SPD-Spitzenpolitiker "Die massive Kritik an Andrea Nahles ist unfair"

SPD-Spitzenpolitiker wie Olaf Scholz, Malu Dreyer und Manuela Schwesig haben zur Solidarität mit der Vorsitzenden Andrea Nahles aufgerufen - und zu einem respektvollen Umgang miteinander.

Andrea Nahles, Olaf Scholz
DAVID HECKER/EPA-EFE/REX

Andrea Nahles, Olaf Scholz


Am kommenden Dienstag will sich Andrea Nahles in der Bundestagsfraktion vorzeitig zur Wahl stellen. Vor dem Termin haben sich ihre Stellvertreter noch einmal zu Wort gemeldet: "Die massive öffentliche Kritik an Andrea Nahles ist unfair", heißt es in einer gemeinsamen Stellungnahme, die dem SPIEGEL vorliegt. Die "Süddeutsche Zeitung" hatte zuerst darüber berichtet.

"Wir sind die Partei der Solidarität", heißt es in dem Schreiben von Vizekanzler Olaf Scholz, den Ministerpräsidentinnen von Rheinland-Pfalz und Mecklenburg-Vorpommern, Malu Dreyer und Manuela Schwesig, den Landeschefs von Bayern und Hessen, Natascha Kohnen und Thorsten Schäfer-Gümbel, sowie dem schleswig-holsteinischen Fraktionschef Ralf Stegner.

Weiter heißt es: "Nach dem niederschmetternden Wahlergebnis müssen wir in der Sache offen und kritisch aber respektvoll darüber sprechen, was wir gemeinsam ändern müssen, um einen Weg aus der Krise zu finden." Nahles habe "in einer sehr schweren Phase" den Vorsitz der Partei übernommen.

Thierse warnt vor einem Sturz der Parteichefin

Der SPD-Parlamentarier Bernd Westphal sagte der "Rheinischen Post", er sehe am Dienstag keine Mehrheit für Nahles. "Das höre ich von sehr vielen SPD-Abgeordneten, aber auch von der Parteibasis, die einen Neuanfang ohne Andrea Nahles fordern." Auch wenn sich bis Dienstag kein Gegenkandidat mehr melde, könne Nahles abgelöst werden. "Entweder sie übernimmt jetzt selbst die Verantwortung für die Verluste bei der Europawahl und tritt vorher zurück. Oder sie muss am Dienstag eine Niederlage einstecken", sagte Westphal. "Dann wird sich ein anderer Kandidat oder Kandidatin zur Verfügung stellen."

Der ehemalige Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) warnte seine Partei hingegen vor einem Sturz von Partei- und Fraktionschefin. In den vergangenen drei Jahrzehnten seiner SPD-Mitgliedschaft habe die Partei allein 13 Vorsitzende verschlissen "und damit den Niedergang der SPD nicht aufgehalten", schrieb Thierse in einem Appell an die SPD-Bundestagsabgeordneten, wie der Berliner "Tagesspiegel" berichtete.

Nahles hatte die eigentlich für September geplante Wahl über den Fraktionsvorsitz nach dem desaströsen Abschneiden der SPD bei der Europa- und der Bremen-Wahl vorgezogen. Sollte sie scheitern, würde sich wohl auch die Frage nach dem Parteivorsitz stellen, den sie ebenfalls innehat.



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vks/dpa

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insgesamt 61 Beiträge
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Seite 1
smartphone 01.06.2019
1. warum wohl
Weil die Fr Nahles ja nur die Spitze des Eis- ähm Kritikbergs ist. zB ist die Grundrente keine, wenn sie nicht ALLE seit jahrzehnten lebenden "Ureinwohner" bekommen, sondern wieder sowas rausgebohrtres wie 35 J ( was macht einer mit nur 33 oder 20 oder 3 jahren in unsrem lausigen Arbeitsmarkt mit u.a. aktuell 8 Mio ALG1 real gezählt ).
kleinstaatengegner 01.06.2019
2. Alle die für den jetzigen Zustand der SPD
hauptverantwortlich sind, unterstützen die Hauptverantwortliche Frau Nahles. Mit dieser Truppe wird sich die Politik der SPD nicht ändern können, weil sie alle für die jetzige Politik stehen. Mit altem Personal neue Impulse setzen funktioniert in der Wirtschaft nicht und auch nicht in der Politik. Ein gutes Beispiel, wie man es richtig macht, sind die Grünen. Das Gejammer: " Die massive Kritik an Fr. Nahles ist unfair" kann man nur belächeln. Seit wann geht es in diesen Politikerkreisen "fair" zu? Die die das fordern, haben sich wahrscheinlich noch nie daran gehalten.
FritzR. 01.06.2019
3. Falsche Diskussion
An der Diskussion um die Person Nahles sieht man nur: Die SPD kapiert es nie! Die Diskussion sollte sich nicht um Personen drehen, sondern statt dessen darum, welche neuen (oder alten) Ideen die SPD politisch durchsetzen will. Allerdings muss man feststellen, dass Frau Nahles bereits gezeigt hat, dass sie keinerlei Ideen hat…
MichaelGallasch 01.06.2019
4. Respektvoller Umgang mit Frau Nahles?
Wäre ich dafür, wenn Frau Nahles wüßte, wie man respektvoll mit anderen Leuten umgeht. Aber wer anderen auf die fresse hauen will sollte sich nicht wundern, wenn andere angemessen reagieren
tamna 01.06.2019
5. "Wir haben verstanden"
...ungefähr 12 mal seit den letzten Wahlen gehört. Und? Keine Veränderung, immer weiter so. Kein Plan, keine Perspektive, kein tragfähiges Ziel. Keine Schärfe, keine Kante, Beliebigkeit in jedem Thema. Gibt's ein Aufwachen bei einstelligen Wahlergebnissen?
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