Künftige SPD-Generalsekretärin Fahimi Erster Auftritt, erstes Lehrstündchen

In Berlin ist sie weitgehend unbekannt - das dürfte sich bald ändern: Der SPD-Parteivorstand hat Yasmin Fahimi als neue Generalsekretärin nominiert, am Sonntag soll sie gewählt werden. Bei ihrer Präsentation muss Parteichef Gabriel sie gleich mal einfangen.
Designierte SPD-Generalsekretärin Fahimi: "Meine Stärke ist die Arbeit im Team"

Designierte SPD-Generalsekretärin Fahimi: "Meine Stärke ist die Arbeit im Team"

Foto: Marc Tirl/ dpa

Berlin - Die Linkspartei, natürlich. Ob die SPD im Osten denn künftig auch einen Linken zum Ministerpräsidenten wählen würde, wird Yasmin Fahimi gefragt. "Ich bin immer offen für vernünftige Koalitionsgespräche" sagt sie. Da grätscht Sigmar Gabriel vorsichtshalber mal dazwischen. "Die Antwort lautet: Das entscheiden die Landesverbände", sagt der SPD-Chef. Thema beendet.

Fahimi ist neu auf der Berliner Bühne, und ein paar Sprachregelungen muss die designierte SPD-Generalsekretärin erst noch lernen. Die Sache mit der Linkspartei gehört dazu. Bei der Frage, wie Rote und Rote miteinander umgehen sollen, sind schon so manche Sozialdemokraten ins Schwimmen geraten, und Gabriels Belehrung zeigt: Er kann jetzt alles gebrauchen, aber nicht schon wieder eine Diskussion über Rot-Rot-Grün.

Fahimi ist an diesem Montag vom SPD-Parteivorstand nominiert worden. Am kommenden Sonntag soll sie auf dem Parteitag zur Generalsekretärin gewählt werden. Es ist keine leichte Aufgabe. In Zeiten der Großen Koalition gilt es, einerseits das Profil der SPD zu schärfen, ohne aber zu sehr auf Abstand zur Union zu gehen. Mit öffentlichen Auftritten hat Fahimi bislang nicht allzu viel Erfahrung. Sie kommt vom Vorstand der Gewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie, dort leitete sie das Ressort "Politische Planung".

"Ja, ich bin selber auch überrascht gewesen, als mich der Anruf von Sigmar Gabriel ereilte", sagt Fahimi.

Im Willy-Brandt-Haus wartet viel Arbeit

Allzu forsch gibt sie sich bei ihrer Präsentation nicht, sie sagt, aus Respekt davor, erst noch gewählt werden zu müssen, wolle sie sich ein wenig zurückhalten. Dafür gibt es ein paar Allgemeinplätze. "Die Sozialdemokratie ist meine politische Heimat seit 28 Jahren", sagt sie. Ihre Stärke sei "die Arbeit im Team", die SPD verstehe sie als "Partei der Gerechtigkeit und Moderne". Damit kann man nicht viel falsch machen. Und Gabriel muss nicht noch mal dazwischengrätschen.

Neue Impulse erhoffen sich die Genossen künftig aber schon von der 46-Jährigen. Weiblich, links, mit Migrationshintergrund, das schien der SPD-Führung ein geeignetes Profil zu sein, um die Partei in der Öffentlichkeit zu repräsentieren. Zunächst einmal wird Fahimi aber wohl vor allem nach innen arbeiten. Es gilt, das Willy-Brandt-Haus kennenzulernen, den Europawahlkampf zu organisieren, die Parteireform voranzutreiben und neue Beteiligungsformen für die Mitglieder zu finden. Fahimi im Praxisschock.

Immerhin: Erst kürzlich ist ein erfahrener Stratege in die Parteizentrale eingezogen. Matthias Machnig, ein enger Vertrauter von Gabriel, soll sich vor allem um Wahlkampfbelange kümmern. Wenn es gut läuft, kann er Fahimi auch in anderen Fragen unter die Arme greifen. Aber es kann auch schlecht laufen. Es gibt Sozialdemokraten, die fürchten, dass Machnig sich selbst für den eigentlichen Generalsekretär halten könnte.

vme
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