SPD-Sonderparteitag Steinbrück mit 93 Prozent zum Kanzlerkandidaten gewählt

Er ist's. Die SPD hat Peer Steinbrück auf ihrem Sonderparteitag in Hannover mit 93,45 Prozent zum Kanzlerkandidaten und Herausforderer von Angela Merkel gewählt. Er wolle eine rot-grüne Mehrheit für Deutschland, sagte Steinbrück - und stehe für eine Große Koalition nicht zur Verfügung.
Peer Steinbrück: Ein Blumenstrauß und viel Jubel für den Kanzlerkandidaten

Peer Steinbrück: Ein Blumenstrauß und viel Jubel für den Kanzlerkandidaten

Foto: Kay Nietfeld/ dpa

Hannover - Er will ins Kanzleramt einziehen und hat von seiner Partei jetzt auch offiziell den Auftrag dafür: Die SPD hat Peer Steinbrück auf ihrem Sonderparteitag in Hannover zum Kanzlerkandidaten gekürt. Der 65-Jährige erhielt 93,45 Prozent der Delegiertenstimmen.

Zuvor hatten ihn die Delegierten minutenlang für seine Rede gefeiert. Darin hatte Steinbrück den Anspruch seiner Partei auf einen Machtwechsel im kommenden Jahr angemeldet. "Wir sind es diesem Land schuldig, wieder einen sozialdemokratischen Bundeskanzler zu stellen", sagte der frühere Finanzminister. Er wolle im Wahlkampf für einen Richtungswechsel kämpfen, "damit es im Anschluss zu einem Regierungswechsel kommt", sagte Steinbrück. Er wolle gemeinsam mit den Grünen eine Regierung bilden. "Worüber ich mir keinen Kopf mache, ist ein anderes Szenario", sagte er mit Blick auf Spekulationen etwa über ein schwarz-rotes Bündnis. "Ich stehe für eine Große Koalition nicht zur Verfügung."

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Parteitag: SPD kürt Steinbrück

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Steinbrück bedankte sich bei seiner Partei dafür, dass sie ihm in den vergangenen Wochen trotz der Debatte über seine umstrittenen Nebeneinkünfte viel Solidarität entgegengebracht habe. "Das hat mich berührt, das werde ich nicht vergessen." Seine Vortragshonorare seien "Wackersteine" in seinem Gepäck gewesen, er habe sie der Partei "auf die Schultern gelegt", er bedanke sich dafür, "dass Ihr diese Last mitgetragen und ertragen habt".

Hart ging der frühere Bundesfinanzminister in seiner von den Delegierten bejubelten Rede mit der Regierung ins Gericht. Die Union sei zu einer "bloßen Machtmaschine geworden", sagte der SPD-Politiker. "Politisch wirkt die Union seltsam orientierungslos." Er warf Bundeskanzlerin Angela Merkel vor, keinen klaren Kurs in der Euro-Krisen-Politik zu fahren. "Bei Frau Merkel bleibt vieles im Ungefähren, und das ist nicht ungefährlich", sagte Steinbrück.

"Mir geht es um ein neues Gleichgewicht", sagte Steinbrück mit Blick auf seine wirtschaftspolitischen Vorstellungen. Die Marktwirtschaft müsse wieder stärker auf das Gemeinwohl verpflichtet werden. "Deutschland braucht wieder mehr Wir und weniger Ich."

Steinbrück verteidigte in seiner Rede vor den Delegierten die Reformpolitik der früheren rot-grünen-Koalition unter Altkanzler Gerhard Schröder, bekannte sich aber ausdrücklich zum "deutschen Wohlfahrtsstaat", der die "materielle Einlösung des Solidaritätsversprechens" sei.

Steinbrück forderte die Bundesregierung zu einem stärkeren Engagement gegen Rechtsextremismus auf. Schwarz-gelb verharmlose rechte Gewalt, in dem sie diese mit linker Gewalt gleichsetze. Er forderte die Regierung zudem auf, sich dem von den Ländern geplanten Antrag für ein Verbot der rechtsextremen NPD anzuschließen.

hen/AFP/dpa
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