SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück "Peerblog" nach Hackerattacken eingestellt

Die Hackerangriffe waren zu viel: Die Initiatoren von peerblog.de haben die Internetseite eingestellt. Als Grund nennen sie technische Attacken, der politische Dialog über und für Peer Steinbrück sei dadurch "brachial zerstört" worden. Die SPD dürfte über das Aus des Blogs erleichtert sein.
SPD-Politiker Steinbrück: Keine Kenntnis über "Peerblog"-Geldgeber

SPD-Politiker Steinbrück: Keine Kenntnis über "Peerblog"-Geldgeber

Foto: Tal Cohen/ dpa

Das Ende kommt plötzlich, aber nicht unerwartet: Nach einer Welle der Kritik gegen den "Peerblog" und nach einer Serie von Hackerangriffen seit Mittwochabend hat der Düsseldorfer Agenturchef Karl-Heinz Steinkühler das Projekt eingestellt. Die Seite, durch einen Dauerbeschuss aus dem Netz lahmgelegt, werde nicht wieder online gehen, teilte Steinkühler mit.

Dies sei die Konsequenz aus den zahlreichen, nicht mehr erträglichen Angriffen gegen das Team von peerblog.de aus der Netzgemeinde, aber auch den technischen Attacken, die seit Mittwoch zu immer neuen Ausfällen der Seite geführt hatten. Eine Gruppe mit dem Namen "T3AMM2DU5A" hatte offenbar durch einen sogenannten Zombieangriff, bei dem infizierte Rechner unbeteiligter Personen eine Masseanfrage an den "Peerblog" auslösten, die Seite torpediert. Damit sei "der politische Dialog über und für Peer Steinbrück auf dieser außerparteilichen Plattform brachial zerstört worden", klagte Steinkühler.

Der Medienberater hatte mit seiner Agentur im Auftrag von fünf Unternehmern am Sonntag eine Unterstützerseite für SPD-Kandidat Peer Steinbrück gestartet, die bis zur Bundestagswahl am 22. September laufen sollte. Dafür hatte sich die fünfköpfige Redaktion mit Steinkühler an der Spitze von Steinbrück die Erlaubnis eingeholt, mit seinem Namen arbeiten und für ihn bloggen zu dürfen.

Macher beklagt Erpressungsversuche

Doch vor allem wegen der geheimgehaltenen Namen der Geldgeber, die eine sechsstellige Summe in die Seite investieren wollten, stand das Projekt von Beginn an unter heftigem Beschuss aus der Netzgemeinde und der Politik. Vor allem Grüne, Linke und CDU rügten den Blog als intransparent; eine Anfrage der Bundestagsverwaltung, die dem Verdacht einer verdeckten Parteienfinanzierung nachgehen wollte, erhöhte den Druck auf das Projekt noch zusätzlich.

Selbst in der SPD, die nach eigener Darstellung mit dem Blog und seinen Machern nichts zu tun hat, mehrten sich in den vergangenen Tagen die Stimmen, der Blog könne dem Kandidaten mehr schaden als nutzen. So war auch Steinbrück selbst bereits in die Kritik geraten, nachdem er angegeben hatte, er kenne die Geldgeber des Blogs auch nicht.

Steinkühler macht allerdings in einer Stellungnahme Hackerattacken für das Ende der Seite verantwortlich. "peerblog.de ist als normale Website online gegangen. Firewalls gegen unerwünschte Eindringlinge auf CIA-Niveau kamen und kommen für uns nicht in Frage", heißt es dort. Das offene Konzept habe nun aber dazu geführt, dass die Inhalte der Seite nicht mehr geschützt und von Hackern jederzeit manipuliert werden könnten.

Zudem beklagte Steinkühler '"Erpressungsversuche, unsere Geschäftsbeziehungen offenzulegen" und die Namen der Geldgeber preiszugeben. Dies werde man nicht tun, man habe sich aber entschieden, Sponsoren und Unterstützer nicht weiter den "skrupellosen und inhaltsleeren Anfeindungen aussetzen zu wollen". Mit den Geldgebern sei dieser Schritt abgestimmt. Steinkühler kündigte an, die Einleitung von juristischen Schritten gegen die unbekannten Hacker prüfen zu lassen.

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