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München: Der "Grillschwein-Skandal"

Ärger um Münchner SPD-Stadtrat Schwein des Anstoßes

Ein Münchner SPD-Politiker ließ die Namen seiner Gegner auf ein Spanferkel pinseln, um sie symbolisch zu grillen. Jetzt sind selbst Parteifreunde empört, der Ältestenrat der Landeshauptstadt erwartet eine Entschuldigung.

Es ging um eine tote Sau, als der Ältestenrat der Stadt München an diesem Freitag zusammenkam. Das Thema war kurzfristig auf die Tagesordnung gerutscht. Das Schwein gibt es nicht mehr, es wurde zuletzt auf einem Straßenfest im Münchner Westen gegrillt und verzehrt. Und trotzdem ist die Aktion zu einem Politikum geworden - weil die Zubereitung für Ärger bei den Parteien in der bayerischen Landeshauptstadt sorgt. Im Mittelpunkt: Josef Assal, der zu einer Belastung für seine SPD geworden ist.

Der Stadtratspolitiker hatte sich etwas Besonderes ausgedacht: Es gab zuletzt einfach so viel Ärger für den 54-Jährigen, das sollten seine Gegner jetzt irgendwie spüren, fand Assal. "A bisserl Spaß" wollte der Notarzt haben, so ließ er sich in lokalen Zeitungsberichten zitieren. Die Idee: Seine Gegner sollten symbolisch gegrillt werden.

Also wurde das Spanferkel vor dem Brutzeln mit Lebensmittelfarbe bepinselt. Am Ende hing ein bunt bemaltes totes Tier auf dem Spieß: "Deutsche Bahn" war darauf unter anderem zu lesen, ebenso "Aubinger CSU" sowie "Münchner Stadtrat", womit Assal vor allem den CSU-Fraktionschef, aber auch führende Vertreter von FDP und seiner SPD meinte. Assal selbst fand seine Aktion so gelungen, dass er Fotos davon an mehrere Münchner Redaktionen schickte.

Ältestenrat fordert schriftliche Entschuldigung

Der Sozialdemokrat hatte zuletzt als örtlicher Bezirksausschussvorsitzender gegen eine Bahnunterführung gekämpft, weil die Bahn bei den Bauarbeiten mehrere alte Kastanien fällen will. Assal wollte dies verhindern, aber der Stadtrat stimmte für das Bauprojekt.

Vom "Grillschwein-Skandal" und der "Skandal-Sau" ist in Münchner Zeitungen jetzt die Rede, und auch die Mitglieder des Münchner Ältestenrats waren am Freitag reichlich verärgert, als sie sich mit der Sache beschäftigten. Assal habe mit seiner Aktion "den gesamten Stadtrat beleidigt", sagte ein Teilnehmer der nicht-öffentlichen Sitzung. Das Gremium verlangte eine schriftliche Entschuldigung des SPD-Politikers noch vor der nächsten Vollversammlung am kommenden Mittwoch, andernfalls soll es einen Missbilligungsantrag gegen ihn geben.

Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) hatte sich zuletzt deutlich von seinem Parteifreund distanziert. Ude wertete Assals Aktion als "eine vollständige Entgleisung", die Namenszüge auf dem Grillschwein seien "eine Geste, die mit Todessymbolik arbeitet".

"Schande für den Stadtrat"

CSU-Fraktionschef Josef Schmid forderte die SPD auf, Assal nicht mehr für den Stadtrat und den Bezirksausschuss aufzustellen. "Sonst wird diese Angelegenheit Gegenstand des Wahlkampfs", sagte Schmid, der bei der Münchner Oberbürgermeisterwahl im kommenden März als aussichtsreicher Kandidat der Christsozialen gegen den SPD-Kandidaten Dieter Reiter antritt. Assal sei eine "Schande für den Stadtrat" und müsste eigentlich zurücktreten, so Schmid.

Bereits in der Vergangenheit habe es Ärger mit dem SPD-Politiker gegeben. Etwa als dieser seinen offiziellen Briefkopf als Bezirksausschuss-vorsitzender für ein Schreiben an die Bürger genutzt habe, um für das von Assal initiierte Bürgerbegehren gegen die Bahnunterführung zu werben - "ein klarer Regelbruch", so die Münchner CSU.

Für eine Stellungnahme war Assal am Freitag nicht erreichbar. Dem "Münchner Merkur" hatte er zuletzt gesagt, dass ein Rücktritt eine naheliegende Möglichkeit sei, er sich aber "alle Optionen" offenhalte. Von einer Entschuldigung Assals ist bislang nichts bekannt.

Das hat inzwischen der Münchner SPD-Chef Hans-Ulrich Pfaffmann für seinen Parteifreund übernommen: Die Aktion von Assal sei beleidigend und überschreite "eindeutig die Grenzen des politischen Anstands", erklärte Pfaffmann. Er entschuldige "sich stellvertretend für Josef Assal bei den betroffenen Personen".

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