahres

EINE KANZLERKANDIDATIN/EINEN KANZLERKANDIDATEN

für die Bundestagswahl 2017.

Die SPD sucht eine bis zum Äußersten motivierte, hochengagierte, erfolgsorientierte Persönlichkeit, die willens ist, die Zukunft der Bundesrepublik Deutschland als Bundeskanzler/in mit sozialdemokratischer Politik leidenschaftlich zu gestalten.

Die Aufgabe:

  • Als Kanzlerkandidat/in untermauerst du den historischen Anspruch der SPD, die/den Bundeskanzler/in der Bundesrepublik Deutschland zu stellen.
  • Du führst die SPD in den Bundestagswahlkampf und gibst mit Kreativität und Weitblick die Richtung vor bei der gemeinsamen Gestaltung des Wahlprogramms.
  • An der Spitze des Wahlkampfteams repräsentierst du die sozialdemokratischen Grundwerte Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität sowie die Inhalte des Wahlprogramms nach außen.
  • Du adressierst die Stammwählerschaft, frühere SPD-Wähler, Wechselwähler sowie bisherige Nichtwähler, damit die SPD das bestmögliche Ergebnis bei der Bundestagswahl 2017 erreicht. Das Wahlergebnis der Bundestagswahl 2013 darf dabei kein Maßstab sein - wir wollen es deutlich übertreffen.
  • Du motivierst die mehr als 445.000 Mitglieder der Partei, Dich bei Deinem Ziel, die SPD als Volkspartei zu stärken und die nächste Bundesregierung als sozialdemokratische/r Bundeskanzler/in anzuführen, geschlossen zu unterstützen

Puh, klingt hart? Fast unmöglich?

Nicht, wenn du diese Voraussetzungen erfüllst:

  • Du bist in der SPD verwurzelt, fühlst dich den sozialdemokratischen Grundwerten verpflichtet. Ein Amt in der Partei, im parlamentarischen Betrieb oder eine Regierungsfunktion auf Landes- oder Bundesebene sind keine zwingende Voraussetzung, aber förderlich für den Bekanntheitsgrad. Du hast keine Verbindungen zur russischen Gasindustrie.
  • Du bist in höchstem Maße belastbar und flexibel, führungsstark, aber auch teamfähig. Mit deinen ausgeprägten integrativen Fähigkeiten und deinem Verantwortungsbewusstsein bringst du die Partei geschlossen hinter dich. Du verbindest die soziale Nestwärme Willy Brandts mit dem Pragmatismus Helmut Schmidts.
  • Du bist sicher und gewandt im Auftritt auch vor großem Publikum und in den Medien. Du bleibst auch in schwierigen Situationen ruhig und sachlich, erträgst kritische Journalistenfragen und das Feuer innerparteilicher Heckenschützen gelassen. Bedenke: Die Jungsozialisten können im Straßenwahlkampf eine große Hilfe sein.
  • Du identifizierst dich mit einer sozialdemokratischen Politik, die einen funktionierenden Sozialstaat als Grundlage für den wirtschaftlichen Erfolg unseres Landes sieht, und du verstehst es, diese Politik glaubwürdig, konsequent und verständlich im Wahlkampf zu vertreten. Du bist also beispielsweise in der Lage, die Erfolge der Agenda 2010 als unser Erbe zu definieren, ohne für die Agenda 2010 zu sein.

Im Klartext: Du brennst für die SPD, hältst Umfragen für überbewertet, hast keine Angst vor Angela Merkel, du hast Charisma, bist redegewandt, sturmfest und ohne Wankelmut. Du willst regieren und aus einer schicksalsergebenen Verliererpartei wieder eine kraftvolle, erfolgshungrige, stolze SPD machen. Dein Motto: Wir schaffen das.

Liebe Genossin, lieber Genosse, Du bist immer noch überzeugt, dass du die oder der Richtige für diesen anspruchsvollen Job bist? Dann bewirb dich jetzt!

Bei Mehrfachbewerbungen behalten wir uns vor, die Auswahl der Kanzlerkandidatin/des Kanzlerkandidaten den Mitgliedern der Partei in einer Urwahl zu übertragen.

insgesamt 234 Beiträge
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Seite 1
behemoth1 17.05.2016
1. Kanzlerkandidat
Mal ehrlich, wer von den SPD-Genossen möchte sich zum Clown machen und sich bis auf die Knochen blamieren?
Odde23 17.05.2016
2. Maas, Nahles, Schulz oder Stegner
Wenn die SPD einen authentischen Kandidaten setzen will, so wären Maas, Nahles, Schulz oder Stegner gute Kandidaten, welche geeignet wären, verlorene Wähler zurück zu gewinnen. Mit Gabriel wird es nichts werden, der Mann ist verbraucht.
Alfred Ahrens 17.05.2016
3. Was für eine Armutserklärung für die SPD !
Das Ganze wird immer mehr zur Farce, fast könnte man denken, die Parteiführung will die Partei in die Geschichtsbücher verbannen ! Wo gibt es denn so etwas ! Gabriel wird die Partei noch unter 20% bei den Umfragewerten drücken. DER schafft das !
wibo2 17.05.2016
4. Wofür braucht die SPD einen Kanzlerkandidaten?
Wenn es kaum eine Chance gibt, nach den Wahlen den Kanzler stellen zu können. Was soll der Quatsch? Kann mir das einer sagen?
ambergris 17.05.2016
5.
Gabriel weiß, dass seine Karriere vorbei ist wenn er Kanzlerkandidat wird und krachend scheitert. Er will lieber jemand anderen zum Opferlamm machen. Der natürliche Kandidat Olaf Scholz macht da nicht mit, daher seine Ablehnung von Gabriels Vorschlag letztes Wochenende.
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