Streit über Israel-Gedicht SPD-Politiker lehnen Wahlkampfhilfe von Grass ab

Seit Jahrzehnten macht Günter Grass Wahlkampf für die Genossen. Nach dem Streit um dessen Israel-Gedicht wollen SPD-Politiker künftig allerdings auf die Hilfe des Schriftstellers verzichten. "Seine Zeit ist einfach vorbei", heißt es.
Grass im Jahr 2005 mit SPD-Kanzler Schröder: Wahlkampfhilfe nicht mehr gefragt

Grass im Jahr 2005 mit SPD-Kanzler Schröder: Wahlkampfhilfe nicht mehr gefragt

Foto: JAN BAUER/ AP

Berlin - Einige SPD-Politiker wollen künftig auf Wahlkampfhilfe von Literaturnobelpreisträger Günter Grass verzichten. Mit Grass' umstrittenen Gedicht zu Israels Atompolitik habe sich "die Frage von künftigen Wahlkampfunterstützungen für die SPD erledigt", sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Christian Lange, der Zeitung "Die Welt".

Ähnlich äußerte sich auch Sozialdemokrat Reinhold Robbe. "Ich möchte Grass nicht mehr in einem Wahlkampf für die SPD erleben", sagte er dem Blatt. Grass habe sich mit seinen jüngsten Äußerungen zwischen sämtliche Stühle gesetzt. "Wahlkampfaktionen mit Grass würden viele Sozialdemokraten jetzt als Provokation und nicht als Unterstützung empfinden." Davon abgesehen gelte mit Blick auf Grass: "Seine Zeit ist einfach vorbei."

Grass machte seit Jahrzehnten Wahlkampf für die SPD. In den sechziger Jahren hatte er sich leidenschaftlich für die Wahl des Sozialdemokraten Willy Brandt zum Kanzler eingesetzt. Seine Erfahrungen im Bundestagswahlkampf 1969 hatte Grass in dem Buch "Aus dem Tagebuch einer Schnecke" verarbeitet.

SPD-Mann Robbe, der Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft ist, sagte zu Grass' umstrittenen Gedicht zu Israels Atompolitik: "Dieses Machwerk ist das eines alten Mannes, der offensichtlich unter Realitätsverlust leidet." Grass phantasiere über "eine umgekehrte Bedrohungslage", sagte Robbe. "Das ist nicht nachzuvollziehen, geschweige denn zu tolerieren."

Robbe kritisierte allerdings das Einreiseverbot des israelischen Innenministers gegen Grass als überzogen. Die Israelis beriefen sich auf die Pluralität und Offenheit ihrer Demokratie. "Da passt solch ein Einreiseverbot nicht hinein", sagte der SPD-Politiker.

Unterstützung erhielt Grass bei zahlreichen traditionellen Ostermärschen der mehrheitlich linken Friedensbewegung. Der Sprecher des Bundesausschusses Friedensratschlag, Peter Strutynski, erklärte am Montag: "Nicht Günter Grass gehört an den Pranger, sondern diejenigen Politiker, die weiter an der Eskalationsschraube im Nahen und Mittleren Osten drehen, indem sie Iran mit Wirtschaftssanktionen immer mehr in die Enge treiben."

fab/AFP
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