SPD-Kanzlerkandidatur Steinmeier verzichtet für seine Frau

Mehr Zeit fürs Private: SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier hat in einem Interview seinen Verzicht auf die Kanzlerkandidatur erklärt. Vor zwei Jahren hatte er seiner Frau eine Niere gespendet.

Büdenbender und Steinmeier (im Juni 2009): "Die notwendige Konsequenz"
dapd

Büdenbender und Steinmeier (im Juni 2009): "Die notwendige Konsequenz"


Hamburg - SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier hat aus Rücksicht auf seine nierenkranke Frau auf die Kanzlerkandidatur verzichtet. "Die letzten zwei Jahre seit der Transplantation haben gezeigt: Auch wenn es überwiegend gutgeht - es gibt ein paar Tage mehr im Jahr, an denen ich an der Familienfront gefordert bin", sagte Steinmeier in einem Interview mit der "Bild am Sonntag". Im August 2010 hatte er seiner Frau Elke Büdenbender eine Niere gespendet. "Diese Freiheit wollte ich mir bewahren, deshalb war der Verzicht auf die Kandidatur die notwendige Konsequenz."

"Mir war klar, was ein Jahr Wahlkampf für mich und meine Familie bedeuten würde", sagte der SPD-Fraktionschef weiter. "Wahlkampf, das heißt, an jedem der kommenden 365 Tage die doppelte Drehzahl zu laufen. Bei mir zu Hause ist aber in den vergangenen zwei Jahren Einschneidendes passiert. Und das hat einfach die Gewichte noch einmal verschoben und zu meiner Entscheidung geführt."

Diese sei ihm durch das Wissen erleichtert worden, "dass Peer Steinbrück ein hervorragender Kandidat sein würde". Er bekräftigte, den SPD-Spitzenkandidaten zu unterstützen: "Ich werde im Wahlkampf da sein, wo er mich braucht."

Steinmeier zeigte sich dankbar dafür, dass seine Frau und er nach der Transplantation zu einem glücklichen Zusammenleben zurückgefunden haben: "Wir sind da gemeinsam durch einen langen Tunnel gegangen. Ich bin unendlich dankbar, dass wir so viel Stabilität in unserem Leben wieder hingekriegt und jetzt wieder eine gemeinsame Perspektive für hoffentlich viele Jahre haben. Das ist ein großes Geschenk, das ich auch so empfinde; deshalb habe ich beschlossen, jetzt nicht gleichzeitig politisch alles auszureizen."

ore/AFP



insgesamt 37 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
friedrich_eckard 14.10.2012
1. kein Titel!
Diese Erklärung hat man zu respektieren, und ich bin auch bereit, sie Herrn Steinmeier zu glauben - allerdings nur b.a.W., nämlich genau solange, wie er nicht als Aussenminister der kommenden schwarzroten Regierung wieder auf der Bildfläche erscheint. Dieses Gewerbe wird nämlich im Umherziehen ausgeübt und ist mit dringenden Verpflichtungen nahen Angehörigen gegenüber so unvereinbar wie kaum ein anderes.
attatroll1 14.10.2012
2. Verzicht aus Einsicht
Vermutlich hat Herr Steinmeier einfach eingesehen, dass er völlig chancenlos als Kanzlerkandidat ist: bei seinem letzten Antritt hat er ja die SPD noch weiter in den Keller geschoben als sie ohnehin schon war. DAS wird wohl der wahre Grund für seinen "Verzicht" sein. Ich habe durchaus Respekt vor Steinmeiers Nierenspende aber überhaupt keinen Respekt vor Steinmeier als Politiker. Dieser Hartz4-Architekt und Schröder-Epigone ist nicht nur unerträglich sondern hat auch darüberhinaus so viel Charisma wie ein Gugelhupf. Nicht dass Steinbrück da besser wäre, aber wenigstens hat der noch einen gewissen Unterhaltungswert.
Rahvin 14.10.2012
3. optional
Der Mann beeindruckt mich als einer der wenigen Politiker Deutschlands auf der menschlichen Ebene immer wieder. Wenigstens einer, der seine Prioritäten gesetzt hat und dann auch konsequent bleibt. Es soll da kinderlose WendehalspolitikerInnen geben, die den Generationenvertrag aushebeln und Deutschlands Tafelsilber gerne an große Konzerne verhökern, während sie sich an ihre Posten klammern, weil sie ansonsten wohl keinen Halt im Leben fänden. Die verdienen in meinen Augen weit weniger Respekt in all ihrer Machtbesessenheit.
perlhuhn. 14.10.2012
4. der Respekt
gegenüber der Privatsphäre der Steinmeier's verbietet eine Bewertung seiner Erklärung. Andererseits begünstigt er selbst ein mediales Interesse. Sympathischer hätte ich eine auf seine Person beschränkte Erklärung gefunden.
kitty101 14.10.2012
5. Sympathisch!
Dass er für seine Frau und seine Familie verzichtet hat, spricht ihn meinen Augen für ihn. Ich fand ihn sowieso schon weitaus sympathischer und charismatischer als Herrn Steinbrück. Dieser Artikel bestätigt meine Auffassung. Mit ihm als Kandidaten hätte die SPD wahrscheinlich auch bessere Chancen gehabt.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.