Wahlkampf beim Fußball Jusos schießen Eigentor mit Anti-Hoeneß-Kampagne

Die Postkarten zeigen Steuersünder Uli Hoeneß beim Händedruck mit der Kanzlerin. 100.000 Exemplare des Wahlkampf-Flyers wollten die Jusos vor Fußballstadien verteilen. Doch die Aktion stößt auf Widerstand. Borussia Dortmund spielt nicht mit, selbst die SPD distanziert sich.
Motiv der Juso-Karte: Anti-Hoeneß-Aktion sorgt für Kritik

Motiv der Juso-Karte: Anti-Hoeneß-Aktion sorgt für Kritik

Foto: Klaus Staeck/ Jusos

Berlin - Der SPD-Parteinachwuchs will im Wahlkampf mit einer gegen Bayern-Präsident Uli Hoeneß gerichteten Postkartenaktion bei Fußballfans punkten, doch die Aktion sorgt in Politik und Bundesliga für scharfe Kritik.

Die Jusos wollten etwa am Freitagabend vor dem Spiel Borussia Dortmund gegen Werder Bremen Flyer verteilen, die Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) beim Handschlag mit Steuersünder Hoeneß zeigen. In Anspielung auf die Affäre werden Merkel die Worte "Glückwunsch Uli! Wir Steuern das schon" in den Mund gelegt.

Doch selbst Bayern-Rivale Dortmund will die Aktion verhindern. "Wir verweigern der Durchführung einer solchen Aktion bei uns im Stadion die Zustimmung, weil sich Borussia Dortmund politischer Neutralität verpflichtet fühlt", teilte BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke am Freitagmittag mit. Der Club bitte die Initiatoren "nachdrücklich, auf die Durchführung der geplanten Aktion zu verzichten".

Die Karte des Anstoßes

Die Karte des Anstoßes

Foto: Klaus Staeck/ Jusos

Selbst die SPD distanzierte sich von der Aktion ihres Parteinachwuchses. Eine Sprecherin betonte, dies sei keine Kampagne der SPD. Es handele sich um von Grafikdesigner Klaus Staeck gestaltete Karten, Präsident der Akademie der Künste. Die Jusos würden sie lediglich verteilen. Auf der Karte findet sich kein SPD-Logo.

Zuvor hatte Generalsekretärin Andrea Nahles noch angekündigt, die Jusos würden die Postkarten unter anderem in Hannover, wo Schalke spielt, und beim Heimspiel von Borussia Dortmund gegen Werder Bremen verteilen. Bis zu 100.000 Karten wolle man unter die Leute bringen.

Vom politischen Gegner gibt es erwartungsgemäß scharfe Kritik. Der schleswig-holsteinische FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki reagierte empört. "Die geplante Aktion einer Anti-Uli-Hoeneß-Kampagne ist an Geschmacklosigkeit nicht mehr zu überbieten", erklärte er. "Sie ist erbärmlich und zeigt die Verzweiflung der SPD im Hinblick auf desaströse Umfragewerte." CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt witterte einen "antibayerischen Wahlkampf".

Juso-Chef Sascha Vogt verteidigte die Aktion. "Das ist ein sehr passendes Motiv, weil wir im Wahlkampf einen klaren Schwerpunkt auf Steuergerechtigkeit setzen wollen", sagte er Süddeutsche.de . "Steuerhinterziehung ist ein krimineller Akt, den man ironisch aufgreifen kann. Hoeneß ist ein prominentes Beispiel."

fab/dpa