SPIEGEL-Umfrage Mehrheit der SPD-Anhänger will Walter-Borjans und Esken als Chefs

Welches Kandidatenpaar schafft es an die SPD-Spitze? Eine neue Umfrage zeigt: Sowohl unter Parteianhängern als auch in der Gesamtbevölkerung sind Walter-Borjans und Esken beliebter als Scholz und Geywitz.

Im langen Rennen um den SPD-Vorsitz ist die erste Runde vorbei. Die Kandidatenduos Klara Geywitz und Olaf Scholz sowie Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken haben es in die Stichwahl geschafft.

Rund 425.000 Mitglieder der SPD durften darüber abstimmen, wer künftig die Partei führen soll. Die Beteiligung war mit 53,3 Prozent relativ niedrig. Die Brandenburgerin Geywitz und Bundesfinanzminister Scholz bekamen 22,68 Prozent, die Bundestagsabgeordnete Esken und Nordrhein-Westfalens früherer Finanzminister Walter-Borjans 21,04 Prozent.

Da kein Bewerberpaar eine absolute Mehrheit erreichte, werden die Mitglieder nun Ende November in einer Stichwahl über den Parteivorsitz entscheiden. Endgültig ins Amt wird die neue Doppelspitze im Dezember auf einem Parteitag in Berlin gewählt werden, wobei die Delegierten dem Votum der Mitglieder folgen sollen.

Für den SPIEGEL fragte das Meinungsforschungsinstitut Civey 7534 Bürger nach ihrer Präferenz: "Für welches Kandidatenduo sollten sich die SPD-Mitglieder Ihrer Meinung nach in der Stichwahl um den Parteivorsitz entscheiden?"

Mehr Befragte wünschen sich Walter-Borjans und Esken an der Spitze der SPD (knapp 37 Prozent) als Geywitz und Scholz (rund 25 Prozent). Mit etwas mehr als 38 Prozent sprach sich eine relative Mehrheit aller Teilnehmer aber für keines der beiden Kandidatenpaare aus.

Unter SPD-Anhängern ist der Vorsprung von Walter-Borjans und Esken größer: 54 Prozent der Befragten, die im Bund die SPD wählen würden, sprachen sich für die beiden als Führungstandem aus. Etwa 35 Prozent wünschen sich Scholz und Geywitz.

Walter-Borjans und Esken gelten als das Kandidatenduo des linken Parteiflügels. Dementsprechend sind sie auch unter Grünen- und Linken-Wählern deutlich beliebter.

Geywitz und Scholz hingegen genießen unter Unionswählern deutlich mehr und unter FDP-Anhängern etwas mehr Zuspruch. Die beiden stehen für den rechten Parteiflügel; auch verkörpert Vizekanzler Scholz mehr als jeder andere Kandidat die Große Koalition. Sieben von zehn AfD-Anhängern und sechs von zehn Wählern sonstiger Parteien äußerten keine Präferenz.

Ein Blick auf die Altersgruppen zeigt: je jünger die Befragten, desto größer der Zuspruch für Walter-Borjans und Esken. Die Hälfte aller 18- bis 29-Jährigen zieht die beiden dem Duo Scholz/Geywitz vor.

Letztere liegen einzig in der Gruppe der über 65-Jährigen (knapp) vor ihren Konkurrenten. In den mittleren Altersklassen bilden die Befragten, die keines der beiden Duos bevorzugen, die größte Gruppe.

Im Osten schneiden die Brandenburgerin Geywitz und Scholz etwas besser ab als im Westen. Allerdings liegen sie auch hier - wenn auch knapper als im Westen - hinter Walter-Borjans und Esken. Im Osten ist der Anteil derjenigen, die sich für keines der beiden Kandidatenpaare aussprechen, noch größer als im Westen.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.