Nahles-Nachfolge Oppermann sieht Kühnert als SPD-Chef - "in zehn Jahren"

Wer soll die schwer lädierte SPD in die Zukunft führen? Bundestagsvizepräsident Thomas Oppermann nennt gleich mehrere Kandidaten. Und was ist mit Juso-Chef Kevin Kühnert?

Bundestagsvizepräsident Thomas Oppermann, Mitte März im Plenum
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Bundestagsvizepräsident Thomas Oppermann, Mitte März im Plenum


Die derzeit von einem Übergangs-Trio geführte SPD diskutiert nach dem Rücktritt von Andreas Nahles weiter darüber, wie eine neue Chefin oder ein neuer Chef gefunden werden kann. Und natürlich darüber, wer es werden könnte.

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Heft 24/2019
Sprengkommando Kühnert - warum SPD und GroKo den Juso-Chef fürchten müssen

Bundestagsvizepräsident Thomas Oppermann (SPD) feuert in einem Interview mit dem "Tagesspiegel am Sonntag" die Personaldebatte an. Er nennt der Zeitung zufolge Arbeitsminister Hubertus Heil, Familienministerin Franziska Giffey und Niedersachsens Ministerpräsidenten Stephan Weil als geeignete Kandidaten für Nahles' Nachfolge. Zu Juso-Chef Kevin Kühnert sagte er, diesen wünsche er sich "in zehn Jahren" als SPD-Chef.

Generalsekretär Klingbeil: Bei einer Urwahl wird es bis Dezember dauern

Sollte es eine Beteiligung der Basis geben, mittels Urwahl oder einem ähnlichen Weg, könnte sich die Entscheidung über eine neuen SPD-Parteispitze noch bis zum Jahresende hinziehen, vermutet SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil. Dann nämlich bräuchten die Kandidaten "Zeit, um sich zu präsentieren", sagte er der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Das wiederum spräche gegen ein Vorziehen des Parteitags.

Er wünsche sich, dass "die Kandidaten im ganzen Land unterwegs sind und sich vor Ort vorstellen und es einen fairen Wettbewerb gibt", sagte Klingbeil der Zeitung. "Es wird keine Schnellschüsse geben." Damit es nicht zweier Parteitage bedürfe, um vor einer Urwahl die Satzung zu ändern, bestehe die Möglichkeit, "dass sich der Parteitag verpflichtet, ein Votum der Parteibasis anzuerkennen".

Finanzminister Olaf Scholz (SPD) und Parteigeneralsekretär Lars Klingbeil
FELIPE TRUEBA/EPA-EFE/REX

Finanzminister Olaf Scholz (SPD) und Parteigeneralsekretär Lars Klingbeil

Festgelegt werden soll das weitere Vorgehen vom Parteivorstand am 24. Juni. Prominente Sozialdemokraten sprechen sich dafür aus, die künftige Spitzenkraft in einer Urwahl zu bestimmen. Eine formale Entscheidung muss dann der Parteitag treffen, der bislang für Anfang Dezember vorgesehen ist

Ebenfalls diskutiert wird eine Doppelspitze, wie sie auch die Grünen und die Linkspartei haben. Die kommissarischen SPD-Chefs Thorsten Schäfer-Gümbel und Malu Dreyer äußerten sich dazu unterschiedlich.

Schäfer-Gümbel sagte dazu allerdings im Deutschlandfunk, die Grünen hätten damit in den vergangenen 25 Jahren viele Flügelkämpfe erlebt. Andererseits könne eine Doppelspitze eine größere Bandbreite an Inhalten schaffen. Letztlich hänge eine Doppelspitze aber "vor allem von Personenkonstellationen ab und nicht von Strukturen".

