AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 20/2016

SPD-Kanzlerkandidatur Scholz lehnt Konkurrenzkampf mit Gabriel ab

Der SPD-Vorsitzende Gabriel wünscht sich einen Wettbewerb um die Spitzenkandidatur seiner Partei bei der nächsten Bundestagswahl. Doch der Vize Olaf Scholz sagt schon ab: "Wir halten zusammen."

Olaf Scholz (l.) und Sigmar Gabriel
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Olaf Scholz (l.) und Sigmar Gabriel


Zwei oder drei Bewerber wünscht sich SPD-Chef Sigmar Gabriel im Kampf um die Kanzlerkandidatur seiner Partei. Doch SPD-Vize Olaf Scholz will nicht gegen den Vorsitzenden antreten. Die Sozialdemokraten seien eine solidarische Partei, "und in der SPD-Spitze halten wir zusammen", sagte er den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland.

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Heft 20/2016
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"Wir machen uns nicht gegenseitig die Posten streitig", fügte er hinzu. SPD-Chef Gabriel sei "der natürliche Kanzlerkandidat".

Gabriel hatte sich eine offene Debatte über einen Kanzlerkandidaten seiner Partei ausgesprochen. "Es wäre hervorragend, wenn es im nächsten Jahr zwei oder drei Leute aus der Führungsspitze der SPD gäbe, die sagen: Ich traue mir das zu", sagte er im Interview mit dem SPIEGEL (das vollständige Gespräch lesen Sie hier im digitalen SPIEGEL). Wenn es mehrere Interessenten für eine Spitzenkandidatur bei der nächsten Bundestagswahl gäbe, würde die SPD nach Gabriels Angaben einen Mitgliederentscheid durchführen.

Zugleich machte der intern in der Kritik stehende Parteichef im SPIEGEL deutlich, dass er nicht an seinem Stuhl klebt: "Wer sich selbst für unersetzbar hält oder - was noch schlimmer wäre - sein eigenes Selbstwertgefühl nur aus einem Amt bezieht, ist eigentlich schon deshalb nicht geeignet."

Umfragen sehen die SPD bei rund 20 Prozent. Gabriel steht deshalb intern stark unter Druck. Er gestand im SPIEGEL auch Fehler ein. So sei es der SPD in der Flüchtlingskrise nicht gelungen, einen rationaleren Ton in die öffentliche und parteiinterne Debatte zu bekommen. Aus heutiger Perspektive sei es schwierig, den Kanzler zu stellen, sagte Gabriel. Um wieder erfolgreich zu sein, muss die SPD dem Vorsitzenden zufolge "zeigen, dass sie ohne Wenn und Aber Schutzmacht der normalen Arbeitnehmer ist".

Als amtierender SPD-Chef hat Gabriel das erste Zugriffsrecht auf die Spitzenkandidatur. Zuletzt hatten Rücktrittsgerüchte, die Gabriel dementierte, für Aufregung gesorgt.

Scholz gilt neben Sozialministerin Andrea Nahles, EU-Parlamentspräsident Martin Schulz und Außenminister Frank-Walter Steinmeier als mögliche Alternative zu Gabriel in der Frage der Kanzlerkandidatur. Ihnen allen werden aber keine großen Ambitionen nachgesagt, im kommenden Jahr gegen CDU-Chefin Angela Merkel anzutreten.

Die SPD-Spitze will ihren Kanzlerkandidaten erst nach der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen im Mai 2017 bestimmen.

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insgesamt 173 Beiträge
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Seite 1
jens20505 16.05.2016
1. Die SPD muss vor Allem ....
... machen und nicht schön reden, das Personal muss wieder authentisch werden, denen muss man auch glauben können was sie sagen. Auch gern mal konträre Positionen einnehmen zu TTIP, NSA, Abgasbetrug usw. . Aber so .....
reflexxion 16.05.2016
2. Scholz macht Bestandssicherung
Wer will schon den Posten des garantierten Losers haben, ein SPD-Kanzlerkandidat ist heute in etwa so sinnvoll, wie damals die "Kanzlerkandidatur" Westerwelles war. Das ist doch nur ein Runninggag der Geschichte. Scholz sitzt in Hamburg relativ sicher im Sattel, genauso wie Kraft in Düsseldorf. Ein Oppositionskasper in Berlin wird keiner von denen werden wollen.
kanzlerkandidat 16.05.2016
3. Olaf Scholz will kein Bauernopfer werden!
Jeder weiß genau, dass SPD keine Chance hat je wieder in Deutschland Kanzler zu stellen! Es wird in der Geschichtsbücher geschrieben, dass der Schröder letzte Kanzler SPD war! Wenn Scholz jetzt sich in alle Dreck was Schröder und Gabriel hinterlassen haben, wälzen muss, dann ist nicht nur seine politische Kariere beendet, sondern seine Name wird genauso beschmutzt sein!
haresu 16.05.2016
4. Nimm du die Niederlage, ich hab sie sicher.
Jetzt schubsen sie sich schon gegenseitig in die Schusslinie. Erbarmen!
d15 16.05.2016
5. Kandidat
Wozu bei 20% überhaupt einen Kandidaten?
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