SPON-Wahltrend Mehrheit der SPD-Anhänger lehnt GroKo ab

Noch mal Große Koalition? Lieber nicht, sagt die Mehrheit der SPD-Anhänger. Im SPON-Wahltrend favorisieren die meisten ein anderes Modell.
SPD-Chef Martin Schulz

SPD-Chef Martin Schulz

Foto: Bernd von Jutrczenka/ dpa

SPD-Chef Martin Schulz will von kommender Woche an ergebnisoffene Gespräche mit der Union führen - vorausgesetzt, der Parteitag, zu dem sich die Sozialdemokraten am Donnerstag und Freitag in Berlin treffen, gibt seinen Segen.

Soll sich die SPD noch einmal in eine Große Koalition trauen? Oder doch lieber eine unionsgeführte Minderheitsregierung tolerieren? Im neuen SPON-Wahltrend ist das Ergebnis eindeutig: Auf die Frage, für welche Option sich die Parteispitze entscheiden solle, sprechen sich 56,5 Prozent der SPD-Anhänger für die Tolerierung einer Minderheitsregierung aus. Nur 27,9 Prozent befürworten ein erneutes Regierungsbündnis mit CDU und CSU unter Kanzlerin Angela Merkel. 13 Prozent wären Neuwahlen lieber.

Am Dienstag setzten die Jusos Parteichef Schulz in der Frage noch einmal unter Druck: Auch die SPD-Nachwuchsorganisation sei für Gespräche mit der Union offen, sagte der neue Vorsitzende Kevin Kühnert. Die Jusos wollten aber, "dass eine Große Koalition kein mögliches Ergebnis der Gespräche ist". Er äußerte sich aber auch skeptisch zur Tolerierung einer unionsgeführten Minderheitsregierung: "Klare Opposition halten wir für den ehrlicheren Weg."

Die Anhänger der Union sehen die Sache anders. 61,6 Prozent der Unionswähler fordern die SPD-Spitze auf, eine Große Koalition mit CDU und CSU einzugehen. Für die Tolerierung einer Minderheitsregierung sprechen sich nur 25,7 Prozent aus, für Neuwahlen 9,7 Prozent.

Aber auch unter allen Befragten plädieren 43,3 Prozent dafür, dass Schulz und seine Genossen eine Minderheitsregierung dulden sollten. Nur 31,3 Prozent sprechen sich für eine neuerliche GroKo aus, immerhin noch 19,8 Prozent forderten Neuwahlen.

Bei der Sonntagsfrage gibt es kaum größere Veränderungen im Vergleich zur Vorwoche. Die Union kann ihren Wert in etwa halten und führt weiter klar mit mehr als 31 Prozent. Die SPD liegt nach wie vor bei rund 20 Prozent.

Die FDP liegt mit fast 12 Prozent auf dem dritten Platz - in der Vorwoche kam die Partei von Christian Lindner aber noch auf mehr als 13 Prozent. Die Grünen bleiben bei rund 11 Prozent, die Linke konnte ein wenig zulegen und liegt nun knapp über 9 Prozent. Die AfD konnte sich ebenfalls nur ein wenig verbessern auf etwas mehr als 11 Prozent.

Anmerkungen zur Methodik: Der SPON-Wahltrend wurde in Kooperation mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey im Zeitraum vom 30. November bis 5. Dezember 2017 online erhoben. Die Stichprobe umfasste mehr als 5000 Befragte. Der statistische Fehler lag bei 2,5 Prozent.

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Civey ist ein Online-Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in Berlin. Das Start-up arbeitet mit unterschiedlichen Partnern zusammen, darunter sind neben SPIEGEL ONLINE auch der "Tagesspiegel", "Cicero", der "Freitag" und Change.org. Civey wird durch das Förderprogramm ProFit der Investitionsbank Berlin und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert.

als/Reuters/dpa
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