Dreyer sagte dazu der "Süddeutschen Zeitung", eine Doppelspitze sei "nicht die Lösung eines jeglichen Problems". Zudem müsse das Personal dabei "echt gut zusammenpassen". Die Grünen hätten erst jetzt ein Team, das wirklich gut funktioniere und das Beispiel der Linken zeige, wo die Profilierung "schwieriger" werde, sagte Dreyer.

cht/AFP

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insgesamt 122 Beiträge
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Seite 1
GustavN 08.06.2019
1.
Kühnert kann unmöglich Vorsitzender der SPD werden. Dann wäre ja ein Sozialdemokrat an der Parteispitze! Sowas ist für eine neoliberale Partei wie die SPD doch nicht tragbar.
maohan 08.06.2019
2. Nahles-Nachfolge: Oppermann sieht Kühnert als SPD-Chef - "in zehn Jahr
wenn Kevin Kühnret SPD Vorsitzende werde sollte, trete ich aus SPD aus. Kevin ist der Übel für SPD. Er hat SPD nieder gemacht und kann nicht jetzt als Retter antreten. Es erinnert an Feuerwehr Strich. selbst Feuer legen und dann anrücken.
MisterD 08.06.2019
3. Nunja...
kommt auf den Standpunkt an... Aus Sicht der Wähler wäre Kevin jetzt genau der Richtige. Er sagt, was er denkt, er hat noch Ecken und Kanten. Vor allem aber hat er ganz offensichtlich verstanden, wo die großen Probleme der Generation Y und aufwärts liegen werden: Der Kapitalismus frisst seine Kinder, die westliche Welt wird eher Teile ihres Wohlstands verlieren, als ihn zu vermehren... zumindest 95% der Bevölkerung... während sich das Vermögen immer stärker konzentriert... Wenn Kevin die SPD anführt und eine Koalition mit den Linken möglich wird, würde ich auch wieder SPD wählen... (bringt natürlich nichts, denn jetzt wähle ich links...) Aus Sicht der SPD bzw. deren Parteiführung ist er natürlich noch lange nicht soweit. Die Ecken und Kanten müssen erst noch geschliffen werden. Denn die SPD hat es immer noch nicht verstanden... die Leute wollen keine aalglatten Taktierer mehr, die ihr Fähnchen nach dem Wind richten nur um zu regieren. Kein Umfallmännchen wie Frau Nahles, die erst in die Opposition wollte und dann doch der Macht nicht widerstehen konnte... Ich bin für Kühnert. Schlimmer kanns eh nicht mehr werden für die SPD, warum nicht mal was Neues probieren?
achim21129 08.06.2019
4. Oh man,
nur Personaldiskussionen, nix anderes als Personaldiskussionen.
Havel Pavel 08.06.2019
5. Wohl ein kleiner Witzbold dieser Opfermann
Na solche Zuversicht möchte ich mal haben mir Kevin Kühnert in 10 Jahren als SPD- Chef zu wünschen. Wer weiss was mit dem Herrn dann ist und ob es die SPD bis dann noch geben wird, was ganz sicher nicht der Fall sein wird wenn sie weiterwursteln wie bisher. Jede versprochene Verbesserung, Neuausrichtung, usw. hat doch stets immer das Gegenteil dessen bewirkt was die Fischköpfe damit erreichen wollten. Also entweder machen die Wähler etwas falsch oder die tätigen SPD Politiker. Meiner Meinung nach entfernt sich die SPD immer von der Lebenswirklichkeit und jagt nur noch irgendwelchen verblendeten Ideologien nach. Dies mag ja eine zeitlang gut funktionieren, siehe die Grünen oder auch die SPD selbst als der allseits bejubelte Heilsbringer Dr.Martin Schulz mit 100% Zustimmung ins Amt gehieft wurde. Aber alle Luftschlösser fallen irgendwann dann stets in sich zusammen, denn ganz so dumm wie es die Parteien gerne hätten sind dann doch nicht allzuviele Wähler und wenden sich lieber realitätsorientierteren Parteien zu. Wird bestimmt noch spannend um die SPD aber sie wird wohl eher eine Randrscheinung bleiben, die Ewiggestrigen brauchen ja schliesslich auch eine Heimat.
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