Kanzlerkandidatur SPD-Politiker befürworten Urwahl

Noch hat die SPD keinen Kandidaten, der es im nächsten Herbst mit Kanzlerin Angela Merkel aufnehmen will. Parteipolitiker sprechen sich jetzt für die auch von Sigmar Gabriel ins Spiel gebrachte Urwahl aus.
SPD-Chef Sigmar Gabriel

SPD-Chef Sigmar Gabriel

Foto: Bodo Schackow/ dpa

In die Debatte um die noch unerklärte Kanzlerkandidatur bei der SPD kommt Bewegung. Die im Oktober gewählte neue baden-württembergische Landesvorsitzende Leni Breymaier, 56, spricht sich für einen Mitgliederentscheid in der Frage des Merkel-Herausforderers aus. "Wenn es mehrere Kandidaten gibt, bin ich sehr für eine Mitgliederentscheidung", sagte sie dem SPIEGEL. Es fehle den Sozialdemokraten nicht an fähigem Spitzenpersonal, und eine Wahl belebe die innerparteiliche Diskussion. Breymaier: "Wenn da welche springen würden, würde es Partei und Demokratie guttun."

Das Zögern von Parteichef Sigmar Gabriel, selbst als Herausforderer anzutreten, befeuert offenbar die Idee einer Urwahl. Der Zeitplan könne immer noch problemlos eingehalten werden, sagt Breymaier. Noch stehe ja nicht einmal der Wahltermin im kommenden Herbst fest: "Wenn der Parteivorstand im Januar eine Urwahl beschließt, kriegen wir das immer noch locker hin."

Einen erklärten Favoriten hat sie nicht. Stattdessen sagt die Spitzenfrau aus dem Schwäbischen: "Wenn Sigmar Gabriel als Parteivorsitzender es machen will, wird ihm das wohl keiner streitig machen." Im Landtagswahlkampf im vergangenen März habe sie Gabriels Wahlkampf-Qualitäten beobachten können: "Er würde das gut hinkriegen. Er bringt die Leute in Wallung - im Guten wie im Schwierigen."

Auch die Juso-Chefin Johanna Uekermann, 29, hat sich soeben erneut für eine Urwahl ausgesprochen. Dem SWR sagte sie, dass ein Mitgliederentscheid "für die SPD eine gute Möglichkeit wäre zu zeigen, dass wir eben mehrere Leute haben, die gut eine Kanzlerkandidatur machen können, dass wir einen Wettstreit haben zwischen den besten Ideen und den besten Köpfen und dass wir auch herausfinden könnten, wer kann eigentlich das SPD-Programm am besten verkörpern".

Selbst Gabriel hatte im vergangenen Mai im SPIEGEL für einen Mitgliederentscheid geworben. Damals sagte er: "Wenn es mehr als einen Interessenten für solche Spitzenkandidaturen gibt, dann würde die SPD einen Mitgliederentscheid machen." Die Abstimmung über den Koalitionsvertrag Ende 2013 sei ein "riesiger Erfolg in der Mitgliedschaft" gewesen.

Gabriel damals: "Deshalb kann ich nur wiederholen, was ich seit Jahren sage: Es wäre hervorragend, wenn es im nächsten Jahr zwei oder drei Leute aus der Führungsspitze der SPD gäbe, die sagen: Ich traue mir das zu." Die Resonanz in Partei und in Führungskreisen blieb seinerzeit jedoch eher verhalten. Das könnte sich jetzt, da die Kandidaten-Entscheidung näher rückt, ändern.

Auch zum Noch-Europapolitiker Martin Schulz positioniert sich die baden-württembergische Landesvorsitzende Breymaier deutlich. "Wenn die Planstelle im Auswärtigen Amt ab Februar frei wird, wäre Schulz ein prima Außenminister. Er kann sich international virtuos bewegen."

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