Länger arbeiten SPD kündigt Widerstand gegen Rentenpläne der Union an

Der Vorschlag der Union, das Rentenalter an die Entwicklung der Lebenserwartung zu koppeln, löst Empörung aus. Koalitionspartner SPD widerspricht energisch, die Gewerkschaften sprechen von "unfassbarer Arroganz".
Rentner

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Foto: Frank Rumpenhorst/ picture alliance / dpa

Wenige Tage vor einem Spitzentreffen der Großen Koalition zur Rente zeichnet sich zwischen SPD und Union ein weiterer Konflikt ab. SPD-Parlamentsgeschäftsführerin Christine Lambrecht sprach sich am Samstag gegen Pläne aus, das Renteneintrittsalter an die Lebenserwartung zu koppeln. "Wir wollen keine starren Regelungen, dass Arbeitnehmer bis 70 Jahre arbeiten müssen", erklärte Lambrecht. "Die SPD will, dass Menschen gesund und körperlich fit das Renteneintrittsalter erreichen. Wir wollen gute Arbeitsbedingungen für ältere Beschäftigte und flexible Übergänge in die Rente ermöglichen." Eine Erhöhung des Renteneintrittsalters stehe "überhaupt nicht zur Diskussion".

Die Union will nach SPIEGEL-Informationen bei dem Koalitionstreffen am Dienstagabend im Kanzleramt vorschlagen, das Rentenalter künftig an die steigende Lebenserwartung zu koppeln. Die Initiative habe Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) bei einer Vorbesprechung der Unionsspitze gemacht. Damit würde das Sicherungsniveau weniger stark sinken als bisher erwartet.

Denkbar sei, dass sich die Altersgrenze mit jedem gewonnenen Jahr Lebenserwartung automatisch um ein halbes Jahr erhöhe. Auch der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer äußerte grundsätzlich Sympathie für die Idee.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund kritisierte die Überlegungen scharf. "Die Pläne der Union sind sozialpolitischer Unfug", erklärte DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach. "Das geht völlig an der Realität vorbei - mit mathematischen Spielereien und statistischem Durchschnitt geht man komplett über die unterschiedlichen Lebenslagen und Biografien der Menschen hinweg."

Die Idee, das Renteneintrittsalters an den statistischen Schnitt bei der Lebenserwartung koppeln zu wollen, zeige eine "unfassbare Arroganz gegenüber Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, dem Schichtarbeiter, der Krankenschwester, der Verkäuferin, dem Maurer", fügte Buntenbach hinzu. In vielen Branchen schafften es die Menschen nicht mal bis zum jetzigen Renteneintrittsalter gesund und in sozial abgesicherter Beschäftigung.

Die Altersgrenze von heute 65 Jahren und fünf Monaten wird bis 2029 auf 67 Jahre steigen. Zentraler Streitpunkt bei den Verhandlungen von Union und SPD ist das gesetzliche Sicherungsniveau, das derzeit bei knapp 48 Prozent des durchschnittlichen Nettolohnes liegt und in Zukunft weiter sinken wird.

mik/dpa
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