SPD-Krise Schulz nimmt Gabriels Entschuldigung an

"Du bist eben ein Emotionsbrötchen": Martin Schulz hat Sigmar Gabriels Entschuldigung nach dessen persönlicher Attacke laut SPIEGEL-Informationen akzeptiert. In der SPD gibt es weiter Zwist um den Kurs.
Martin Schulz (links) und Sigmar Gabriel

Martin Schulz (links) und Sigmar Gabriel

Foto: Bernd von Jutrczenka/ dpa

Ex-SPD-Chef Martin Schulz hat nach SPIEGEL-Informationen die Entschuldigung von Außenminister Sigmar Gabriel für dessen Äußerungen in der vergangenen Woche angenommen. Bei einem Gespräch im Willy-Brandt-Haus am Dienstag, bei dem Gabriel Schulz gegenüber sein Bedauern zum Ausdruck gebracht hatte, sagte der Ex-Kanzlerkandidat zum Außenminister: "Du bist eben genau so ein Emotionsbrötchen wie ich. Ich habe gesagt, dass ich ohne Groll und Bitterkeit gehe. Das gilt auch für dich."

Gabriel hatte als Reaktion auf Schulz' beabsichtigten Wechsel ins Auswärtige Amt gesagt, seine Tochter Marie habe ihn mit den Worten getröstet: "Papa, jetzt hast du doch mehr Zeit mit uns. Das ist doch besser als mit dem Mann mit den Haaren im Gesicht." Trotz der Aussprache gilt das Verhältnis zwischen Schulz und Gabriel als schwer belastet.

In der SPD sorgt Gabriels ungewisse Zukunft weiter für Diskussionen. "Ich bin dafür, dass Sigmar Gabriel Außenminister bleibt", sagte Bernd Westphal, wirtschaftspolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, dem SPIEGEL. "Er hat bewiesen, dass er es kann." Gabriel verfüge über langjährige Kabinettserfahrung: "Auf so einen sollten wir nicht verzichten."

Kritik gibt es auch am neuen SPD-Führungsduo aus Andrea Nahles und Olaf Scholz. Das Schlimmste seien "die Textbausteine aus dem Willy-Brandt-Haus, die von der SPD-Spitze ausgespuckt werden. Die Leute wollen Politiker mit Ecken und Kanten, keinen Scholzomat 2", sagte der hessische Bundestagsabgeordnete Edgar Franke, Mitglied des konservativen "Seeheimer Kreises".

Der SPD-Vize und Parteilinke Ralf Stegner forderte seine eigene Partei zu einer neuen politischen Kultur auf. In der Gesellschaft gebe es ein großes Misstrauen gegenüber "denen da oben", sagte Stegner. "Wir brauchen dafür eine neue Sensibilität und müssen eine richtige Balance finden zwischen Führungsanspruch und dem ernsthaften Einbeziehen der Basis." Eine rein "machttechnokratische Antwort wäre jedenfalls falsch."

vme