Länger arbeiten SPD kündigt Widerstand gegen Rentenpläne der Union an

Der Vorschlag der Union, das Rentenalter an die Entwicklung der Lebenserwartung zu koppeln, löst Empörung aus. Koalitionspartner SPD widerspricht energisch, die Gewerkschaften sprechen von "unfassbarer Arroganz".

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Wenige Tage vor einem Spitzentreffen der Großen Koalition zur Rente zeichnet sich zwischen SPD und Union ein weiterer Konflikt ab. SPD-Parlamentsgeschäftsführerin Christine Lambrecht sprach sich am Samstag gegen Pläne aus, das Renteneintrittsalter an die Lebenserwartung zu koppeln. "Wir wollen keine starren Regelungen, dass Arbeitnehmer bis 70 Jahre arbeiten müssen", erklärte Lambrecht. "Die SPD will, dass Menschen gesund und körperlich fit das Renteneintrittsalter erreichen. Wir wollen gute Arbeitsbedingungen für ältere Beschäftigte und flexible Übergänge in die Rente ermöglichen." Eine Erhöhung des Renteneintrittsalters stehe "überhaupt nicht zur Diskussion".

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Heft 45/2016
Drehbuch einer Tragödie

Die Union will nach SPIEGEL-Informationen bei dem Koalitionstreffen am Dienstagabend im Kanzleramt vorschlagen, das Rentenalter künftig an die steigende Lebenserwartung zu koppeln. Die Initiative habe Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) bei einer Vorbesprechung der Unionsspitze gemacht. Damit würde das Sicherungsniveau weniger stark sinken als bisher erwartet.

Denkbar sei, dass sich die Altersgrenze mit jedem gewonnenen Jahr Lebenserwartung automatisch um ein halbes Jahr erhöhe. Auch der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer äußerte grundsätzlich Sympathie für die Idee.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund kritisierte die Überlegungen scharf. "Die Pläne der Union sind sozialpolitischer Unfug", erklärte DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach. "Das geht völlig an der Realität vorbei - mit mathematischen Spielereien und statistischem Durchschnitt geht man komplett über die unterschiedlichen Lebenslagen und Biografien der Menschen hinweg."

Die Idee, das Renteneintrittsalters an den statistischen Schnitt bei der Lebenserwartung koppeln zu wollen, zeige eine "unfassbare Arroganz gegenüber Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, dem Schichtarbeiter, der Krankenschwester, der Verkäuferin, dem Maurer", fügte Buntenbach hinzu. In vielen Branchen schafften es die Menschen nicht mal bis zum jetzigen Renteneintrittsalter gesund und in sozial abgesicherter Beschäftigung.

Die Altersgrenze von heute 65 Jahren und fünf Monaten wird bis 2029 auf 67 Jahre steigen. Zentraler Streitpunkt bei den Verhandlungen von Union und SPD ist das gesetzliche Sicherungsniveau, das derzeit bei knapp 48 Prozent des durchschnittlichen Nettolohnes liegt und in Zukunft weiter sinken wird.

mik/dpa

insgesamt 259 Beiträge
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Sachsenimker 06.11.2016
1. Die SPD plappert heuer wie die SED.
Nicht plappern, einfach machen. Obwohl die SPD massiv Mitglieder verloren hat, glaubt sie sich noch in einer Führungsrolle, die ist leider weg. Schade, wer für Kriege stimmt und Hartz gebiert, der ist mit Sicherheit auf der Verliererseite.. Und das mit Recht.
Ticki 06.11.2016
2. Gentest
Da kann doch ein Gentest Wunder bewirken. Man nehme Neugeborene, zapfe ihnen ein wenig Blut ab und bestimme das zu erwartende Alter. Bei einer Lebenserwartung von 85 lasse man die Personen bis 75 arbeiten. Bei einer Lebenserwartunbg von 60 bis 50. Bei Menschen die noch älter werden bis über 90 lasse man sie einfach bis 85 beschäftigen. Die zweite Alternative ist.........KEINE RENTE mehr zu zahlen, ist doch eh egal, wie alt die Menschen dann werden. Denn nur ein toter "Rentner" ist ein guter Rentner. Ruht sanft ihr Ausbeuter des Sozialsystems.
yvowald@freenet.de 06.11.2016
3. Hörigkeit gegenüber dem Arbeitgeberlager
Das Verhalten bzw. das Vorgehen der Unionsparteien CDU und CSU hat weniger mit "Arroganz" zu tun, als mit der absoluten Hörigkeit der Parteioberen gegenüber der Wirtschaft und den Wirtschaftsverbänden, also dem Arbeitgeberlager. Eine längere Lebensarbeitszeit entspricht klar den Kapitalinteressen und nicht dem Wunsch und dem Willen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Ob der Widerspruch der SPD gegen die Unionspläne nicht lediglich ein "Schattenboxen" ist, wird sich noch zeigen. Meist springen die Sozis auf fahrende Züge auf - und vergessen, weshalb sie gewählt sind: Als Vertretung von Arbeitnehmerinteressen!
jescon 06.11.2016
4. Renteneintrittsalter
Wenn die zitierten Gewerkschaftsbonzen die Verknüpfung mit der Lebenserwartung kritisieren besteht doch wohl ein ein eigenes Konzept. Seriös hätte Ihr Magazin die Details die Gewerkschaftsideen mit eingebaut! Ihre Vorgehensweise ist schlicht unseriös! JS
DerBlicker 06.11.2016
5. es tut mir leid
Aber die CDU hat Recht, im Durchschnitt muss das Renteneintrittsalter an die steigende Lebenserwartung angepasst werden. Man kann nicht immer älter werden, aber nicht länger arbeiten wollen. Man muss für körperlich schwer arbeitende Menschen dann bene Ausnahmen machen, dafür müssen Schreibtisch Arbeitnehmer eben entsprechend länger arbeiten. Man kann nicht die Rentenbeiträge und die Rentenhöhe stabilisieren wollen, wenn die Leute immer älter werden und immer länger Rente kassieren. Das geht nach Adam Riese schlicht nicht. Es geht nicht, dass Akademiker auch heute noch in Frührente gehen, damit muss Schluss sein.
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