SPD Peter Glotz ist tot

Der ehemalige SPD-Spitzenpolitiker Peter Glotz ist tot. Er starb in Zürich nach kurzer Krankheit im Alter von 66 Jahren. SPD-Chef Müntefering würdigte die Verdienste des Verstorbenen für die Sozialdemokratie. "Sein kritischer Geist" werde der Partei sehr fehlen, sagte Müntefering.


Glotz: Tod in den Armen seiner Frau
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Glotz: Tod in den Armen seiner Frau

Hamburg - Glotz starb nach Angaben seiner Ehefrau bereits gestern Abend in einem Züricher Krankenhaus an Lungenkrebs. Er sei in ihren Armen gestorben, sagte Felicitas Walch, die dritte Ehefrau von Glotz, mit der er seit 1991 verheiratet war und einen gemeinsamen siebenjährigen Sohn hatte.

Glotz hatte zahlreiche Ämter innerhalb und außerhalb der SPD inne, in die er 1961 eingetreten war. In München studierte Glotz Zeitungswissenschaften, Philosophie, Germanistik und Soziologie und promovierte 1968. 1980 wurde er auf Empfehlung des damaligen SPD-Parteivorsitzenden Willy Brandt Bundesgeschäftsführer und rief seine Partei zu einer programmatischen Erneuerung auf.

Als brillanter Analytiker und Theoretiker genoss Glotz in der SPD breites Ansehen. 1987, als auch Brandt den Parteivorsitz aufgab, zog sich Glotz vom Amt des Bundesgeschäftsführers zurück. Er sei ein Mann Brandts gewesen und werde es bleiben, sagte er.

1993/94 gehörte Glotz dem Wahlkampfteam um Rudolf Scharping (SPD) an und war für die Bereiche Forschung, Bildung und Kultur in dessen Schattenkabinett zuständig. Im Dezember 1994 wählte ihn die SPD-Fraktion zu ihrem forschungs- und bildungspolitischen Sprecher. 1996 kündigte Glotz sein Ausscheiden aus der Politik an. Von Februar bis November 2002 war Glotz Vertreter der deutschen Regierung im EU-Konvent für die Europäische Verfassung.

Zuletzt war der 1939 im böhmischen, damals deutschen Eger (Cheb) geborene Glotz am Institut für Medien- und Kommunikationsmanagement der Universität St. Gallen in der Schweiz tätig und arbeitete zudem als freier Publizist und Autor. Seit dem Jahr 2000 setzte er sich verstärkt für die Errichtung des umstrittenen Zentrums gegen Vertreibungen ein.

Der SPD-Vorsitzende Franz Müntefering würdigte die Verdienste des Verstorbenen für die deutsche Sozialdemokratie. "Sein kritischer Geist und seine wache Aufmerksamkeit seiner Partei gegenüber werden uns sehr fehlen", sagte Müntefering heute. Das Lebenswerk des früheren SPD-Bundesgeschäftsführers sei "beeindruckend" gewesen. "Er verband politische Leidenschaft mit Intellektualität. Er hat Wissenschaft in politische und gesellschaftliche Praxis übersetzt und umgekehrt. Er blieb dabei Politiker und verharrte nicht in der 'reinen Lehre'", sagte Müntefering.



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