Walter-Borjans und Esken Der Polit-Rentner und die Frau aus dem Nichts

Sein größter Coup war der Kauf von Steuer-CDs, sie trat bislang politisch kaum in Erscheinung: Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken sollen künftig die deutschen Sozialdemokraten führen. Wer sind die beiden?

Überraschungssieger: Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken sollen künftig die SPD führen
Fabrizio Bensch/Reuters

Überraschungssieger: Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken sollen künftig die SPD führen


Wie geht es weiter mit der Großen Koalition? Das ist eine der Hauptfragen, die sich nach der Entscheidung der SPD-Basis für die neue Parteispitze stellt. Denn das designierte Führungsduo Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken steht der GroKo äußerst kritisch gegenüber. Sie wollen beim Koalitionsvertrag zumindest nachverhandeln, sonst droht der Bruch.

Doch wer sind die beiden eigentlich? Der Überblick.

Norbert Walter-Borjans

Der Kauf von elf Steuer-CDs mit Daten potenzieller deutscher Steuerbetrüger in der Schweiz brachte ihm bisher die größte mediale Aufmerksamkeit: Sieben Milliarden Euro nahm Norbert Walter-Borjans als Finanzminister Nordrhein-Westfalens damit zusätzlich ein. Bis heute spricht er gerne über diese Zeit (ein ausführliches Porträt lesen Sie hier).

In die Politik kam der designierte SPD-Chef im Jahr 1984. Der damalige Ministerpräsident in NRW, Johannes Rau (SPD), holte ihn in die Staatskanzlei. Ab 1991 war "Nowabo" unter anderem stellvertretender Regierungssprecher und Wirtschaftsstaatssekretär.

Bei der Stadt Köln arbeitete der FC-Fan und Vater von vier Kindern 2006 als Wirtschaftsdezernent. 2009 wurde Walter-Borjans zusätzlich Kämmerer. Die Kölner Finanznot machte ihn erfinderisch: Er entwickelte die Bettensteuer von fünf Prozent des Übernachtungspreises.

Norbert Walter-Borjans
Martin Schutt/ DPA

Norbert Walter-Borjans

Der promovierte Ökonom wurde 2010 für sieben Jahre Finanzminister in NRW. In dieser Zeit legte er sich gerne mit anderen an - nach dem Motto: "Finanzminister sind immer die Spaßverderber".

Er verantwortete einen großen Aufwuchs an Schulden in NRW - teilweise wurden die Haushalte des Landes in seiner Zeit als "verfassungswidrig" gerügt. Nach dem Ende seiner Zeit als Minister schrieb er ein Buch über seinen Kampf gegen Steuerhinterziehung. Walter-Borjans stammt aus einer Handwerkerfamilie - der Vater war Schreiner, die Mutter Schneiderin.

Kay Nietfeld / dpa

Saskia Esken

Bis zu ihrer Kandidatur für die SPD-Spitze war Saskia Esken der breiteren Öffentlichkeit eher unbekannt. Seit 2013 sitzt die 58-Jährige im Bundestag, ist Expertin für Digitales. Gleiche Chancen und Gerechtigkeit gehören zu den Kernzielen des Mitglieds der Gruppe Parlamentarische Linke in der SPD-Fraktion.

Geboren in Stuttgart, aufgewachsen im Kreis Böblingen, arbeitete sie zunächst unter anderem in der Gastronomie, als Fahrerin und Schreibkraft. Acht Jahre habe sie sich nach dem Abitur als Ungelernte mit verschiedenen Berufen durchgeschlagen, erzählt Esken. Das habe sie geprägt, sagt Esken, und spannt den Bogen zu den Ungerechtigkeiten im deutschen Arbeitsmarkt: der riesige Niedriglohnsektor, die prekäre Situation der Leiharbeiter und die geringen Renten von Geringverdienern.

Um die Zustände für Arbeitnehmer zu verbessern, seien CDU und CSU "kein geeigneter Partner", konstatierte Esken kürzlich. Kopflos raus aus der Koalition will sie aber auch nicht. Der Erfolg bei der Grundrente habe gezeigt, was möglich sei, wenn die SPD sich durchsetze.

Saskia Esken
Michael Kappeler/DPA

Saskia Esken

Engagiert ist Esken unter anderem gegen extreme Rechte - so hatte sie 2009 im baden-württembergischen Calw ein "Bündnis gegen Rechts" gegründet, weil die NPD erwogen hatte, ihre Landesgeschäftsstelle dort einzurichten. Für eine umweltgerechte Sanierung von Müll-Deponien gründete sie vor Ort eine Bürgerinitiative mit.

In die SPD eingetreten ist Esken 1990. Sie hat drei Kinder und ist im Nordschwarzwald zu Hause.



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mho/dpa

insgesamt 55 Beiträge
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Ole_Ostpreiß 02.12.2019
1. "Polit-Rentner und die Frau aus dem Nichts" ... wie gehässig
Gegenfrage: Was haben denn die "Erfahrenen alt Eingesessenen" an den Sesseln klebenden Vorgänger diesen Beiden Voraus ? Was haben die besser gemacht ? ... Nichts !
Alter Falter 02.12.2019
2.
So lange die SPD nicht dafür sorgt, dass die rückwirkende! Doppelverbeitragung für Betriebsrenten und Direktversicherungen - der größte Betrug aller Zeiten - zurückgenommen wird, so lange ist die SOD nicht mehr wählbar, egal, wer dort an der Spitze steht.
hersp58 02.12.2019
3. na und?
Ein Dipl.-Ökonom und eine Informatikerin, die sich nach der Schulzeit erst einmal in Billig-Jobs ausgetobt hat. Da gibt es weiß Gott schlechtere Biographien im bestehenden Polit-Establishment. Bojans hatte in NRW das Pech noch eine Hannelore Kraft vor sich zu haben und sich mit den Grünen herumschlagen zu müssen. So manche der nicht verfassungsmäßigen Beschlüsse, die ihm in NRW zugeschrieben wurden, hatte das Land seiner MPin Kraft und den Grünen zu verdanken. Auch das ist Teil der Geschichte.
mark.muc 02.12.2019
4.
Ich meine Herr Borjans wirkt noch recht frisch. Gerade angesichts einer immer älter werdenden Gesellschaft ist diese Art der altersdiskriminierenden Rhetorik im SPON nicht zukunftst-fähig sondern rückwärtsgewandt. Hinzu kommt, daß hier mit zweierlei Maß gemessen wird, wenn man z.B. an Frau Merkel denkt. Auch die kam damals übrigens "aus dem Nichts". Nun gut sie war schon "Kohls Mädchen". Ein Maß für die CDU ein anderes für die SPD. Und glaubt man bei SPON wirklich, daß etwa die JU in irgendeinem profunden -nicht nur formalen- Sinne jünger ist als Herr Borjans?
grosser47 02.12.2019
5. Neues Führungspersonal
Eine so traditionelle und wichtige Partei , mir Nobelpreisträger in der Historie, wie die SPD ; HAT DAS NICHT VERDIENT ! Von einer schwäbischen Hausfrau und Hinterbänklern und einem " No Name" ex NRW Minister geführt zu werden... Beide habe. das Charisma eins Pastors aus der Provinz. Zumal, die an Selbstüberschätzung leidenden JUSOS hier die Königsmacher sind bzw.. Waren!
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