SPD-Streit Schröder nennt Becks Intrige-Vorwurf "Quatsch"

"Intrige? Das ist Quatsch": Altkanzler Schröder weist den Verdacht von sich, er habe zum Sturz Kurt Becks beigetragen - eine Theorie, die auch Beck selber verbreitet hatte. Der geschasste SPD-Chef erhebt schon wieder neue Vorwürfe gegen die Genossen - er sieht in der Partei "Halbverrückte" am Werk.


Hamburg/Berlin - Der Altkanzler zu Hause vor dem Fernseher, neben sich seine Gattin Doris, zu Füßen Borderterrier Holly. In etwa so idyllisch hat man sich die Hannoveraner Reihenendhaus-Szene am Sonntag vor zweieinhalb Wochen vorzustellen, als rund 200 Kilometer entfernt SPD-Chef Kurt Beck zurücktrat. Zumindest erinnert sich Gerhard Schröder so in einem Interview mit der "Zeit". Er habe zusammen mit seiner Frau die Ereignisse im Fernsehen verfolgt - "und wir wussten nicht, was los ist". Alleine deshalb weist Schröder die Vorwürfe Becks, der Ex-Kanzler habe an seinem Sturz mitgewirkt, energisch zurück. "Intrige? Das ist Quatsch", sagte Schröder.

Altkanzler Schröder, Ex-SPD-Chef Beck: Unterschiedliche Darstellungen
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Altkanzler Schröder, Ex-SPD-Chef Beck: Unterschiedliche Darstellungen

Erst drei Tage nach dem Rücktritt von Kurt Beck habe er mit dem SPIEGEL über die Vorgänge in der SPD gesprochen, sagt Schröder: "Zu dem Zeitpunkt war die Messe am Schwielowsee bereits gelesen." In seinem Buch "Ein Sozialdemokrat", das an diesem Donnerstag in Berlin vorgestellt wird, schreibt Beck, über die "Kandidatenfrage" sei vor der offiziellen Verkündung in Einzelheiten berichtet worden, "die neben Beteiligten auch auf Gerhard Schröder verwiesen".

Schröder wundert sich nun über diese Darstellung und verweist gegenüber der "Zeit" auf einen an ihn gerichteten Brief Becks vom 10. September. Von einer Spur, die auf ihn verweise, sei darin nicht die Rede. Vielmehr dankte Beck "für die Unterstützung und den Rat".

Vehement widerspricht der Altkanzler auch einer anderen Vermutung: Mit einem Comeback von ihm sei nicht zu rechnen. Die "operative Politik ist vorbei, für alle Zeiten definitiv", sagt Schröder, "auch wenn es der wichtigste Teil meines beruflichen Lebens war". In den kommenden Bundestagswahlkampf werde er nur sehr zurückhaltend eingreifen. Wenn jemand Rat haben wolle, bekäme er ihn, "aber ich dränge mich keinem auf".

Unterdessen hat sich auch Ex-Parteichef Beck wieder zu Wort gemeldet - und die Umgangsformen innerhalb der Partei kritisiert. "Wir duzen uns, wir nennen uns Genossen, aber wir verhalten uns nicht so", sagte Beck dem "Stern". Erneut warf er Parteimitgliedern mangelnde Loyalität während seiner Amtszeit vor. Manche Parteifreunde hätten ihm "Backsteine statt Brot in den Rucksack gepackt". Am Ende habe er als Parteivorsitzender eine "unerfüllbare Mission" gehabt. Er hoffe, "dass die nächsten Parteiführungen die Chance haben, vernünftig zu arbeiten und Konflikte offen auszutragen".

Das Verhältnis zu seinem designierten Nachfolger Franz Müntefering sieht Beck auch nach ihrem Treffen am vergangenen Freitag schwer beschädigt. "Mehr als dass man miteinander anständig und ordentlich reden kann, hat es nicht gebracht." Beck bestätigte, dass er nicht am SPD-Sonderparteitag am 18. Oktober in Berlin teilnehmen werde, auf dem Müntefering erneut zum SPD-Vorsitzenden gewählt werden soll. "Ich will vor allem nicht für irgendwelche geheuchelten Bilder herhalten. Dafür ist mir alles noch zu nah." Die Arbeit in der SPD dürfe nicht von "Halbverrückten kaputtgemacht werden".

