Berlin/Mainz - Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident und SPD-Vize Kurt Beck bestätigte eine entsprechende Zusage Münteferings vor Journalisten in Mainz. Beck begrüßte die Entscheidung und sagte, Müntefering sei ein wichtiges Scharnier für das erfolgreiche Funktionieren einer Großen Koalition.
Weiter kündigte Beck an, er und sein brandenburgischer Amtskollege Matthias Platzeck wollten einen gemeinsamen Personalvorschlag für die Nachfolge Münteferings als SPD-Vorsitzender erarbeiten. Der Mainzer Regierungschef wollte sich noch heute Abend mit Platzeck treffen und aussprechen. Beide Politiker würden den SPD-Gremien morgen einen "abgestimmten und einvernehmlichen Vorschlag unterbreiten, wer für die Aufgabe zur Verfügung steht".
Er gehe davon aus, dass die SPD ab morgen wieder verhandlungsfähig sei, fügte Beck hinzu. Er äußerte sich zudem zuversichtlich, dass seine Partei willens und in der Lage sei, in einer Großen Koalition Verantwortung zu tragen.
Zuvor hatten sich führende SPD-Politiker dafür ausgesprochen, Müntefering trotz seines angekündigten Rückzugs von der SPD-Spitze als Vizekanzler einer Großen Koalition zu gewinnen. "Wir haben schon Gerhard Schröder verloren. Wir können nicht noch so eine wichtige Führungsfigur für die deutsche Sozialdemokratie verlieren", sagte Bayerns Landesfraktionschef Franz Maget. Es müsse gelingen, Müntefering auch für eine "herausgehobene Position" in der Partei zu halten.
Müntefering hatte gestern angekündigt, nicht mehr für das Amt des Parteivorsitzenden kandidieren zu wollen, nachdem das Parteipräsidium nicht für seinen Vertrauten Kajo Wasserhövel, sondern für die Parteilinke Andrea Nahles als künftige Generalsekretärin gestimmt und damit Müntefering eine empfindliche Niederlage zugefügt hatte.
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Der damalige SPD-Vorsitzende Rudolf Scharping (l.) begrüßt den designierten Generalsekretär Franz Müntefering bei einem Treffen im Oktober 1995
1997 zeigten sich die damaligen SPD-Geschäftsführer Franz Müntefering (r.) und SPD-Chef Oskar Lafontaine gut gelaunt vor der Präsidiumssitzung in Bonn. Nach Lafontaines Antritt für die Linkspartei 2005 nannte Müntefering den Saarländer eitel und unsolidarisch. Eine Zusammenarbeit zwischen SPD und Linkspartei schloss Müntefering aus
Im März 1997 unterstützte Franz Müntefering eine Protestkundgebung von Bauarbeitern in Berlin gegen Tarifbruch und Sozialdumping auf vielen Baustellen: Die zweite Legislaturperiode von Kanzler Gerhard Schröder stand später im Zeichen von Sozialreformen und Hartz IV
Kampfeswille: Im September 1997 zeigt Franz Müntefering auf die rückwärtslaufende Uhr am Gebäude der SPD-Wahlkampfzentrale. Die Uhr hatten die Sozialdemokraten als eine Botschaft über die verbleibenden Zeit für die CDU eingerichtet
Franz Müntefering mit dem damaligen Ministerpräsidenten Johannes Rau im Januar 1998 in Dortmund: Müntefering wird auf dem nordrhein-westfälischen SPD-Landesparteitag als Spitzenkandidat der Landesliste für die Bundestagswahl vorgeschlagen
Als Vorsitzende der Jusos spricht Andrea Nahles im März 1998 auf dem Juso-Bundeskongress in Essen mit dem damaligen SPD-Bundesgeschäftsführer Franz Müntefering: Nun trat Müntefering ab, weil er nicht mit einer Generalsekretärin Nahles zusammenarbeiten wollte
Im April 1998 klebt Franz Müntefering ein Werbeplakat der SPD vor der Bundeszentrale der Sozialdemokraten in Bonn
Oktober 1998 legt Franz Müntefering als Verkehrs- und Bauminister im Bundestag in Bonn seinen Amtseid ab. Im Kabinett von Angela Merkel war er als Vizekanzler und Arbeitsminister vorgesehen
"Politik ist Organisation" lautet Münteferings Credo - das bewies er machmal auch ganz praktisch: Als Verkehrs- und Bauminister trägt Franz Müntefering im Juni 1999 beim Umzug von Bonn nach Berlin Kartons mit Unterlagen seines Ministeriums
Bundeskanzler Gerhard Schröder gratuliert Franz Müntefering im März 2004 zu seiner Wahl als SPD-Parteivorsitzender - Schröder hatte den Vorsitz abgegeben, nachdem ihm die Parteilinke zunehmend die Gefolgschaft verweigerte
Farbe bekennen: SPD-Chef Franz Müntefering beim Verlassen einer Schule im brandenburgischen Eberswalde nach einer Diskussion mit Schülern im März 2005
Der SPD-Vorsitzende Franz Müntefering besucht im Rahmen einer Wahlkampfrundreise im August 2005 gemeinsam mit SPD-Präsidiumsmitglied Andrea Nahles das Deutsche Schieferbergwerksmuseum in Mayen.
Geschafft und glücklich: Franz Müntefering im September 2005 nach einer Wahlkampfrede in Abensberg im Landkreis Kelheim: Unter dem Tandem Müntefering/Schröder erzielte die SPD das überraschend gute Ergebnis von 34,2 Prozent
Der unermüdliche Einsatz forderte Tribut. Ende August 2005 klappte Franz Müntefering auf einer Wahlkampfveranstaltung in Homburg zusammen. In einer Klinik diagnostizierten die Ärzte: Kreislaufkollaps
Nach der ersten Sitzung des neugewählten Parlaments im Oktober 2005 beraten sich die Parteichefs Edmund Stoiber (CSU) und Franz Müntefering (SPD). Nach Münteferings Rückzugsankündigung als SPD-Parteichef will nun auch der Bayer nicht mehr nach Berlin kommen
CDU-Chefin Angela Merkel und der SPD-Chef beim Gespräch im Berliner Willy-Brandt-Haus. Müntefering stellte nun auch seine Beteiligung in einer Großen Koalition unter einer Kanzlerin Merkel in Frage