SPD-Fraktion Schulz fährt aus der Haut

Unruhe in der SPD: Hinter den Kulissen ist es nach SPIEGEL-Informationen zu einem Wutausbruch von Ex-Kanzlerkandidat Martin Schulz gekommen. Der Fall legt Spannungen bei den Genossen offen.

Martin Schulz (Archivbild)
HAYOUNG JEON/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Martin Schulz (Archivbild)


Ein heftiger verbaler Schlagabtausch hat in dieser Woche Spannungen in der SPD-Bundestagsfraktion offengelegt. Ausgangspunkt war ein emotionsgeladener Auftritt von Ex-Parteichef Martin Schulz. Er hatte sich in der Fraktionssitzung am Dienstag erkundigt, warum eine von ihm eingereichte Frage für die Parlamentsbefragung der Bundeskanzlerin nicht berücksichtigt worden sei.

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Daraufhin hatte ihm der Parlamentarische Geschäftsführer Carsten Schneider unter anderem beschieden, man könne nicht alle Eitelkeiten berücksichtigen. Schulz fuhr nach übereinstimmender Darstellung von Teilnehmern aus der Haut. Seit einem Jahr ordne er sich ein, so Schulz sinngemäß - und dann müsse er sich so etwas anhören.

Einige Abgeordnete sprangen Schulz zur Seite, etwa der Chef der niedersächsischen Landesgruppe, Johann Saathoff. Dieser bot Schulz an, zu seinen Gunsten auf eine Frage zu verzichten.

Eine andere Abgeordnete berichtete der Runde, in ihrem Wahlkreis werde sie häufig gefragt, warum man Schulz in Berlin zunehmend ausboote. Es gab aber auch Genossen, die die Entscheidung der Fraktionsspitze verteidigten; manche waren gar von Schulz' Gefühlsausbruch befremdet. Nach der Sitzung sprachen sich Schulz und Schneider aus.

In der Bewertung des Vorfalls ist die Fraktion gespalten: Die einen sehen ihn als Indiz dafür, dass der ehemalige Kanzlerkandidat seiner Rolle als einfacher Abgeordneter überdrüssig sei. Andere halten den Eklat für ein Indiz für die Nervosität der Fraktionsspitze vor der anstehenden Europawahl.

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cte/hic/vme



insgesamt 188 Beiträge
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Seite 1
citi2010 12.04.2019
1. Schaden
Ich denke dieser Politiker hat der SPD mehr Schaden zugefügt als jeder andere zuvor und danach - wobei sich bereits andere um diesen Titel bemüht haben. Solange solche Genossen da auch nur irgendwie Ernst genommen werden mit ihren Befindlichkeiten ist die SPD weiter in Richtung U10% unterwegs.
elkemeis 12.04.2019
2. Masochismus à la SPD
Die SPD hat schon oft ihre besten Leute abgeschossen. Ich denke, Martin Schulz hätte als Kanzlerkandidat bei der letzten Bundestagswahl besser abgeschnitten, wenn ihm nicht Sigmar Gabriel und Andrea Nahles in die Suppe gespuckt hätten. Obwohl mir mein altes sozilademokratisches Herz blutet, ist diese Partei mit ihren tonangebenden Personalien nicht mehr wählbar. Nahles, Klingbeil und Co. sollten an die nächste Generation übergeben.
ddcoe 12.04.2019
3. Grund zum Streit gibt es genug
in der SPD. Ich zumindest habe den Eindruck, die Partei ist wieder eingeschlafen. Ich sehe nichts von klarem Profil mehr, kein Streiten um Themen mit der Union.
Neandiausdemtal 12.04.2019
4. zu Beitrag #1
Das genaue Gegenteil ist der Fall. Die SPD Spitze um Schulz herum hat ihm in der Zeit als Kanzlerkandidat schwersten Schaden zugefügt und der gesamten SPD gleich mit. Schulz Start war klasse und seine klare Sprache inkl. der Gegerechtigkeitsbotschaft kam gut an. Erst als das gerade auch von den Seeheimern sabotiert wurde, ging es bergab. Danach allerdings, das muß ich zugeben, hat auch Schulz dicke Fehler gemacht.
thequickeningishappening 12.04.2019
5. Kein Mitleid
Schulz haette vor Der BTW Den Braten riechen muessen. Hat Er nicht?! Nach Der 100% Wahl haette Er Das Heft in Die Hand nehmen können und raus aus Der GroKo und mit neuem Programm (Beerdigung Der Agenda an Erster Stelle) antreten können. Hat Er nicht?! Jetzt hat Er fertig und Die Sozen haben noch 2 1/2 Jahre Zeit um sich neue Posten zu sichern.
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