Beck war bereits am Montag mit Müntefering hart ins Gericht gegangen. In vorab veröffentlichten Auszügen seiner Autobiografie "Ein Sozialdemokrat" hatte er Müntefering unzureichende Kooperation und Mangel an sozialdemokratischem Profilierungswillen als Vizekanzler vorgeworfen. Müntefering zeigte Verständnis für die Buchdarstellung. Die Vorgänge um den Rücktritt Becks trügen zu respektierende "menschliche Seiten". Deshalb sei er "voller Gelassenheit".

Das SPD-Präsidium war am Montag ohne Aussprache über die Kritik von Beck hinweggegangen.

flo/AP/dpa



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Seite 1
SaJaSen 12.09.2008
1.
Sorry, aber hätte man nicht im alten Thread weiter diskutieren können? Zum Thema: Schaut man sich die vergangenen Erfolge der SPD unter Brandt, Schmidt und Schröder an, so war der Wechsel an der Parteispitze notwendig und mit Steinmeier und Müntefering sind die Chancen zur CDU aufzuschließen wieder gewachsen. Wahlen werden nicht durch eine Klientenpolitik gewonnen - wie es die Linke versucht - sondern dadurch dass man versucht die Mehrheit der Wähler politisch zu erreichen und anzusprechen. Es geht darum die Wechselwähler, die traditionell zwischen SPD, FDP und CDU wechseln politisch zu überzeugen, dass die Konzepte der SPD besser sind als die der konkurrierenden Parteien. Dies traue ich Steinmeier und Müntefering zu, da diese integrativ wirken und nicht wie die SPD-Linke und die Linke auf den Klassenkampf setzen, der in unserer heutigen Gesellschaft nicht mehr zeitgemäß ist.
Coolie, 12.09.2008
2.
Zitat von sysopDer Kanzlerkandidat ist gekürt, Franz Müntefering ist zurück und sogar ex-Kanzler Schröder mischt bei der SPD wieder mit. Ist die Partei nun aus der Krise und gut aufgestellt für künftige Wahlkämpfe?
Nein. Jedenfalls ist bisher nichts in dieser Richtung zu entdecken. Wer gestern zufällig die Sendung "Maybritt Illner" gesehen hat, durfte feststellen, dass die Gräben zwischen den "Seeheimern" und den "Linken" in der Partei noch nie so tief waren. Wenn die SPD es nicht schafft, ein Wahlprogramm auf die Beine zu stellen, in dem der Schwerpunkt auf bezahlbare, soziale Gerechtigkeit liegt, dann siehts düster aus.
venicius 12.09.2008
3.
Zum erneuten Richtungswechsel der SPD hin zur Mitte (nach Rechts): MMn ist diese Wendung hin nach Rechts das einzig Vernüntige, was die SPD in dieser Situation tun kann. Sie hat große Anteile der Wählerschaft an die LINKE verloren. Die CDU ist unverändert stärkste Partei. In dieser Situation zu versuchen, von der LINKEN die alten Wählerschaften wieder zurück zu gewinnen würde an der Gesamtsituation nichts ändern, sondern nur innerhalb der Blöcke Verschiebungen bedeuten. Die rechtskonservative Mitte stünde dem unverändert stark gegenüber und bedeutete keine Veränderung innerhalb der Parteieinlandschaft. Einzig vernünftiger Weg kann für die SPD also nur sein, sich weiter zur Mitte (nach Rechts) zu begeben und zu versuchen, neue Wähler von CDU und FDP zu sich herüber zu ziehen, und so das konservative Lager zu schwächen. Ideal wäre die Herbeiführung einer Spaltung der CDU, wie es innerhalb der SPD geschehen ist. Der aktuelle Wahlkampf in Bayern und die vorgebliche Sozialdemokratisierung der CSU macht deutlich, dass dies nicht unmöglich ist. Der Kurs der SPD ist also daher vernünftig, weil mit der Rückeroberung der nun LINKEN Wähler weiterhin keine Wahlen/Macht zu gewinnen ist. Dies erscheint nur möglich durch Schwächung der CDU/FDP und vergrößerung der Rechts-SPD in diese Richtung. Dass die CDU diese Gefahr erkannt hat wird dadurch deutlich, dass selbst hier eine aus CDU-Kreisen zumindest kritisierte Sozialdemokratisierung stattgefunden hat. Die Stärkung der LINKEN