SPD in der Krise Kühnert nennt Personaldebatte "super-ruinös"

Juso-Chef Kühnert rechnet nach dem Rücktritt von Andrea Nahles mit seiner SPD ab: Die Partei habe sich jahrelang vor allem mit Personalien beschäftigt - und dürfe sich über Austritte nicht wundern.

Juso-Chef Kevin Kühnert sorgt sich um seine Partei
Christoph Soeder/DPA

Juso-Chef Kevin Kühnert sorgt sich um seine Partei


Die SPD ist nach dem Rücktritt von Partei- und Fraktionschefin Andrea Nahles weiter mit Personalfragen beschäftigt. Juso-Chef Kevin Kühnert hat die Sozialdemokraten jetzt davor gewarnt, sich damit zu schaden. "Diese ganzen Personaldebatten sind einfach super-ruinös gewesen in den ganzen letzten Jahren für uns, weil der Eindruck entsteht, wir drehen uns die ganze Zeit nur um uns selbst", sagte Kühnert dem RBB-Sender Radioeins.

Der SPD-Vorstand hatte am Montag entschieden, dass die drei Vize-Vorsitzenden Malu Dreyer, Manuela Schwesig und Thorsten Schäfer-Gümbel die Partei kommissarisch führen. Die Drei erklärten aber, den Vorsitz nicht dauerhaft anzustreben.

Kühnert: "Ihr könnt mich alle mal"

Kühnert sagte dem Sender: "Wenn ich mir vorstelle, ich wäre jetzt ein stinknormales SPD-Mitglied und würde mitkriegen, dass zwei Tage nach der halben Implosion wieder alle nur anfangen, darüber zu reden, wer es jetzt als nächstes werden kann, ich weiß nicht, dann würde ich dieses kleine rote Büchlein vielleicht auch einfach irgendwann zum Fenster rauswerfen und sagen: 'Ihr könnt mich alle mal'." Die Personalfrage sei nicht die entscheidende. "Wir haben so viel zu klären: Was mit dieser Koalition weiter ist, was eigentlich unser Thema in der Zukunft sein soll."

Die SPD-Linke Hilde Mattheis sprach sich nach Nahles' Rückzug gegen ein "Weiter so" aus. "Jetzt ist es doch eine sehr, sehr ernste Lage, die Partei steht wirklich an einer Klippe", sagte Mattheis im Inforadio vom RBB. Es täte den Sozialdemokraten nicht gut, einfach so weiter zu machen. "Wir können nicht auf der einen Seite ständig kompromissbereit sein, über politische Lager hinweg, und gleichzeitig die Partei erneuern. Das wird nicht funktionieren."

Der Sprecher des konservativen Seeheimer Kreises der SPD, Johannes Kahrs, forderte im Bayerischen Rundfunk einen vernünftigen Umgang miteinander. "Kritik in der Sache ist ja ganz schön", sagte er. "Aber Angriffe bringen nichts und auch dieses Dauergenöle vom Rand, was man alles nicht will, oder die Diskussion über die GroKo - all diese ewigen Dauerplatten, die keiner mehr hören kann."

mfh/dpa



insgesamt 113 Beiträge
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Der solide Kommentar 04.06.2019
1. Sehr gut
Überall gehts nur um Personalien, viel zu selten um die Sachfragen. Die CDU hat immernoch nicht sachlich auf Renzos Video geantwortet, es geht nur ums Personal. Das aber ist immer mehr Leuten scheissegal. Aber das kapieren die Parteien wohl erst so ganz langsam. Hoffentlich nicht zu langsam.
hausfeen 04.06.2019
2. Kühnert sagt es, die Grünen sagen es (alle!), der aufgeklärte ...
... Wähler will es: Inhalte und nicht immer wieder alten Wein in neuen Schläuchen, kredenzt von immer neuen, frischgewählten Prinzenssinnen und Prinzen. Um die Wertedebatte kommt die SPD nicht herum. Um die Debatte um sozialdemokratische Werte.
dr.eldontyrell 04.06.2019
3. Ich wünsche
mir für die Zukunft der SPD, dass so junge Köpfe wie Kühnert ans Ruder kommen und die CDU-Boote wie Kahrs und sein Seeheimer Kreis aus der Partei ausgeschlossen, mindestens aber von allen relevanten Aufgaben befreit werden. Dann wäre die SPD wieder wählbar für mich.
2oz_5nvn2lqw83ui 04.06.2019
4. Große Koalition
Das momentane Hauptproblem ist ihre Mitgliedschaft in der gr Koalition. Wie oft muss man eigentlich gegen die Wand laufen bis man die Schmerzen spürt? Verlasst die grooms gebt dem Kevin den Generalsekretär und ihr habt bei den nächsten Wahlen wieder 20%+x. Imo
Kim Henderson 04.06.2019
5. Sorry, Kevin, …
… hat sie nicht. Die Partei (oder vielmehr die Basis, die einfachen Mitglieder, die Abteilungen) haben jahrelang den Menschen die Politik vermittelt, während die Funktionäre und Amtsträger (ob nun Juso-Chef, Parteivorsitzende oder Mandatsträger) über Personal diskutierten, Hinterzimmerpolitik betrieben oder Kuhhändel eingingen, die dann von der Partei (oder vielmehr die Basis, die einfachen Mitglieder, die Abteilungen) den Menschen diese Politik erklärten. Nicht deswegen sind die Mitglieder aus der Partei ausgetreten, sondern weil die Mandatsträger die persönliche Macht – und deren Mehrung wie Erhalt – über das Gemeinwohl stellten. Und nun, lieber Kevin, fasse dich einmal an die eigene Nase.
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