Machtkampf in Berliner SPD Müller gewinnt gegen Chebli

Berlins Regierender Bürgermeister kandidiert für den Bundestag: Michael Müller hat sich in der SPD-Mitgliederbefragung in Charlottenburg-Wilmersdorf gegen seine Staatssekretärin Sawsan Chebli durchgesetzt.
SPD-Politiker Chebli, Müller

SPD-Politiker Chebli, Müller

Foto: Wolfgang Kumm / picture alliance / dpa

Es war relativ knapp, aber es hat gereicht für den Regierenden Bürgermeister von Berlin: Die Mitglieder im SPD-Wahlkreis Charlottenburg-Wilmersdorf haben nach SPIEGEL-Informationen mehrheitlich für Michael Müller als Bundestagskandidaten gestimmt. Er setzte sich in der internen Befragung mit 58,4 Prozent gegen seine Staatssekretärin Sawsan Chebli durch, die 40,2 Prozent der Stimmen erhielt.

2459 SPD-Mitglieder waren aufgerufen, sich an der Entscheidung zu beteiligen. Die Wahlbeteiligung lag bei 59,2 Prozent.

Der Regierungschef tritt damit in dem Berliner Wahlkreis Charlottenburg-Wilmersdorf für die SPD bei der Bundestagswahl 2021 an. Anfang Januar hatte Müller erklärt, den Landesvorsitz an Familienministerin Franziska Giffey und Fraktionschef Raed Saleh abgeben zu wollen. Giffey soll bei der Abgeordnetenhauswahl im kommenden Jahr auch als Spitzenkandidat antreten.

Müller bedankte sich bei den Mitgliedern. Die Befragung sei ein "guter und intensiver Prozess" gewesen, mit dem man die innerparteiliche Demokratie gestärkt habe. Chebli gratulierte Müller zur Nominierung und kündigte an, ihn im Wahlkampf zu unterstützen. Sie werde sich weiter "dafür engagieren, dass die SPD im Bezirk, in Berlin und auch auf Bundesebene mehr Junge, mehr Frauen und mehr Menschen mit Migrationsgeschichte an die Spitze" stelle.

Die Berliner Genossen hatten sich in eine außergewöhnliche Lage manövriert. Im Wahlkreis Charlottenburg-Wilmersdorf kämpften nicht nur ein Regierungschef und seine Staatssekretärin um die Gunst der Mitglieder, es prallten zwei Welten aufeinander: die alte und die neue SPD .

Der Regierende Bürgermeister steht für die alte SPD . Müller hat eine klassische Ochsentour hinter sich, ist seit 39 Jahren Sozialdemokrat, macht seit 1989 Politik in Berlin. Ihn dürften viele langjährige Mitglieder gewählt haben, die genau registrieren, bei wie vielen Grillfesten und Abendveranstaltungen ein Bewerber auftaucht.

Chebli dagegen steht für eine neue, progressive SPD. Die Staatssekretärin wurde als Kind palästinensischer Eltern 1978 in Berlin geboren. Sie war wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bundestag und stellvertretende Sprecherin des damaligen Außenministers Frank-Walter Steinmeier. 2016 holte Müller sie in die Senatskanzlei, als Bevollmächtigte des Landes Berlin beim Bund und Staatssekretärin für Bürgerschaftliches Engagement und Internationales.

Die Sozialdemokratin engagiert sich für Flüchtlinge und gegen Rassismus. Sie ist präsent in den sozialen Medien und gilt als polarisierende, streitbare Politikerin.

cte
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