SPD-Nachwuchs Jusos streiten über Doppelspitze

Ist die Doppelspitze auch ein Modell für die Sozialdemokraten? Zumindest der SPD-Nachwuchs diskutiert darüber, künftig nach grünem Vorbild zwei Spitzenposten zu vergeben. Hamburgs Jusos preschen pünktlich zur nächsten Vorstandswahl mit einem Vorschlag vor.

SPD-Nachwuchs Jusos: Spitze künftig aus Mann und Frau?
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SPD-Nachwuchs Jusos: Spitze künftig aus Mann und Frau?


Berlin - Der SPD-Nachwuchs diskutiert darüber, den Vorstandsposten künftig nach grünem Vorbild mit einem Mann und einer Frau zu besetzen. "Wir dürfen nicht nur über unsere Grundwerte reden, wir müssen sie selbst leben", sagt der Hamburger Hauke Wagner, der für das Amt des Juso-Bundesvorsitzenden kandidiert. "Wer nach Gleichberechtigung ruft, muss die Quote auch in seinem Umfeld wollen: Ich möchte bei den Jusos eine Doppelspitze etablieren. Wenn die Satzung das noch nicht hergibt, müssen wir sie ändern."

Wagners Vorschlag kommt pünktlich zur nächsten Vorstandswahl. Anfang Dezember wollen die Jusos ihre neue Führung wählen. Neben Wagner kandidiert die bayerische Jungsozialistin Johanna Uekermann für den Chefposten. Beide hatten ihre Kandidaturen bereits vor einiger Zeit bekanntgegeben.

Der Doppelspitzenvorstoß sorgt für Zwist zwischen den beiden Bewerbern. Uekermann steht dem Vorschlag zwar grundsätzlich offen gegenüber, kritisiert aber den Zeitpunkt. "Ich finde grundsätzlich, dass man das bei uns ermöglichen sollte. Ich wundere mich aber ein bisschen, warum Hauke Wagner den Vorschlag jetzt hervorbringt", sagt sie. Die Verbandsreform vor einem Jahr wäre der eigentlich richtige Zeitpunkt gewesen, meint Uekermann. Zudem habe man mit dem Amt des Geschäftsführers bereits einen zweiten Spitzenposten.

Ein Verband, zwei Strömungen

Wagner und Uekermann stehen für unterschiedliche Juso-Strömungen, der Hamburger für die pragmatische, die Bayerin für die traditionell linke. Wagner sagt, er würde die Jusos gerne neu aufstellen. "Wir neigen derzeit zu Wohlstandsbequemlichkeit, wenn es um unser eigenes Verhalten und unsere Politik geht, heißt es in seinem Bewerbungsschreiben. "Wir debattieren und agieren zu häufig ohne konkrete Ergebnisse und ohne wirkliche Signale." Die Jusos müssten stärker zu "Zukunftslobbyisten" werden, sagt er. "Dafür müssen wir unser Blickfeld erweitern."

Uekermann hat angekündigt, besonders Fragen der sozialen Gerechtigkeit und der Gleichstellungspolitik ins Zentrum rücken zu wollen. "Eine Politik, die ausschließlich auf 'Eigenverantwortung' und 'Chancengleichheit' setzt, verstärkt soziale Ausgrenzung", schreibt sie in ihrer Bewerbung. "Zudem fordert sie eine stärkere Repräsentation von Frauen in der SPD-Führungsebene sowie eine strategische Annäherung an die Linkspartei.

Der bisherige Juso-Vorsitzende Sascha Vogt hatte angekündigt, nicht noch einmal zu kandidieren. Vogt wurde auf dem Leipziger Parteitag der SPD in den Parteivorstand gewählt.

vme

insgesamt 11 Beiträge
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spon-facebook-10000211648 20.11.2013
1. Doppelspitze
Könnte es nicht sein, dass sich die Juso nicht die Grünen, sondern die Linkspartei als Vorbild genommen hat??
FocusTurnier 20.11.2013
2. Gender-Proporz
Mit diesen Vorschlägen nähert sich die SPD den Grünen und der LINKEN noch mehr an. Demnächst ist das dann auch in den Wahlergebnissen sichbar - die werden dann nämlich einstellig. Und das ist gut so! Diese Gleichstellungsorgie innerhalb der SPD wird Stimmen kosten.
cato. 20.11.2013
3. ...
Zitat von sysopDPAIst die Doppelspitze auch ein Modell für die Sozialdemokraten? Zumindest der SPD-Nachwuchs diskutiert darüber, künftig nach grünem Vorbild zwei Spitzenposten zu vergeben. Hamburgs Jusos preschen pünktlich vor der nächsten Vorstandswahl mit einem Vorschlag vor. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/spd-nachwuchs-jusos-streiten-ueber-doppelspitze-a-934503.html
Das die Jusos noch nicht so ganz den Zustand der Adoleszenz überwunden haben und sich noch nicht geistig emanzipiert haben macht es ja geradezu zwangsläufig Vorstandswahlen nach dem Prinzip Klassensprecherwahlen abzuhalten und immer schön auf den Geschlechterproporz zu achten... PS: Heike Wagner sollte sich einmal den Unterschied zwischen Gleichberechtigung und Gleichstellung anschauen, vielleicht fällt ihm ja dann auf, dass er einen nicht unerheblichen Fehler gemacht hat.
karsten rohde 20.11.2013
4.
"Gerechtigkeit" ist das Un-Wort 2013. Man kann es nicht mehr hoeren.
Ruhri1972 20.11.2013
5.
Die Doppelspitze wäre auch ein Modell für die Bundes-SPD für ihre Zukunftsfähigkeit. Obwohl Agenda-Politik alá Scholz. Clement und Schröder abgestraft wurden, ist dies bis zum heutigen Tag noch nicht in der Führungsebene der Partei durchgedrungen.
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