hat also zu einem Auseinanderreißen der SPD geführt. Die SPD musste sich, um künftig Aussicht auf Wahlerfolge zu haben nach Rechts wenden und hier Kompetenzen gewinnen. Um dem stand zu halten versucht die CDU sich gleichsam nach Links zu wenden, wogegen sich der rechts CDU-Flügel zu wehren versucht. Gleichsam wird der rechts CDU-Flügel versuchen, die Partei weiter nach Rechts zu ziehen, während der linke Flügel den konservativen Kompetenz-Angriff der SPD abzuwehren hat. Weitere Linkspolitik der SPD wäre also langfristig gesehen nicht produktiv. Die SPD könnte hierbei nichts gewinnen, sondern lediglich alte Verluste rückgängig zu machen versuchen, was die alten Verhältnisse mit einer moderat schwachen Linken gegenüber einer starken konservativen Mitte nur wiederherstellen würde. Ein möglicher Gewinn liegt für die SPD nur dort, wo sie die Konservative Mitte und damit CDU/FDP schwächen und für ihr eigenes Lager gewinnen kann. Daher ist die Wendung der SPD hin nach Rechts nur konsequent und einzig erfolgversprechend, daher einzig logischer Schritt. Ich bin ganz bestimm kein Anhänger der SPD, um das mal klarzustellen. Die Sympathien, die ich weiterhin in geringem Maße für sie hege, stammen eher aus ihren historischen Wurzeln und der Tradition. Vielleicht nennt man es bestenfalls Nostalgie. Ich nehme eben auch an, dass die hier gefällte Entscheidung für den Rechts-Kurs eine langfristige Strategie beinhaltet. Münte ist kaum noch an Regierung, Amt und Würden interessiert. Möglicherweise interessiert ihn sein historisches Ansehen und sein Platz in der Geschichte der Partei und der BRD. Dass die SPD-Führung nicht sehenden Auges und in vollem Bewusstsein unbeirrt dem Untergang ihrer Partei entgegengeht und damit dem absoluten Tiefpunkt und der entsprechenden historischen Bewertung ihres historischen Erbes und Ansehens anvisiert, sollte eigentlich jedem hier klar sein müssen.
tzscheche, 12.09.2008
4. No Future !
Zitat von sysopDer Kanzlerkandidat ist gekürt, Franz Müntefering ist zurück und sogar ex-Kanzler Schröder mischt bei der SPD wieder mit. Ist die Partei nun aus der Krise und gut aufgestellt für künftige Wahlkämpfe?
In der Geschichte nennt man sowas wohl Gegenreformation:-) oder besser:Konterrevolution:-)) Dass die abgewrackte und zerrissene SPD ihre alte Wahlkampfmaschine wieder rausholt ist im Grunde traurig, zeigt es doch, wie nachhaltig die Partei ausgeblutet ist. Erschreckend ist doch, wie wenig Zukunftsperspektive sich in diesen jüngsten "Entscheidungen" ausdrückt. Wenn jetzt Leute wie Struck von "Neuanfang" reden, klingt das für mich fast schon zynisch...
Henner Dehn, 12.09.2008
5.
Zitat von SaJaSenSorry, aber hätte man nicht im alten Thread weiter diskutieren können? Zum Thema: Schaut man sich die vergangenen Erfolge der SPD unter Brandt, Schmidt und Schröder an, so war der Wechsel an der Parteispitze notwendig und mit Steinmeier und Müntefering sind die Chancen zur CDU aufzuschließen wieder gewachsen. Wahlen werden nicht durch eine Klientenpolitik gewonnen - wie es die Linke versucht - sondern dadurch dass man versucht die Mehrheit der Wähler politisch zu erreichen und anzusprechen. Es geht darum die Wechselwähler, die traditionell zwischen SPD, FDP und CDU wechseln politisch zu überzeugen, dass die Konzepte der SPD besser sind als die der konkurrierenden Parteien. Dies traue ich Steinmeier und Müntefering zu, da diese integrativ wirken und nicht wie die SPD-Linke und die Linke auf den Klassenkampf setzen, der in unserer heutigen Gesellschaft nicht mehr zeitgemäß ist.
Ausser einen abgetauchten Steinmeier bei den wichtigen Fragen konnte ich da bisher nichts feststellen.
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